• China dominiert die Paralympischen Winterspiele von Peking.
  • Nun werden immer mehr Stimmen laut, die im chinesischen Erfolg auch Hinweise auf eine möglicherweise falsche Klassifizierung der Sportlerinnen und Sportler sehen.
  • ZDF-Experte Matthias Berg spricht sogar von "Klassifizierungsdoping".

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Bei den Paralympischen Winterspielen von 2018 holte das chinesische Team genau eine Medaille. Im Curling. Vier Jahre später führt China den Medaillenspiegel deutlich an. Ganze 27-mal konnten sich die Gastgeber bereits über Edelmetall freuen (Stand, 8. März, 10:00 Uhr) und das hinterlässt bei anderen Nationen einen äußerst faden Beigeschmack. Denn der Grund für die chinesische Leistungsexplosion könnte nicht nur in gutem und hartem Training liegen.

So hat der deutsche Chef de Mission Karl Quade bereits leise Zweifel an der Richtigkeit der Klassifizierung der so dominanten chinesischen Athleten angemeldet. "Die Chinesinnen und Chinesen waren lange nicht gesehen, tauchen hier plötzlich in dieser Form auf", sagte der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS): "Wenn man das mit den Funktionsbildern von anderen mit gleichen Prozenten vergleicht, kann man schon manchmal staunen, wie das zustande kommt."

Quade zu Paralympics 2022: "Erstaunlich, wie gut einige sind"

Er finde es "schon ein bisschen erstaunlich, wie gut einige sind", führte er weiter aus. Die Sportlerinnen und Sportler werden bei den Paralympischen Spielen gemäß ihrer Behinderung klassifiziert und in Startklassen eingeteilt. "Ich will nicht sagen, dass die nicht Skifahren können und es nur an der Klassifizierung liegt", erklärte Quade: "Aber man muss schon bei der Klassifizierung auf der richtigen Seite der Klassen sein, um vorne rein zu fahren."

ZDF-Experte Matthias Berg wird noch etwas deutlicher. "Bei vielen ist die Frage, ob die in der richtigen Klasse sind, wenn man sich die Bilder anschaut", sagte der elfmalige Paralympics-Sieger. Dass es vor Ort keinen Klassifizierer gebe, sei problematisch. "Die vielen neuen erstmals auftretenden Athleten sind mit Unsicherheit behaftet, ob das medizinische Gutachten mit rechten Dingen zuging. Das kann gar keiner sagen", führte er aus.

Peking 2022: Berg spricht von "Klassifizierungsdoping"

Er sehe das als "Klassifizierungsdoping". Da müsse gerade bei Teillähmungen noch mehr und besser gemessen werden, so Berg: "Wenn ein weniger Behinderter zu einem mehr Behinderten in die Klasse kommt, dann hat der keine Chance mehr. Damit gefährden wir unseren Sport."

Die Chinesen hatten auch wegen des Ausreiseverbots während der Coronavirus-Pandemie quasi an keinen internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Das nährt auch den Verdacht einer falschen Klassifizierung. Denn im Wintersport erhalten die Starterinnen und Starter einen Zeitfaktor, der auf dem Grad ihrer Behinderung resultiert. Und der speist sich aus Erfahrungswerten und Vorleistungen.

So funktioniert Klassifizierung im Para-Sport

Klassifizierung einfach erklärt. © YouTube

Beucher wirft IOC Sorglosigkeit vor

Auch Präsident Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) übt deutliche Kritik. "Ich hatte die Hoffnung, dass das IPC die Achillesferse der Klassifizierung überwunden hat", sagte Beucher am Dienstag in China: "Die Spiele haben aber jetzt schon gezeigt, dass die Diskussion ganz oben auf der Agenda stehen muss. Was da in einigen Disziplinen gelaufen ist, vor allem im alpinen Bereich, da kann man einfach nicht schweigen."

Beucher wirft dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) vor, das Thema im Vorfeld zu sorglos angegangen zu sein. "Man kann nicht sagen, das regeln wir nach den Spielen", sagte Beucher: "Man muss vor den Spielen für einen nachvollziehbaren und ehrlichen Wettkampf sorgen. So hat das Ganze einen faden Beigeschmack." (ska/dpa/afp)

Linn Kazmaier, Florian Baumann, Paralympics, Biathlon, Zhangjiakou, Yanqing, Einzel, 2022
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Paralympics: Das sind die deutschen Medaillengewinnerinnen und -gewinner

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