Nach der Debatte um ihre umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stärkt Bundestrainer Joachim Löw den Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan demonstrativ den Rücken. Sie seien in Deutschland "wirklich gut integriert".

Mehr aktuelle News zur WM 2018 finden Sie hier

Joachim Löw stellt sich in der Diskussion um ihr Erdogan-Foto einmal mehr hinter Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Er kenne die beiden Nationalspieler mit türkischen Wurzeln schon sehr lange und wisse, dass sie sich ganz mit den in Deutschland gelebten Werten identifizierten, sagte Löw dem "Spiegel".

"Und das ist für mich mal das Allerallerwesentliche. Diese beiden Spieler sind in Deutschland wirklich gut integriert. Das kann ich versichern", sage der Bundestrainer.

Gündogan und Özil stehen wegen eines Treffens und Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan seit Wochen in der Kritik. In Deutschland gab es Forderungen, beide aus der Nationalelf auszuschließen.

Löw sieht sich "Entwickler und Visionär"

Gündogan wurde nach seiner Einwechslung im WM-Test gegen Saudi-Arabien in Leverkusen (2:1) von vielen deutschen Fans ausgepfiffen, woraufhin sich die Diskussion um die beiden erneut verschärfte.

Zu seiner eigenen Rolle als Bundestrainer sagte Löw, er sehe sich "als Entwickler und Visionär. Das ist tief in mir drin. Ich mache mir ständig Gedanken: Wo geht der Fußball insgesamt hin? Wo wollen wir in vier Jahren stehen?"

Dabei gehe es ihm nicht nur um sportlichen Erfolg. "Den Leuten soll es Spaß machen, wenn sie der Mannschaft zuschauen. Wir wollen eine sympathische Mannschaft sein, die ehrgeizig und diszipliniert ist, aber die auch Freude am Spiel vermitteln kann. Das war und ist mir immer noch sehr wichtig."

Rainer Koch: "Fragen verdienen eine Antwort"

Die Erdogan-Affäre soll nach der WM 2018 aufgeklärt werden. Das hieß es vonseiten des DFB.

"Natürlich werden auch die Fragen, die aufgekommen sind rund um dieses Foto mit Ilkay Gündogan und Mesut Özil nach der Weltmeisterschaft auch noch gestellt werden", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch bei einem Besuch des Goethe-Instituts von Moskau. "Und diese Fragen verdienen dann auch eine Antwort."

Die DFB-Spitze um Präsident Reinhard Grindel hatte am Freitag das deutsche Fanlager in der russischen Hauptstadt besucht - auch dort waren die Fotos der beiden Premier-League-Profis mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein Thema.

Dadurch seien "viele Gefühle angesprochen worden bei sehr, sehr vielen Menschen in Deutschland", sagte Koch. "Das haben wir auch im Fanlager erkannt."

Grindel: Gründe für Pfiffe gegen Gündogan könnten "wesentlich tiefer" liegen

Der Verbandsvize verglich die Situation vor Turnierstart in einer längeren Metapher mit einer "großen, noch nicht vollständig geklärten Streitfrage" in einer Familie, deren Kinder vor einer Examensprüfung stehen.

"Dann wird jeder Vater, jede Mutter sagen: Jetzt wollen wir erst eine Umgebung schaffen, dass sich die Kinder voll auf die Uni konzentrieren können, um eine gute Note zu erzielen", sagte Koch.

Seine Aussage, dass die Ursachen der jüngsten Pfiffe von deutschen Fans gegen Gündogan "wesentlich tiefer" liegen und über die Spieler hinausgehen, erläuterte Grindel mit dem Hinweis auf die gesamtgesellschaftliche Situation.

"Ich glaube, dass die aktuellen innenpolitischen Vorgänge in Deutschland zeigen, dass offenbar die Politik bei dem Thema Integration sieht, dass die Bevölkerung die Erwartung hat, dass man hier eindeutig handelt", sagte der DFB-Chef.

DFB-Elf startet am Sonntag in die WM

Die deutsche Nationalmannschaft startet am Sonntag (17:00 Uhr) in Moskau gegen Mexiko in die WM. (pak/dpa)

Hier finden Sie den Spielplan zur WM 2018 als PDF-Download.