Das IOC hat Russland für die Olympischen Winterspiele 2018 als Nation gesperrt. Das Land zürnt und zeigt sich uneinsichtig. Andere feiern die Entscheidung - und wieder anderen geht das Urteil nicht weit genug.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat durchgegriffen - zumindest ein bisschen. Nach Russlands Doping-Skandal darf das Land nur einzelne Sportler zu den Winterspielen 2018 nach Pyeongchang schicken. Diese müssen zudem unter der neutralen olympischen Flagge antreten. Auch die russische Nationalhymne wird bei Olympia nicht zu hören sein.

Stattdessen werden die Sportler Kleidung mit der Aufschrift "Olympische Athleten aus Russland" (abgekürzt: OAR - Olympic Athletes of Russia) tragen. Das IOC behält sich jedoch vor, die Sanktionen bereits vor dem Ende der Olympischen Spiele wieder aufzuheben. Gut möglich, dass bei der Abschlussfeier von Pyeongchang die russischen Athleten wieder ihre Fahne schwenken dürfen.

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Russen geben sich uneinsichtig

Russland zürnt dennoch. Unter dem Hashtag #NoRussiaNoGames (dt. Kein Russland, keine Spiele) machen viele Fans ihrem Ärger über die Entscheidung des IOC Luft.


"Wir reden heute über eine Disqualifikation eines ganzen Landes aufgrund der durch keinerlei Belege gestützten Aussagen eines Betrügers, der in ein fremdes Land geflohen ist", erklärt der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (ROC) Alexander Schukow.

Mit dem Betrüger meint er den Kronzeugen des Doping-Skandals, Grigori Rodschenkow, der früher das Moskauer Anti-Doping-Labor leitete. Er lebt inzwischen in den USA und steht unter dem Schutz des FBI.

Schukow selbst ist derzeit als IOC-Mitglied suspendiert. Das ROC ist gesperrt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte schon vor einigen Wochen von einer Demütigung gesprochen, sollte das IOC sein Land von den Olympischen Spielen ausschließen. Seit der Entscheidung hat sich Putin noch nicht geäußert, es ist allerdings zu erwarten, dass er die Strafe nicht still hinnehmen wird.

Der Präsident wolle sich Zeit nehmen für eine Antwort, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Dafür seien erst Fragen mit dem IOC zu klären.

Das russische Staatsfernsehen hat sich bereits entschlossen, die Winterspiele in Südkorea zu boykottieren. Das teilte die Pressestelle der TV-Holding unmittelbar nach der Entscheidung des IOC mit.

Schickt Russland nun gar keine Athleten?

Tatsächlich glauben viele, dass Russland nun komplett darauf verzichten wird, Sportler nach Pyeongchang zu schicken. Der russische "Sport Express" schreibt dazu: "Noch nie sind bei Olympischen Spielen Sportler mit dem Status 'Olympische Athleten aus diesem oder jenem Land' angetreten. Es gab Flüchtlinge, neutrale Athleten, aber diese Neuschöpfung gab es nicht. Und noch weniger gab es eine 'Olympiamannschaft aus Russland', und die wird es wohl auch nicht geben."

Schad: "Ultimative Demütigung für Putin"

Der Athletensprecher des Ski-Weltverbands FIS, Konstantin Schad, zeigt sich hingegen äußerst zufrieden mit der Entscheidung des IOC: "Das ist schon eine knackige Ansage und für Herrn Putin die ultimative Demütigung", sagte der Snowboarder der Deutschen Presse-Agentur.

Dass es zu keinem Komplett-Ausschluss kam, findet der 30 Jahre alte Snowboard-Crosser richtig: "Das hätte zu viele Athleten getroffen."

Auch die nationale Anti-Doping-Agentur der USA freut sich über das IOC-Urteil. Es sei ein "bedeutender Sieg" und bestätige die Macht der sauberen Athleten und die Prinzipien des Fair Play.

Urteil zu halbherzig?

Bei anderen hinterlässt die Entscheidung des IOC dennoch ein ungutes Gefühl.

Die Anti-Doping-Kämpferin Ines Geipel beispielsweise kritisiert das Urteil scharf. "Die Beweise liegen auf dem Tisch. Doch im Grunde sagt die Entscheidung: Egal, welches Staatsdoping ihr auflegt in dieser Welt, wir nehmen euch auf in die olympische Familie", erklärte Geipel im ARD-Morgenmagazin. "Das ist so ein Schritt vor und zwei zurück. Hier bleibt mal wieder Vieles im Dunkeln. Das ist kein gutes Zeichen für den internationalen Sport."

In eine ähnliche Kerbe schlägt Thomas Kistner, der sich als Sportredakteur der "Süddeutschen Zeitung" und Autor seit Jahren mit dem Thema Doping beschäftigt. Er schreibt in einem Kommentar für die "SZ": Das IOC (...) sendet eine im Subtext bizarre Botschaft: Doping ist nur dann der schlimmste Sündenfall und wird mit bis zu lebenslanger Strafe geahndet, wenn es einzelne Athleten tun. Weniger schlimm ist der Betrug, wenn ihn ein ganzer Staat mit geheimdienstlicher Akribie organisiert." (ska)

Mit Material der dpa.

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