COVID-19: Diese zehn humanitären Krisen geraten in Vergessenheit

Seit Monaten kämpft die Welt gegen die Corona-Pandemie. Viele Länder sind in soziale und wirtschaftliche Krisen gestürzt. Humanitäre Helfer sehen sich mit riesigen Herausforderungen konfrontiert: Durch COVID-19 brechen Hilfsgelder und -lieferungen massiv ein. Diese zehn Regionen leiden besonders.

Schon bevor COVID-19 Haiti erreichte, war die Situation im Land durch politische und soziale Spannungen sehr schwierig. Seit über einem Jahr kommt es zu gewaltsamen Protesten gegen die Regierung, der unter anderem Korruption vorgeworfen wird. Der Großteil der Bevölkerung lebt in extremer Armut; Mangelernährung und ein schlechtes Schul- und Gesundheitssystem treffen vor allem die Kinder.
Am Horn von Afrika vernichten seit Monaten riesige Heuschreckenschwärme die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Nun breiten sich von Äthiopien, Kenia und Somalia neue Schwärme aus. Die Corona-Pandemie erschwert die Bekämpfung der Wüstenheuschrecke.
Die neuen Schwärme gefährden die Ernten in Ländern wie dem Südsudan, die schon jetzt unter enormer Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Über 25 Millionen Menschen am Horn von Afrika sind von der Krise betroffen.
43.000 Tote und mehr als eine Million Vertriebene allein im letzten Jahr: Die Sahelzone an den Grenzregionen von Burkina Faso, Mali und Niger ist durchzogen von wiederkehrenden Gewaltausbrüchen. Das Gesundheitssystem in der Region gilt als das schwächste weltweit und kann der Corona-Pandemie wenig entgegensetzen.
Seit zehn Jahren überzieht die Terrorgruppierung Boko Haram das Tschadseebecken und Nigeria mit Gewalt. Der Konflikt schwappt mittlerweile auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger über - Regionen, die mit extremen klimatischen Bedingungen, Armut und Unterentwicklung ringen.
Vor über zwei Jahren flohen mehr als 750.000 Rohingya vor Gewalt, Diskriminierung und Verfolgung aus Myanmar. Zuflucht fanden sie in Bangladesch - und dort leben sie noch heute in völlig überfüllten Flüchtlingscamps, der Großteil in der Gegend von Cox´s Bazar.
Einem Ausbruch von COVID-19 sind die Geflohenen fast schutzlos ausgeliefert. Hilfsorganisationen versuchen mit der Regierung die medizinische Versorgung zu verbessern, doch die Überfüllung erhöht das Ausbreitungsrisiko. Mit der beginnnenden Monsunzeit drohen außerdem heftige Regenfälle und Überschwemmungen.
Der Krieg in Syrien hat auch in seinem zehnten Jahr nicht an Gewalt nachgelassen. Noch immer sind mehr als elf Millionen Menschen auf humanitäre Unterstützung angewiesen. COVID-19 trifft auf heimatlose Binnenflüchtlinge, die in bitterer Armut in Camps leben und ein Gesundheitssystem, das nicht einmal mehr zur Hälfte funktionsfähig ist.
Jemen bleibt der weltweit größte humanitäre Einsatz: 80 Prozent der Bevölkerung, 24 Millionen Menschen, sind auf Hilfe angewiesen. Doch die Hilfsgelder fehlen: In den nächsten Wochen müssen über 30 lebensnotwendige Programme der UN eingestellt werden. Davon sind Projekte für mangelernährte Kinder sowie Programme zur Wasser- und Sanitärversorgung betroffen.
Masern, Cholera, Ebola und jetzt COVID-19. Die Demokratische Republik Kongo sieht sich in den letzten Jahren immer wieder schweren Ausbrüchen von lebensbedrohlichen Krankheiten gegenüber. Das Land leidet jedoch schon wesentlich länger unter einer komplexen, gewaltvollen Krise, durch die 16 Millionen Menschen nur mit humanitärer Hilfe überleben können. Armut, Mangelernährung, massive Gewaltausbrüche gegenüber der Zivilbevölkerung und eine schlechte Infrastruktur belasten Kinder und Familien.
Mosambik hat sich von den Folgen der verheerenden Zyklone Idai und Kenneth im vergangenen Jahr noch nicht ganz erholt, während COVID-19, im Süden Dürren, im Norden Überflutungen und Unruhen das Land in Atem halten. Bisher sind 13 Länder im Süden Afrikas von der Pandemie betroffen.
Mosambik, Zimbabwe, Sambia und Lesotho sind die vier Länder, die in der Pandemie besonders gefährdet sind. Seit Jahren kämpfen sie gegen die massiven klimatischen Veränderungen, eine fragile Infrastruktur und Konjunkturflaute.