Deutschlands bemerkenswerte Medaillenserie bei der Nordischen Ski-WM 2023 ist inmitten der slowenischen Skisprung-Party von Planica gerissen. Beim Titelgewinn von Lokalmatador Timi Zajc auf der Großschanze schafften es die Mixed-Weltmeister Karl Geiger und Andreas Wellinger am Freitag anders als auf der Normalschanze nicht auf das Podium. Markus Eisenbichler (131 und 136 Meter) war als Fünfter der beste Athlet aus dem Team von Bundestrainer Stefan Horngacher, kam aber an das überragende Trio um Weltmeister Zajc, Silbergewinner Ryoyu Kobayashi (Japan) und Bronzegewinner Dawid Kubacki aus Polen nicht heran. Zajc reichten Sprünge auf 137,5 und 137 Meter für den Titel.

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Nordische Ski-WM: Deutschland erstmals ohne Skisprung-Medaille

Auch der Allgäuer Geiger (8.) und der bereits im ersten Durchgang deutlich abgehängte Wellinger (13.) hatten mit den Medaillenrängen nichts zu tun. Für das deutsche Team ist ein solcher Ausgang bei einem WM-Springen ungewohnt: Im sechsten Skisprung-Wettbewerb der Titelkämpfe von Planica blieb Deutschland erstmals ohne Medaille, zudem endete erstmals seit 2013 wieder ein WM-Großschanzeneinzel ohne einen Top-Drei-Platz. Im Teamspringen am Samstag (16.30 Uhr/ARD und Eurosport) ist das Quartett um Geiger aber trotzdem einer der Favoriten.

Anders als bei den bisherigen Wettbewerben kam am Freitagabend im Tal der Schanzen richtig Stimmung auf. Statt leeren Rängen und Tristesse feierten diesmal tausende begeisterte Fans, es herrschte bei Glühweinduft und lautem Trötenklang ein wenig Vierschanzentournee-Atmosphäre. Sogar ein Lionel-Messi-Fan kam, er hatte eine Kopie des WM-Pokals dabei. Und das deutsche Team wollte die bislang so furiose WM-Bilanz, zu der plötzlich auch die beiden Langlauf-Staffeln Medaillen beisteuerten, noch einmal aufwerten. "Das ist schön für alle. Ich könnte mich dran gewöhnen", sagte der frühere Weltmeister Sven Hannawald in der ARD zur deutschen Heiterkeit.

Wechselnder Wind macht WM-Springen von Großschanze spannend

Ein "Millimeterspringen" (Horngacher) wie auf der Normalschanze wurde es zwar nicht, genug Spannung gab es bei wechselndem Wind aber dennoch. "Wir haben schon mehr erreicht, als wir uns gewünscht hätten. Wir haben schon unglaublich geil geliefert. Was jetzt noch kommt, ist Topping", sagte Wellinger, der mit nur 127,5 Meter im ersten Durchgang bereits deutlich ins Hintertreffen geriet, vor dem Wettbewerb.

Wellingers ausgegebenes Ziel ("Am liebsten wollen wir immer gewinnen") wurde ob der harten Konkurrenz zur Herkulesaufgabe. Geiger und Eisenbichler sprangen sehr ordentlich, fielen aber trotzdem ein Stück hinter das Spitzentrio Kobayashi, Zajc und Granerud zurück. "Wir sind noch in Schlagdistanz", sagte Horngacher zur Halbzeit mit Blick auf den zweiten Durchgang. Mit einer Medaille sollte es diesmal aber nichts werden. Auch im Team wird sich Deutschland am Samstag harter Konkurrenz stellen müssen: Neben Gastgeber Slowenien präsentierten sich auch Österreich und Polen stark. (dpa)

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