Uli Hoeneß warnt deutlich vor den Auswirkungen des Transfer-Wahnsinns im internationalen Fußball. Der Präsident des FC Bayern spricht zudem über die Transferstrategie des Vereins - und auch über Julian Draxler.

Uli Hoeneß hat sich mit deutlichen Worten zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Transfermarkt geäußert. "Wir sind an einem Punkt, wo wir verdammt aufpassen müssen. Denn irgendwann hat vielleicht der Zuschauer doch mal die Schnauze voll", sagt der Präsident des FC Bayern im Interview mit der "Sport Bild".

Hoeneß: Kein Spieler 100 Millionen wert

Für seinen Verein kommen Transfers in der Größenordnung Dembélé oder Neymar nicht infrage. Zwar gebe es "keinen anderen Verein weltweit, der mehr eigenes Geld hat", erklärt Hoeneß. "Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich möchte keinen Spieler für 100 Millionen Euro kaufen, auch wenn ich sie hätte". Er ist der Meinung, kein Spieler der Welt sei 100 Millionen Euro wert.

Hoeneß sieht die Verantwortung der aktuellen Transfer-Entwicklungen auch bei seinen Kollegen. "Ich muss ehrlich sagen: Es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeiten wieder zurechtzurücken", meint Hoeneß. Er legt sogar noch nach: "Lange genug hatte man Schiss vor den Beratern, den Spielern etc.. Man muss nun auch mal sagen: Es reicht!"

Dabei hat auch der FC Bayern in diesem Sommer bereits über 100 Millionen Euro für Transfers ausgegeben. Der Franzose Corentin Tolisso ist mit 41,5 Millionen Euro Ablöse Bayerns Rekordzugang. Für den von Real Madrid ausgeliehen Kolumbianer James Rodríguez wären neben den 13 Millionen Euro Leihgebühr bei einer Verpflichtung weitere 42 Millionen fällig.

Hoeneß äußert sich zu Draxler-Gerüchten

Zuletzt kursierten auch immer wieder Gerüchte um einen Wechsel von Julian Draxler zum FC Bayern. Der Confed-Cup-Sieger sieht nach dem 222-Millionen-Wechsel von Neymar seinen Stammplatz bei Paris St. Germain gefährdet. "Dass Julian Draxler ein Spieler ist, der dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen würde, steht außer Frage", erklärt Hoeneß.

Doch ihm ist klar, welche Konsequenzen ein Transfer hätte: "Wenn wir nun auf Teufel komm raus einen Transfer wie Draxler anstreben würden, käme wie schon bei der Verpflichtung von James gleich wieder die nächste Frage auf: Was ist mit Thomas Müller?"

Müller hatte sich zuletzt unzufrieden über seine Reservisten-Rolle beim Rekordmeister gezeigt. Schon in der vergangenen Saison war der Weltmeister oft nicht erste Wahl von Trainer Carlo Ancelotti. (ms)