War der Umbruch im vergangenen Jahr erst der Anfang? Bei Borussia Dortmund kündigen sich für den Sommer erneut viele Abgänge an. Ist der BVB bald eine Mannschaft ohne Identifikationsfiguren?

Der vergangene Sommer stand bei Borussia Dortmund im Zeichen des großen Umbruchs. Eckpfeiler wie Henrikh Mkhitaryan, Mats Hummels und Ilkay Gündogan gingen. Dafür wurde weit über 100 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Rückkehrer Mario Götze, Mega-Talent Ousmane Dembele oder auch Abräumer Sebastian Rode sollten die neuen Gesichter des BVB werden.

"Es ist fraglos der größte Umbruch der vergangenen zehn Jahre", sagte Vereins-Boss Hans-Joachim Watzke damals zur dpa. Auf einen Umbruch folgt normalerweise die Findungsphase. Einer Mannschaft wird Zeit gegeben, sich kennenzulernen und Automatismen zu entwickeln. Beim BVB hingegen kündigen sich für den Sommer erneut massenhaft Abgänge an. Da stellt sich die Frage: Steckt der BVB im ewigen Umbruch?

Diskussionen um Thomas Tuchel

Sogar die Zukunft des Trainers steht auf wackeligen Beinen. Der Vertrag von Thomas Tuchel läuft noch bis 2018. Vor Sommer sollen keine Gespräche über die Zukunft stattfinden. Das wäre ein Jahr vor Vertragsende – ungewöhnlich spät. Zum Vergleich: Der letzte Arbeitsvertrag mit Jürgen Klopp wurde mehr als zweieinhalb Jahre vor Vertragsende verlängert.

Doch Tuchel ist eben kein Klopp. Das Verhältnis zwischen dem Trainer und seinen Vorgesetzten Watzke sowie Sportdirektor Michael Zorc gilt als angespannt. Dazu passt, dass Watzke ein Trainer-Bekenntnis meidet. Gegenüber den Ruhr-Nachrichten sagt er: "Fakt ist, dass Thomas Tuchel ein außergewöhnlich guter Trainer ist! Wir müssen aber auch schauen, ob wir uns in der strategischen Ausrichtung des Klubs einig sind, bei kommunikativen Themen, bei tausend Dingen." Das klingt nicht zwingend nach einer weiteren Zusammenarbeit.

Ungewissheit bei der Kaderplanung

Auch der Kader dürfte ordentlich ausgedünnt werden. Laut Informationen der Bild-Zeitung stehen Shinji Kagawa und Nuri Sahin auf der Streichliste. Beide haben die Erfolgsgeschichte des BVB mitgeprägt, konnten zuletzt aber nicht an ihre früheren Leistungen anknüpfen. Die Verträge beider Spieler laufen bis 2018. Das heißt: Nur im Sommer ließen sich noch höhere Transfereinnahmen erzielen.

Die Zukunft von Sebastian Rode soll ebenfalls ungewiss sein. Blindarmoperation, Leistenoperation, Trainingsrückstand – der 26-Jährige fällt ständig aus. Vom erhofften Stammplatz ist er ohnehin weit entfernt. Nachdem Rode bereits beim FC Bayern München wenig gespielt hat, braucht er garantierte Einsatzzeiten. Die würde er vermutlich nur bei einem anderen Verein bekommen.

Und wie steht es um die Zukunft von Mario Götze? Die Hoffnung, dass er in Dortmund wieder an frühere Glanzzeiten anknüpft, droht zu zerplatzen.

Spekulationen um Aubameyang

Auch die Spekulationen um einen Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang reißen nicht ab. Kein Wunder: Der Stürmer befeuert die Gerüchte höchstpersönlich. "Wenn ich die nächste Stufe erreichen will, muss ich in diesem Sommer gehen. Ich bin 27. Wir werden sehen, welche Angebote es gibt und wo ich spielen werde", sagte er gegenüber einem französischen Radiosender.

Die Defensivabteilung des BVB weckt ebenfalls Begehrlichkeiten. RB Leipzig soll an Innenverteidiger Matthias Ginter interessiert sein. Verhandlungen sollen bereits stattgefunden haben. Ein Wechsel würde für Ginter Sinn machen. Immerhin gibt es in Dortmund aufgrund der Verpflichtung von Ömer Toprak bald mehr Konkurrenz.

Fraglich ist auch die Zukunft von Ersatztorwart Roman Weidenfeller. Der Kontrakt läuft zum Saisonende aus. Im Winter sollten eigentlich Vertragsgespräche stattfinden – taten sie aber nicht. "Wir haben das noch gar nicht entschieden und müssen das erst mit Roman besprechen", sagte Sportdirektor Zorc gegenüber dem "kicker".

Hoffnung auf neue Spieler

Seine Aufmerksamkeit gilt offenbar den jungen Spielern. Der erst 17-jährige Mittelstürmer Alexander Isak gilt als Versprechung für die Zukunft. Laut Medienberichten soll auch der 21-jährige Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud vor einem Wechsel zum BVB stehen. Als möglicher Ersatz für Aubameyang wird zudem der 18-jährige Jean-Kevin Augustin von Paris Saint-Germein gehandelt.

Diese Mega-Talente könnten die neuen Gesichter des BVB werden. Aber natürlich nur dann, wenn es im Jahr darauf nicht wieder einen Umbruch gibt.