Backup-Thronfolger: Die royalen Notnägel der Monarchie

Prinz Carl Philip von Schweden feiert Geburtstag. Als Bruder der Thronfolgerin hat er ähnliche Privilegien - aber deutlich mehr Freiheiten als seine Schwester. Für Carl-Philip offenbar ein guter Deal, doch nicht jeder Royal kommt mit seinem Schicksal als blaublütiger Notnagel so gut zurecht.

Prinz Carl Philip (2.v.li.) ist der einzige Sohn von König Carl-Gustaf und Königin Silvia, doch dank einer Gesetzesänderung im Jahr Januar 1980 steht seine große Schwester Victoria in der Thronfolge auf Platz 1. Durch die Kinder von Victoria ist der Prinz mittlerweile auf Rang 4 der schwedischen Thronfolge gerutscht. Er kann es offenbar verschmerzen ... (Bild: 1982)
Denn während auf seiner Schwester schon in jungen Jahren Druck und hohe Erwartungen lasten, hat Carl Philip vergleichsweise viele Freiheiten und probiert sich in vielen Dingen aus, etwa als Rennfahrer, Fotograf, Grafikdesigner und Agrarwissenschaftler. Auch bei der Wahl seiner Ehefrau hatte er gegen weniger Widerstände zu kämpfen als seine große Schwester - und das trotz Prinzessin Sofias Trash-TV-Vergangenheit.
Auch Prinz Harry genoss als Kind und Jugendlicher mehr Freiheiten als sein großer Bruder William, doch Harry hatte mit seinem Dasein in der zweiten Reihe offenbar zu kämpfen. Schon 2018 ließ die britische Journalistin Angela Levin in ihrem Buch "Harry - Gespräche mit einem Prinzen" durchblicken, dass er ein Leben im Schatten von George und Charlotte fürchte - die Kinder von William stehen in der Thronfolge vor ihm. (Bild: 1991)
Den endgültigen Nackenschlag soll ihm schließlich ein Foto versetzt haben, das der Palast zu Beginn des Jahres 2020 veröffentlicht hatte. Darauf zu sehen: Die Queen und ihre Thronfolger Charles, William und George – nur eben kein Harry. Darüber soll der Prinz sehr enttäuscht gewesen sein. Es soll ihn darin bestärkt haben, sich mit seiner Familie zurückzuziehen. Es folgte der sogenannte "Megxit".
In der Generation vor Harry hatte im Hause Windsor Prinz Andrew (li.) die Rolle des Backup-Thronfolgers inne. Im Palast dürfte man in den vergangenen Monaten froh darüber gewesen sein, dass Charles (r.) und nicht er der erstgeborene Sohn der Queen ist - als Prince of Wales hätte er mit seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal um US-Milliardär Jeffrey Epstein die Krone noch schwerer beschädigt als ohnehin schon. (Bild: 1976)
Inzwischen ist Prinz Andrew auf Rang 8 der Thronfolge abgerutscht – die Gefahr, dass er eines Tages noch das Zepter in die Hand nimmt, ist zur Erleichterung vieler Briten gering. Er selbst hatte allem Anschein nach kein Problem mit einem Dasein in der zweiten Reihe, er ging in seiner Rolle als Wirtschaftslobbyist des Königreichs voll auf. Diesen Job ist er nach dem Fall Epstein allerdings los.
Außerhalb Dänemarks dürfte Prinz Joachim (r.) im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Frederik (li.) nur echten Royal-Fans ein Begriff sein - den Titel Kronprinz hat er um ein Jahr und zwölf Tage verpasst. "Meine Rolle ist es, der jüngere Bruder des Kronprinzen und später der des Königs zu sein, nichts weiter", sagte Joachim einmal über seine Rolle im dänischen Königshaus. (Bild: 1976)
Mit diesem Schicksal ist Prinz Joachim (li.) nach eigenen Angaben völlig im Reinen. Heute ist der gelernte Landwirt Major der Reserve der dänischen Garde und geht diversen repräsentativen Aufgaben nach. Seine Söhne aus erster Ehe mit Alexandra Manley (2.v.li.), Prinz Nikolai (M.) und Prinz Felix (r.), sind 20 und 18 Jahre alt.
Prinzessin Märtha-Louise ist das erste Kind von König Harald und Königin Sonja von Norwegen – der Thron geht dennoch eines Tages an ihren zwei Jahre jüngeren Bruder, Prinz Haakon. Darüber dürfte die heute 48-Jährige nicht ganz unglücklich sein, denn sie haderte seit jeher mit ihrem Royal-Status und tat sich schwer, sich anzupassen. (Bild: 1996)
Märtha-Louise gilt als Enfant terrible des norwegischen Königshauses: Erst heiratete sie den umstrittenen Regisseur Ari Behn, sorgte dann für die erste Scheidung in der Geschichte der norwegischen Monarchie. Sie behauptet, mit Engeln sprechen zu können, gründete deshalb eine "Engelsschule" und sorgte zuletzt mit ihrer Beziehung zu einem Schamanen für Schlagzeilen. Der anhaltenden Kritik an ihrer Person begegnet die Prinzessin aber souverän und sagt über sich selbst: "Heute bin ich viel befreiter."
Das belgische Königshaus ist in Sachen Gleichberechtigung schon weiter als das norwegische. 1994 wurde die Thronfolgerregelung geändert, sodass Prinz Gabriel hinter seiner älteren Schwester Elisabeth zurückstehen muss. Ob Gabriel überhaupt Ambitionen hätte, König von Belgien zu sein? Staatsoberhaupt eines derart gespaltenen Landes zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Aktuell interessiert sich der junge Royal vor allem für Fußball und Hockey, wie es sich für einen 16 Jahre alten Teenager gehört – Stammbaum hin oder her.
Infantin Sofia (r.) steht im Schatten ihrer älteren Schwester Leonor von Spanien, die kürzlich zum ersten Mal in ihrer Rolle als Kronprinzessin in Erscheinung trat. Besonders traurig ist Sofia darüber allem Anschein nach nicht: Während Leonor ihre erste Rede souverän absolvierte, wirkt die 13-Jährige immer etwas schüchtern in der Öffentlichkeit. Ihrer großen Schwester steht sie aber bei Auftritten wacker zur Seite – die beiden gelten als unzertrennliches Duo.
Prinzessin Alexia steht hinter ihrer großen Schwester auf Platz 2 der niederländischen Thronfolge und damit nicht ganz so sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Bei allen drei Töchtern haben König Willem Alexander und Königin Maxima sehr darauf geachtet, dass sie so ungestört wie möglich aufwachsen können - und ihren Job als Eltern haben sie offenbar sehr gut gemacht, wie ihnen Prinzessin Alexia attestiert. Die beiden seien "echt sehr gute Eltern", sagte sie kürzlich in einem Interview. Vor allem Maxima erhielt ein großes Lob von der eigenen Tochter: "Wenn man bedenkt, wie viel sie arbeitet, finde ich, dass sie es als Mutter sehr gut macht."