Baby Archie ist getauft, die Royals lächeln zufrieden. Dennoch sorgen die offiziellen Familienfotos aus dem britischen Königshaus für Diskussionen. Zu Recht?

Anja Delastik
Eine Kolumne
von Anja Delastik, Journalistin, Kolumnistin

Den Windsors steht Ärger ins Haus. Zumindest, wenn man der Meinung von Königshaus-Experten und -Anhängern Glauben schenkt.

Der Beweis: das neueste offizielle Familienporträt der Royals. Seit Herzogin Meghan und Prinz Harry es nach der Taufe von Baby Archie auf Instagram veröffentlichten, sorgt das Foto für Gesprächsstoff und wilde Spekulationen.

Unbehagen macht sich breit

Sind Prinz Harrys Socken zu dunkel? (Na ja, blaue wären besser gewesen.) Ist der Panamahut von Lady Sarah McCorduodale, der Schwester von Lady Diana zu "Hannibal Lecter"? (Keineswegs!) Ist Herzogin Kates Kleid zu kurz? (Gerade noch okay.)

Nein, es ist nicht das Offensichtliche, das für Gesprächsstoff sorgt. Es sind Interpretationen -- von Körperhaltung, Lächeln, Gesten. In der Boulevard-Presse befindet die britische Körpersprache-Expertin Judi James, die Gesamtstimmung des Fotos sei "unterkühlt", die Anwesenden vermittelten ein gewisses "Unbehagen." Ist da was im königlichen Busch?

Das royale Familienfoto wurde anlässlich der Taufe von Baby Archie veröffentlicht.

Prinz Türsteher und Herzogin Fluchtbereit

Auf Twitter haben die Fans vor allem Prinz William und Herzogin Kate im Visier. Beide wirkten distanziert, entfremdet. User schreiben, "unglücklich" sähe er aus, "verächtlich" gar. Und auch sie habe "ein gezwungenes Lächeln", wirke "schmerzgeplagt".

Körpersprache-Expertin James geht noch weiter: William stünde da wie "der Türsteher eines Nachtclubs", Kates Haltung deutet sie als "steif" und "fluchtbereit".

Nun muss man bedenken, dass die Taufzeremonie von Baby Archie Harrison Mountbatten-Windsor im privaten Rahmen in einer kleinen Schlosskapelle stattfand, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Auftritte davor oder danach.

Sogar die Gästeliste blieb bis zum Schluss geheim, ebenso die Namen der Taufpaten. Natürlich wurmt das so manchen loyalen royalen Anhänger, von "Traditionsbruch" ist gar die Rede.

Leckerbissen für Klatschhungrige

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Vor allem in Zeiten von Social Media sind viele Fans überzeugt, sie hätten ein Anrecht darauf, stets und überall am Leben ihrer Idole teilzuhaben - und so manche Prominente nähren diesen Irrglauben. Doch während die Kardashians dieser Welt jeden abgebrochenen Fingernagel mit ihren Fans auf Instagram teilen und jede Fehde öffentlich austragen, ist das britische Königshaus naturgemäß zurückhaltender.

Damit sind die Royals sowas wie der ultimative, weil exklusive Leckerbissen für Klatschhungrige. Die Diskussionen um das königliche Familienfoto verdeutlichen diesen unbändigen Appetit - und Fans stürzen sich auf jeden noch so kleinen Happen, bevorzugt in den Geschmacksrichtungen bitter und sauer.

Je böser, umso besser

Je fieser der Tratsch und je böser das Gerücht, umso besser. Denn tatsächlich wirkt der Konsum von negativem Promiklatsch ähnlich befriedigend wie der eines leckeren Drei-Gänge-Menüs: Das Lustzentrum im Hirn wird stimuliert, Dopamin ausgeschüttet, Zufriedenheit ausgelöst.

Zu dumm, dass die Royals da zurzeit nicht mitspielen. Kein Drama ist in Sicht oder zumindest nicht öffentlich einsehbar. Es sei denn, besonders Sensationsgierige starren so lange hin, bis ihnen eine aufrechte Sitzposition wie eine Habt-Acht-Stellung und ein sanftes Lächeln wie ein verächtliches Grinsen erscheint. Wer sucht, der findet – auch das Drama.

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