Südsudan: Humanitäre Hilfe trotz Krieg

Um Kinderleben zu retten, dringen UNICEF-Helfer bis in die letzten Winkel der Welt vor. Doch wie funktioniert das überhaupt? Diese Fotos aus dem Südsudan verdeutlichen, welche Herausforderungen UNICEF meistern muss, um Kinder in besonders abgelegenen, verwüsteten oder umkämpften Gebieten zu erreichen.

Über 2,2 Millionen Menschen sind vor dem brutalen Konflikt in die Nachbarländer des Südsudans geflohen, rund 1,4 Millionen Menschen sind im eigenen Land vertrieben. Der Südsudan ist flächenmäßig so groß wie Frankreich – doch es gibt im Land nur knapp 200 Kilometer asphaltierte Straße. Nothilfegüter müssen also per Flugzeug oder Helikopter transportiert werden.
In der Regenzeit, die jedes Jahr im April beginnt und rund sieben Monate dauert, sind 60 Prozent aller Straßen und viele Landepisten unpassierbar. Einen Hubschrauber zu landen erfordert dann oft Maßarbeit.
Von der Landepiste geht es weiter mit Booten – oft die einzigen Fortbewegungsmittel, mit denen UNICEF-Mitarbeiter Kinder in abgelegenen Dörfern erreichen können.
Und manchmal geht es nur noch zu Fuß weiter – mitunter knöcheltief im Wasser.
In Gegenden, die gänzlich unerreichbar oder für Flugzeuge zu gefährlich zum Landen sind, werden die Hilfsgüter aus der Luft abgeworfen.
Um während der Regenzeit Hilfsgüter wie lebensrettende Erdnusspaste verteilen zu können, bestückt UNICEF in der Trockenperiode alle Warenlager. Eine enorme Logistikleistung. Aufgrund des Konflikts oder wegen ihrer abgeschiedenen Lage sind viele Dörfer im Südsudan oft monatelang von Hilfe abgeschnitten.
In 2019 hat UNICEF 32 solcher Missionen durchgeführt und damit 250.000 Menschen erreicht, inklusive 50.000 Kinder. Die Mitarbeiter übernachten während solcher Missionen in provisorischen Camps.
Gummistiefel sind dabei unverzichtbar, um die Füße trocken zu halten – aber auch, um sich vor Schlangenbissen zu schützen.
Kommunikation mit Kollegen oder Familie ist nur per Walkie-Talkie oder Satellitentelefon möglich. Im Südsudan gibt es Mobilfunknetz nur in größeren Städten, das sind rund 20 Prozent des Landes.
Die persönliche Schutzausrüstung muss jeder Mitarbeiter immer griffbereit haben. Der Südsudan ist eines der gefährlichsten Länder für Entwicklungshelfer, vor allem nationale Mitarbeiter stehen unter Beschuss.
"Der Konflikt und die Vertreibung sind die größten Herausforderungen für Kinder und ihre Familien. Wenn in deinem Dorf geschossen wird, dann lässt du alles liegen und rennst. Rennst nur noch weit weg", sagt Jane Gune Rombe, Ernährungsexpertin bei UNICEF im Südsudan.
Der Bürgerkrieg hat nicht nur Millionen Menschen vertrieben, sondern auch UNICEF-Hilfsprogramme zerstört. Dieser beschädigte Wassertank ist Teil einer Wasseraufbereitungsanlage, die komplett zerstört wurde.
Auch ein von UNICEF unterstütztes Krankenhaus wurde bei den Kämpfen verwüstet. Zusätzlich zum Konflikt gibt es im Südsudan zahlreiche Naturkatastrophen, wie die schweren Fluten im Nordosten des Landes Ende 2019, die auch Hilfsgüter vernichtet haben.
Auch die Ansteckung mit Ebola ist eine Gefahr für Bewohner und Helfer im Südsudan. Im Nachbarland Kongo wütet der schlimmste Ebola-Ausbruch seit der verheerenden Epidemie in Westafrika im Jahr 2014. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Risiko einer Verbreitung über die kongolesische Grenze hinweg als sehr hoch ein.
UNICEF schult unter anderem Gesundheitshelfer von Partnerorganisationen darin, wie sie sich mit Schutzkleidung und Vorsorgemaßnahmen vor einer Ansteckung schützen können. Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt die Hilfsprogramme von UNICEF im Südsudan.