Im Herbst haben wir uns wochenlang darüber aufgeregt, dass Deutschland nicht den Klassenerhalt in der Nations League schafft. Seit gestern wissen wir: War alles nur ein Spaß.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Die Uefa reformierte ihren Quatschwettbewerb schon Monate nach dem Start so, dass die deutsche Nationalelf nun doch erstklassig bleibt. Die ganze Aufregung nach den Pleiten gegen Frankreich und Holland - für die Katz'. Der Sportbuzzer hat schon recht, wenn er jetzt schreibt: "So nimmt die Uefa der Nations League die Glaubwürdigkeit."

Uefa soll Orientierung schaffen

Die Nations League im Nachhinein für ungültig erklärt, ein Europapokalfinale nach Baku verlegt, dazu die endlose Debatte um den Umbau der Champions League zur Super League, die Reibereien mit den besten Klubs: Der Uefa mangelt es gerade an Klarheit in ihrem Handeln.

Oder fragt mal Leute auf der Straße, wo der Schwerpunkt der nächsten Europameisterschaft 2020 liegt. Bestenfalls erntet man ein Achselzucken oder mit Glück den Hinweis, dass das Finale in London stattfindet. Genaueres weiß man nicht.

So ein Dachverband hat die Aufgabe, Orientierung zu stiften. Nicht nur technisch, dass der Videobeweis in der Europa League Anwendung findet. Sondern inhaltlich: Der reichste und mächtigste und damit auch wichtigste Kontinentalverband der Welt muss in seinem Regelwerk eine Verlässlichkeit ausstrahlen, die den Weltverband Fifa staunen lässt und am Ende ein Vorbild ist. Die Champions League war vor über zwei Jahrzehnten stilbildend. Seitdem kam wenig, was den Fußball vorantrieb. Die Uefa mäandert.

Uefa ist auf Gewinnmaximierung fixiert

Man wird den Eindruck nicht los, dass die Uefa an den Belangen des Fußballs vorbei regiert. Nicht aus böser Absicht, bestimmt nicht. Aber fahrlässig und übertrieben auf Gewinnmaximierung fixiert.

Es muss zum Beispiel die Frage erlaubt sein, warum München 2022 zum vierten Mal in dreißig Jahren das Endspiel in der Königsklasse austragen lassen darf und alle anderen deutschen Städte nur zweimal in diesem langen Zeitraum, Gelsenkirchen 2004 und Berlin 2015.

Das Argument mit der Art von Entwicklungshilfe wie bei Baku zählt ja nicht. Warum also kein Endspiel mehr im Herzen des deutschen Fußballs, in Dortmund oder auf Schalke?

Fußball soll die Menschen erreichen und begeistern, und das geht am besten dort, wo Fußball gelebt wird, und nicht nur dort, wo er unbedingt den besten Komfort an Hotelzimmern und sonstigen Annehmlichkeiten bietet. Ja, die Bewerbung hat mit dem DFB in Frankfurt zu tun. Aber das macht's nicht besser.

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Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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