Erst fliegen die Bayern aus dem DFB-Pokal, jetzt droht ihnen auch das Aus in der Champions League. Und Tuchel? Der lobt seine Mannschaft trotz einer 0:3-Niederlage.
Seine Stellungnahme stand plötzlich wie ein Manifest im Raum.
Ja, Trainer müssen Durchhalteparolen ausgeben. Solange zumindest theoretisch die Chance besteht, das nackte Ergebnis im Rückspiel nächste Woche Mittwoch in München umzudrehen, darf Thomas Tuchel das Positive am Auftritt seiner Mannschaft herausheben. Auch Manchester City ist schlagbar, wie die Bilanz in der Premier League zeigt (vier Saisonniederlagen).
Intern müssen die Bayern Tacheles reden
Aber das ist Außenpolitik. Intern müssen die Bayern Tacheles reden. Nach der Auswärtspleite in der Königsklasse sollten Vorstandschef
Offenbar waren die Bayern-Bosse ja überzeugt, dass ihr Kader mehr hergibt, als Nagelsmann aus ihm herausgeholt hat. Schönerer Fußball sowieso - aber auch Erfolge jenseits der Bundesliga. Heute wissen wir: Das Risiko mit dem Trainerwechsel war zu hoch. Auch Tuchel konnte den Triple-Knockout nicht mit Handauflegen verhindern. Schönfärberei hilft da nichts.
Lesen Sie auch:
- Die Statistik sagt: Die Bayern sind draußen
- Der FC Bayern steht vor dem Aus in der Champions League: Stimmen und Reaktionen
Es fehlt ein Mittelstürmer, der Tore im Dutzend garantiert. Es mangelt an Führungsspielern auf dem Rasen, wenn der Kapitän im Tor ausfällt (Manuel Neuer). Die Abwehr: für ein Spitzenteam immer noch zu anfällig. Die Außenpositionen: wirkungslos. Starspieler wie Serge Gnabry: nicht mehr oder zu selten leistungsorientiert. Sadio Mané: Totalausfall.
Alle Kritikpunkte verbindet ein Schlagwort: Kaderplanung. Zu häufig haben die Bayern-Bosse im Saisonverlauf Bedenken und Anmerkungen in den Wind geschlagen, weil sie dem sündhaft teuren Kader Großes zugetraut haben. Das war eine Fehleinschätzung. Wenn Trainer ihren Job immer bis auf Abruf erledigen müssen, so gilt das auch für die Manager in der Geschäftsstelle.
DFB-Pokal-Aus, Fast-Aus in der Champions League
Als sie gemerkt haben, dass der gelegentliche Spitzenfußball (acht Siege in der Champions League) mit Leistungsdellen bezahlt wurde, war die Transferperiode vorbei. Dann den Trainer auszutauschen, ist nicht die billigste, aber die schnellste Lösung. Kann man so machen. Doch danach sollte man auch die Verantwortung übernehmen, dass die Maßnahme ihre erhoffte Wirkung verfehlt hat.
Viertelfinal-Aus im DFB-Pokal, Fast-Aus in der Champions League, zwei Punkte Vorsprung in der Bundesliga: Für diese magere Ausbeute ist dieser Bayern-Kader zu teuer. Die Personalkosten gehen in die Hunderte Millionen Euro. Das zweite Jahr ohne Erfolge im DFB-Pokal und in der Königsklasse sollten der Aufbruch zu größeren Umbauarbeiten sein, so oder so.

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.