Begeistert werden wir in Ndedja empfangen, einem Neuansiedlungscamp, rund eineinhalb Fahrtstunden westlich von Beira. Ungefähr 400 Familien sind hier neu angesiedelt worden, die durch den Zyklon Idai alles verloren haben. Über 66.000 Menschen mussten nach den Stürmen ihr Zuhause verlassen.

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Wir treffen den sechzehnjährigen Jao und seine Familie. Sie haben ganz in der Nähe der neuen Siedlung gewohnt. Bis der Zyklon kam. "Erst kam der Wind", erzählt er uns, "dann der Regen. Und das Wasser stieg. Zusammen mit meinen neun Geschwistern und meinen Eltern kletterten wir auf einen Baum."

Viele Familien haben ihr Zuhause und Angehörige verloren

Jao zeigt den Baum, auf dem er mit seiner Familie ausgeharrt hat.

Sie müssen mit ansehen, wie ihr Zuhause weggeschwemmt wird. Und schlimmer noch: wie ihr Onkel und sein fünfjähriges Kind auf einem anderen Baum einfach weggespült werden und ertrinken. "Drei Tage und Nächte mussten wir auf dem Baum bleiben, ohne Essen, ohne Trinken. Dann konnten wir uns zur Hauptstraße retten", erzählt er weiter.

Jao zeigt uns seine neue Hütte. Hier schläft er zusammen mit seinem Bruder. Aber das soll nicht so bleiben. Direkt vor seiner Tür baut er ein kleines Häuschen aus Lehmziegeln. Die ersten Steine sind schon gesetzt. Sein Bruder Domingo (15) hilft ihm und stellt die Lehmziegeln her. Der feuchte Lehm wird in eine einfache Form gedrückt und auf dem Boden zum Trocknen ausgelegt.

Vorbei an entwurzelten Bäumen gehen wir mit Jao und seinem Vater zu ihrem alten Zuhause. Von den Hütten seiner Familie ist kaum mehr etwas zu sehen, nur ein kaputter Krug und ein paar Holzpflöcke zeugen von der Katastrophe. An einigen Stellen liegt noch das Stroh vom alten Dach. Und dann steht da der Baum, der Jao mit seiner Familie drei Tage und Nächte lang überleben ließ.

Familien wurden in höhere Regionen umgesiedelt

Das Haus von Vincent ist zu einem Modellhaus für das ganze Camp geworden.

Mehr als 240.000 Häuser wurden durch Zyklon Idai zerstört. Vor allem Familien aus tiefergelegenen Regionen, die besonders hochwassergefährdet sind, wurden umgesiedelt. In der Siedlung Ndedja stehen noch viele provisorische Zelte und Blechhütten.

Aber wir sehen auch das Haus von Vincent (56), das er in nur zwei Wochen errichtet hat. Es ist zu einem Modellhaus für das Camp geworden: Die anderen Bewohner können hier sehen und lernen, wie sie ihr eigenes Zuhause errichten können.

Auch die 40 Gemeinschaftslatrinen des Camps werden nun nach und nach durch eigene Latrinen für jede Familie ersetzt. 270 von ihnen konnten schon fertiggestellt werden. Fünf bis sechs Jahre hält so eine Latrine, dann wird an anderer Stelle eine neue gegraben.

Kochkurse im Kampf gegen Mangel- und Fehlernährung

Im Schatten eines Baumes fällt uns eine Menschentraube auf. Dort findet ein Kochkurs für die Bewohner statt. Viele Menschen ernähren sich einseitig von Maismehlsuppe oder stark gesalzenem Fisch.

Ein Kochkurs für die Bewohner soll Mangelernährung vorbeugen.

"Wir wollen den Menschen hier zeigen, dass es genug Nahrungsmittel gibt, um sich und die Familie ausgewogen und gesund zu ernähren", erklärt uns eine Gesundheitshelferin. Nach dem Kochkurs wird das Essen verteilt. Es ist schon Nachmittag, für viele Kinder wird es trotzdem die erste Mahlzeit des Tages sein.

Welche Folgen falsche Ernährung hat, zeigt uns die Ärztin Sofia im Gesundheitszentrum. Jesse lebt mit ihren zwei Kindern alleine, hat kaum Geld. Ihr einjähriger Sohn Daniel Mateo ist mangelernährt, aber auch sie selbst wiegt viel zu wenig. Die Untersuchung bestätigt den Verdacht. Im Gespräch erzählt die Mutter, dass sie ihre Kinder vor allem mit Maismehlsuppe ernährt. Das macht zwar satt, enthält aber kaum Vitamine und Nährstoffe.

Eigentlich müsste Jesse mit ihrem Sohn ins nächste Krankenhaus. Umgerechnet 1 Euro würde die 30-minütige Fahrt kosten. Für Jesse ist das unerschwinglich. Aber Spenden helfen auch hier: Wenn alles klappt, kann Jesse schon bald bei einem durch Spenden bezahlten Krankentransport mitfahren.

>> Lesen Sie auch Teil 2 unseres Reisetagebuchs. <<

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Im Südsudan, der von Konflikten gebeutelt ist, haben Überschwemmungen im Oktober die ohnehin schon prekäre Versorgungslage noch einmal drastisch verschärft. Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit leiden Kinder unter den Folgen. Bereits jetzt rechnet UNICEF mit rund 1,3 Millionen Kindern im Südsudan, die im nächsten Jahr jeden Abend hungrig ins Bett gehen werden. Hunderttausende von ihnen werden ohne Hilfe nicht überleben.
Teaserbild: © Thomas Rebbe