Jemen: Wie lebt ein Kind im Krieg?

Zu Beginn des fünften Kriegsjahres sind etwa 80 Prozent der Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine Hungersnot droht, mehr als 1,3 Millionen Menschen sind an Cholera oder an lebensgefährlichem Durchfall erkrankt. Die zusammengebrochene Infrastruktur und der Kollaps des Schulsystems bedrohen das Leben von Millionen.

"Jemen ist momentan eine lebendige Hölle für Kinder – für jedes Mädchen und jeden Jungen im Land", sagt Geert Cappelaere, UNICEF-Regionaldirektor im Jemen und den benachbarten Ländern.
Zu Beginn des fünften Kriegsjahres im Jemen haben die anhaltenden Konflikte dazu geführt, dass über sieben Millionen Kinder im Land humanitäre Hilfe benötigten.
Fünf Kinder werden im Jemen jeden Tag getötet oder verletzt – seit Ausbruch des Konfliktes im März 2015 sind Tausende Kinder gestorben. Viele Mädchen und Jungen sind durch ihre Kriegserlebnisse traumatisiert.
Der Mangel an sauberem Trinkwasser ist ein großer Risikofaktor bei der Verbreitung der Cholera. In vielen Regionen ist die Trinkwasserversorgung völlig zusammengebrochen.
Dank der UNICEF-Nothilfe haben drei Millionen Jemeniten wieder Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Teams reparieren Leitungen, bauen Brunnen und warten Wasserwerke, um die Wasserversorgung für die Bevölkerung sicherzustellen.
Schon vor dem Krieg war ein großer Teil der Kinder im Jemen nur unzureichend geimpft. Durch das kaputte Gesundheitssystem werden jetzt noch weniger Impfungen durchgeführt, sodass die Kinder vielen Krankheiten schutzlos ausgeliefert sind.
Mit einer großen Impfaktion hat UNICEF zum Beispiel über vier Millionen Kinder gegen Polio geimpft. Aufklärungskampagnen zu Hygiene helfen zusätzlich, die Verbreitung von Krankheiten einzudämmen.
Rund zwei Millionen Kinder im Jemen leiden Hunger. Für 360.000 der Unter-5-Jährigen ist der Hunger sogar lebensbedrohlich: Sie sind so stark unterernährt, dass sie jeden Tag um ihr Überleben kämpfen. Marc Lowcock, Nothilfe-Koordinator der Vereinten Nationen, warnt vor einer drohenden Hungersnot.
UNICEF warnt auch vor den mittelfristigen Folgen des Zusammenbruchs des Schulsystems für eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen.
Mehr als zwei Millionen Mädchen und Jungen im Jemen gehen nicht zur Schule. Überall im Land wurden Schulen durch den jahrelangen Krieg zerstört. Andere Schulen werden als Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt. Die meisten Lehrkräfte bekommen schon lange kein Gehalt mehr.
"Eine ganze Generation von Kindern im Jemen blickt in eine düstere Zukunft, weil sie keine Chance haben zu lernen", sagt Merixtel Relano, Leiterin von UNICEF Jemen.
Gemeinsam mit Partnern wie United Internet for UNICEF kann UNICEF Kinder mit Schulmaterial versorgen, Schulgebäude reparieren und Lehrer bezahlen. Das schafft ein wenig Hoffnung.