Schnell waren sich Mitspieler, Trainer und sogar der Gegner einig: Das mit den Pfiffen gegen Leroy Sané sei eine Unverschämtheit von den Fans. Der Kölner Trainer Steffen Baumgart verstieg sich zu der Behauptung: "Ich finde das beschämend, dass überhaupt gepfiffen wird. Leroy mag zwar in einer Form sein, die ihm selbst nicht gefällt, aber ich finde, er arbeitet und macht."

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk
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So hätten es die Millionäre in den kurzen Hosen wohl am liebsten: dass das Leistungsprinzip in ihrer Wohlfühloase Fußball-Bundesliga außer Kraft gesetzt wird. Darum sei es in aller Deutlichkeit an dieser Stelle formuliert: Natürlich haben die Zuschauer alles Recht der Welt, die mangelhafte Leistung eines Fußballprofis mit Pfiffen zu quittieren. Dass Häme mitschwingt: Sei’s drum.

Es stimmt halt nicht, wenn Bayern-Trainer Julian Nagelsmann Ursache und Wirkung verdreht und Sané zugute hält, dass er ja auch nicht an die Arbeitsplätze der Zuschauer eilt, um sie bei der Verrichtung ihrer Arbeit auszupfeifen. Fußballprofis gehen ihrem Beruf in aller Öffentlichkeit nach und werden für die knallharte Bewertung fürstlich entschädigt; ein Dreher an der Werkbank nicht.

Sané enttäuscht auf ganzer Linie

Bei Leroy Sané sind Pfiffe doppelt angebracht. Nicht nur seine Leistung beim 3:2 gegen Köln war sportlich und statistisch unterirdisch. Seit einem Jahr schon, als er mit Getöse in München empfangen wurde, warten sie beim FC Bayern auf seinen Durchbruch. So ziemlich alle Bosse wiederholten medienwirksam ihre Erwartungshaltung: Von Sané müsse jetzt mehr kommen.

So viel Geduld, wie sie Sané erfahren hat, erfahren Bayern-Profis selten. Er ist ja kein junger Spieler mehr. Von einem 25-Jährigen beim FC Bayern darf man durchaus einfordern, dass er Passspiel, Laufwege und Defensivverhalten auf höchstem Niveau abliefert. Scheu ist keine Ausrede. Die hat er auch nicht gezeigt, als es damals um seinen Millionenvertrag bis 2025 ging.

Wer bei Bayern spielen will, muss auch Leistung bringen

Dass Bayern München zumindest offiziell einen Schutzschirm über Leroy Sané spannt, ehrt den Rekordmeister sehr und ist leicht erklärbar. Nach einem mittelmäßigen Anfangsjahr erhoffte man sich einen neuen Sané, der wie eine Verstärkung auftritt und nicht wie ein ewiges Talent. Denn echte Neuzugänge in dieser Größenordnung schränkt Corona ein.

Die Bayern sollten deshalb nicht unglücklich über die Wirkungstreffer aus dem Fanblock sein. Die Leute haben ein feines Gespür, ob jemand alles gibt oder doch schludert.

Die Pfiffe erinnern Sané daran, dass er mit halbgarem Gekicke keine Zukunft beim FC Bayern haben kann. Die Liste gescheiterter Hoffnungsträger ist lang. Der FC Bayern hat sie alle überstanden.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier.
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