• Zwar war US-Turnarzt Larry Nassar im Missbrauchsskandal bereits verurteilt worden, doch beschäftigt der Fall weiter den Senat.
  • Die Olympiasiegerinnen Simone Biles, Alexandra Raisman und McKayla Maroney haben schwere Vorwürfe gegen das FBI und andere erhoben.

Mehr Sportthemen finden Sie hier

Im Missbrauchsskandal um den inzwischen verurteilten ehemaligen US-Turnarzt Larry Nassar haben die Olympiasiegerinnen Simone Biles, Alexandra Raisman und McKayla Maroney vor dem Senat schwere Vorwürfe gegen das FBI und andere erhoben.

Bei einer Anhörung im Justizausschuss der Kongresskammer schilderten die Turnerinnen am Mittwoch auf eindringliche Weise ihre Erlebnisse. Sie beklagten, die US-Bundespolizei und Verantwortliche der zuständigen Sportverbände hätten ihre Hinweise auf den Missbrauch lange Zeit nicht verfolgt und so mitverschuldet, dass Nassar viele weitere Mädchen habe missbrauchen können.

Maroney beklagt: Schilderungen wurden "völlig falsch" dargestellt

Maroney erzählte, wie sie im Sommer 2015 dem FBI am Telefon in schmerzhaften Details geschildert habe, was Nassar ihr angetan habe. Der FBI-Beamte habe ihre Erlebnisse heruntergespielt und gesagt: "Ist das alles?"

Die Bundespolizei habe ihre Aussage zunächst lange nicht gemeldet und erst nach 17 Monaten dokumentiert, ihre Schilderungen dabei aber "völlig falsch" dargestellt. "Sie haben sich entschieden, über das, was ich sagte, zu lügen und einen Serien-Missbraucher zu schützen, anstatt nicht nur mich, sondern unzählige andere zu schützen."

Die US-Turnerinnen Simone Biles, McKayla Maroney, Aly Raisman und Maggie Nichols (von links) am Mittwoch im Senat

Durch die Untätigkeit habe das FBI Nassar erlaubt, sich mehr als ein Jahr lang frei zu bewegen und mit seinem Missbrauch weiterzumachen. Die beteiligten FBI-Beamten hätten ein Verbrechen begangen, beklagte sie.

Die Turnerinnen beklagten auch schwere Versäumnisse der involvierten Sportverbände. Biles sagte, "ein ganzes System" habe Nassars Missbrauch ermöglicht.

Raisman sagte: "Es war, als würde man einem Pädophilen auf dem Silbertablett unschuldige Kinder servieren." Neben ihnen sagte auch die Turnerin Maggie Nichols vor dem Ausschuss aus.

Nassar zu Gefängnisstrafen von bis zu 175 Jahren verurteilt

Nassar war seit Sommer 2017 in insgesamt drei Urteilen für seine kriminellen Übergriffe auch gegen Minderjährige zu Gefängnisstrafen von bis zu 175 Jahren verurteilt worden. Er hatte sich in den Verfahren schuldig bekannt, mehrere Mädchen sexuell misshandelt zu haben.

Insgesamt hatten hunderte Turnerinnen und ihre Eltern gegen ihn geklagt, darunter auch Raisman, Maroney und Biles.

Ein Mitte Juli veröffentlichter Bericht des Büros des Generalinspekteurs im US-Justizministerium war zu dem Schluss gekommen, dass das FBI Hinweise auf den sexuellen Missbrauch durch Nassar falsch behandelt und ihm so Monate für weitere Taten ermöglicht habe. FBI-Beamte hätten nicht mit der bei Vorwürfen dieser Art nötigen "Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit" reagiert, hieß es. (dpa/msc)

Lesen Sie auch: Simone Biles' Orientierungslosigkeit: Was sind Twisties?

Rekord eingestellt: US-Turnstar Simone Biles heimst ihre 32. olympische Medaille ein

Simone Biles aus den USA gelingt nach ihrer freiwilligen Olympia-Pause ein gelungenes Comeback im Finale auf dem Schwebebalken. Biles egalisiert der olympischen Rekord einer anderen Turn-Legende.(Teaserbild: Kyodo/Reuters Connect) © Eurosport