• Die Paralympics-Teilnahme von Linda Le Bon ist kurzfristig zu einer Familienangelegenheit geworden.
  • Die sehbehinderte Skifahrerin wurde in Peking ausgerechnet von ihrer eigenen Tochter als Guide begleitet.
  • Warum das alles andere als einfach war, hat Le Bon nach der Abfahrt der Presse verraten.

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Linda Le Bon musste sich bei ihrer ersten Paralympics-Teilnahme ausgerechnet von ihrer Tochter kommandieren lassen. Hinter Guide Ulla Gilot fuhr die 57-Jährige sehbehinderte Skifahrerin in Peking die Pisten hinunter und durfte sich dabei einiges anhören. "Sie schreit die ganze Zeit", beschwerte sich die Belgierin mit einem Schmunzeln. "Es ist nicht einfach. Ich muss die "Mama" ausschalten. Sie führt."

Die 22 Jahre alte Gilot kann die Schwierigkeiten ihrer Mutter aufgrund des Rollentausches nachvollziehen. "Ich schätze, ich brülle wirklich viel", sagte sie. "Ich sage ihr, sie soll mich ansehen und mir zuhören, was für sie als meine Mutter nicht einfach ist."

Tochter musste als Guide kurzfristig einspringen

Tochter Ulla ersetzte kurz vor Beginn der Paralympics den eigentlich vorgesehenen Guide Pierre Couquelet. Die einzige Bedingung: Jeder bekommt im paralympischen Dorf ein eigenes Zimmer. Viermal startete Le Bon bislang auf der Piste von Yanqing. Platz fünf in der Super-Kombination war das beste Ergebnis.

"Ich muss sie runterbringen", erklärte Ulla Gilot. "Und wenn sie einen großen Fehler macht, liegt das wahrscheinlich daran, dass ich ihr nicht gesagt habe, dass sie nach links oder rechts oder auf den Außenski gehen soll, weil sie es nicht sieht."

Die Paralympics finden in diesem Jahr ohnehin etwas anders statt als ursprünglich geplant. Die Corona-Pandemie sowie der Kriegs Russlands gegen die Ukraine überschatten die Sportveranstaltung. So wurden etwa die russischen Sportlerinnen und Sportler vom Wettkampf ausgeschlossen. Andere Teilnahmen mussten wegen COVID-19-Infektionen oder auch aufgrund ihres Impfstatus abgesagt werden, wie die zweier deutscher Athleten. (dpa/ncs)