Ob nun Bayern München das meiste Geld in neue Spieler investiert hat, wie der Sport-Informations-Dienst schrieb (143,5 Millionen Euro), oder doch Borussia Dortmund, wie die Deutsche Presse-Agentur zu wissen glaubt (137 Millionen Euro), kann dem Fußballfan gleichgültig sein. Die Rekordsumme von 700 Millionen Euro für 159 neue Bundesliga-Profis in diesem Sommer übersteigt eh das Fassbare.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

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Am letzten Tag der Transferperiode schaut jeder auf seine Mannschaft und sucht einen Anhaltspunkt, warum die neue Saison besser als die alte laufen sollte.

Am Ende nutzen die Prognosen wenig. Noch kann niemand die Prognose abgeben, ob der Rekordtransfer Lucas Hernandez beim FC Bayern die 80 Millionen Euro wert ist oder Eintracht Frankfurt beim Spielertausch mit dem AC Mailand ein gutes Geschäft gemacht hat.

Viel interessanter waren die Transfers, die nicht stattgefunden haben. Neymar nicht zum FC Barcelona. Gareth Bale nicht weg von Real Madrid. Jerome Boateng nicht zu Juventus. Timo Werner nicht weg von RB Leipzig.

Das wäre ja mal was Neues: Wenn die Herren Fußballprofis ihren Abgang regelmäßig nicht forcieren, sondern ihren Arbeitsvertrag einhalten könnten. Vereinstreue bleibt aber ein frommer Wunsch. Manche Vereine leben vom Verkauf.

Transfer-Bilanz: Eintracht Frankfurt verkaufte Sturm-Trio

106 Millionen Euro nahm Eintracht Frankfurt dafür ein, dass Fredi Bobic seine Hurra-Truppe aus der Europa League entzaubern musste. Ante Rebic, Luka Jovic, Sébastien Haller - alle weg. Allein Jovic brachte von Real Madrid 60 Millionen Euro ein.

Für die Bundesliga-Klubs, die ständig über eine ungerechte TV-Geldverteilung innerhalb der Liga jammern, müssten gerade die Zahlen von Eintracht Frankfurt Maßstab und Ansporn sein.

Wer eine gute Jugendarbeit betreibt, seine erste Mannschaft klug mit hungrigen Spielern aufpeppt und ein bisschen Geschick in den Verkaufsgesprächen beweist, wird seinen Etat mit der Wertsteigerung von Spielern sanieren und seine Optionen bei Verstärkungen ausbauen.

Allein der Jovic-Transfer übersteigt bei der Eintracht die Europacup-Einnahmen um das Fünffache. Das vor allem ist der Verdienst von Fredi Bobic.

Blöderweise finden sich noch immer zu viele Vereine in einem Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben wieder. Schalke 04 ist das schlechteste Beispiel: Der Schweizer Breel Embolo brachte nach drei Jahren die Hälfte von dem ein, was er damals gekostet hat. Borussia Mönchengladbach freut sich über das Schnäppchen.

Der BVB hatte Glück: Der überteuerte Abdou Diallo erwirtschaftete beim Abgang zu PSG ein Plus von 5 Millionen Euro.

Vier Vereine weisen positive Bilanz vor

So bleibt die Zahl von 700 Millionen Euro ohne Aussagekraft, wenn man nicht in die Details geht. Nur vier der 18 Bundesliga-Vereine können eine positive Transferbilanz vorweisen. Neben Eintracht Frankfurt (plus 42,3 Millionen Euro) sind das TSG Hoffenheim (plus 86 Millionen Euro), Fortuna Düsseldorf (plus 10,75 Millionen Euro) und überraschenderweise Aufsteiger SC Paderborn (plus 4,9 Millionen. Euro). Alle anderen zahlen drauf. Auch mit TV-Geld.

Auf Dauer ist das Lotterie. Erstens: Ablösesummen und Spielergehälter steigen weiter - nicht aber die Medienerlöse. Aus dem TV-Vertrag, der Anfang 2020 verhandelt wird, ist nur ein moderater Anstieg zu erwarten.

Zweitens: Klumpenrisiko ist nie gut. Wer seine Strategie allein auf TV-Geld ausrichtet, kann sich keine zwei Spielzeiten ohne Substanzverlust im Kader leisten. Dann lieber ein bisschen bei Eintracht Frankfurt abgucken.

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Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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