Besser hätte es für die Bundesliga in der Champions League nicht kommen können. Vorige Saison waren Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 im Achtelfinale kläglich an den Gegnern aus der Premiere League gescheitert. Kein Sieg in sechs Begegnungen und nur ein Unentschieden bei 3:17 Toren - das war peinlich, wir erinnern uns.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Nun kann die Bundesliga Revanche nehmen. Anfang 2020 spielen der FC Bayern gegen Chelsea und RB Leipzig gegen Tottenham Hotspur und dazu Borussia Dortmund gegen Paris Saint-Germain. Danach wird man endgültig wissen, ob die Blamagen vom Vorjahr ein Unfall oder doch das Resultat von falscher Selbsteinschätzung waren.

Wie gut sind die Bundesliga-Klubs wirklich?

Für die Bundesliga steht nicht weniger als die Frage auf dem Spiel: Wie gut sind wir eigentlich und wie gut wollen wir international sein? Das Jammern über die finanzielle Überlegenheit der englischen Klubs oder des staatlich bezuschussten Größenwahn-Klubs PSG reicht als Geste der Entschuldigung in eigener Sache nicht mehr aus.

Entweder zeigen die Bundesligisten, dass sie zu den Top Ten in Europa gehören. Oder man kommt nicht an der Weichenstellung herum: Muss man nicht doch die 50+1-Ideologie überdenken und Investoren zulassen, die den sportlichen Betrieb mit Zusatzmillionen aufpeppen? Es ist schon richtig: Darin liegt ein Risiko, klar. Aber eben auch das Gegenteil: eine Chance.

Das beste Gegenbeispiel steht gerade auf Platz 1 der Bundesliga und zeigt dem Rest des Wettbewerbs, wie man mit einer klugen Strategie das Geld gewinnbringend investiert. Bedenkenträger und Traditionalisten können RB Leipzig den Erfolg nicht absprechen. Die Wut auf das "Konstrukt", wie RB Leipzig beschimpft wird, ist nicht selten Ausdruck eigenen Unvermögens.

Der 1. FC Köln zum Beispiel, der zweitjüngste Bundesliga-Klub und immer stolz auf seine Vergangenheit, scheitert ja nicht permanent am Mangel finanzieller Mittel, sondern wechselweise an Eitelkeiten, am Defizit von Kompetenz oder am Verlust von Bodenhaftung und Weitsicht im Verein. Dort wäre jede zusätzliche Investoren-Million rausgeworfenes Geld.

Nicht jeder Millionentransfer ist ein Volltreffer

Schalke 04 profitiert heute davon, dass Sportvorstand Jochen Schneider ein Grundverständnis seiner RB-Vergangenheit einbringt, ohne dass die Prinzipien eines Traditionsvereins über den Haufen geworfen werden. Er wusste: Die Vertragsverlängerung mit Amine Harit, dem Herzschrittmacher der Mannschaft, trifft einen guten Nerv im Verein.

Mit dieser scheinbar harmlosen Personalie setzt er das Signal, dass der Ausverkauf guter Spieler kein Automatismus auf Schalke mehr sein muss. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung mit Stammtorwart Alexander Nübel erscheint nicht mehr unmöglich. Man stelle sich vor, ein so kluger Mann wie Jochen Schneider hätte auf Schalke ein bisschen mehr Kohle!

Welche Möglichkeiten sich daraus ergäben! An den Gedanken muss man sich vielleicht gewöhnen: dass ein Investor nicht zwangsläufig als Vertreter des Bösen in den Verein kommt. Man kann bei der Auswahl des Investors, der mitreden will, Fehler machen, ja. Aber das tun Vereine bei der Spieler-Auswahl auch. Nicht jeder Millionentransfer ist ein Volltreffer.

Die 50+1-Regelung verhindert aktuell und vielleicht aus gutem Grund den größeren Geldfluss in manche Vereine. Bisher reichte das Beharren auf dieses Wertegefühl, im Uefa-Ranking den dritten Platz hinter Spanien und England zu verteidigen. Das ist toll! Nach dem Achtelfinale wissen wir, ob es in der Champions League auch zu Höherem reicht.

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