Clemens Tönnies ist ein Unternehmer aus Leidenschaft. Aus der Metzgerei seiner Eltern hat er gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Bernd ein Fleisch-Imperium mit Sitz im westfälischen Örtchen Rheda-Wiedenbrück aus dem Boden gehauen.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Man ahnt es ja: Wer mit Schweinehandel ein Weltunternehmen mit jährlich sieben Milliarden Euro Umsatz aufbaut, engste Kontakte nach Russland pflegt und nebenbei Schalke 04 durch alle Krisen leitet, liebt den Säbel mehr als das Florett. Der ist rau in Wort und Tat.

Tönnies schlägt Kraftwerke zur Geburtenkontrolle in Afrika vor

Und trotzdem: Seit Clemens Tönnies am Donnerstagabend in Paderborn Kraftwerke zur besseren Geburtenkontrollen in Afrika vorgeschlagen hat, reicht seine lieblos verfasste Entschuldigung, die er im Internet verbreiten ließ, nicht mehr zur Besänftigung.

Das berühmte Schalker Umfeld will seinem Aufsichtsratsvorsitzenden den neuesten Eklat nicht durchgehen lassen. Tönnies fliegen nicht nur Rassismus-Vorwürfe um die Ohren. Eigentlich hat er keine Wahl mehr: Er muss sein Amt bei Schalke 04 aufgeben.

Denn auch das gehört zur Wahrheit: Tönnies hat gegen die eigene Satzung verstoßen. Und das wiegt in einem Verein, der mehr Werte vertritt als Meisterschaften gewinnt, besonders schwer. Unter Paragraf 2 heißt es in der Satzung wörtlich:

"Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere auf Grund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen."

Tönnies tat das Gegenteil. Beim Tag des Handwerks in Paderborn hatte er vorgeschlagen, man solle jährlich 20 neue Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Entschuldigung über Twitter nur bei Schalke 04

Am nächsten Tag stellte der Twitter-Account "Tönnies Dialog" eine Entschuldigung ins Netz. Tönnies gab sein Bekenntnis zu einer "offenen und vielfältigen Gesellschaft" ab. "Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tut mir leid."

Die Nachricht aber erreichte nur 272 Follower. Erst zwei Stunden später folgte eine zweite Entschuldigung über die Sozialen Netzwerke des Vereins. Tönnies nannte seine Aussage "falsch, unüberlegt und gedankenlos". Und wieder: "Es tut mir sehr leid."

Was die Sache schlimmer macht: Mit keinem Wort entschuldigt Tönnies sich bei denen, die er beleidigt hatte, sondern allein bei Schalke 04: "Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04 entschuldigen."

Schon wirft ihm der ehemalige Fußballprofi Hans Sarpei "ein Weltbild aus der Kolonialzeit" vor. So wird das jetzt ständig gehen. Bei jeder Gelegenheit wird man Clemens Tönnies die Worte von Paderborn vorhalten.

Der Schaden, den Tönnies mit seiner Rede und der Reaktion auf die Reaktion angerichtet hat, ist enorm. Seine Verdienste um den FC Schalke sind unbestritten. Der größte Verdienst, den er Schalke leisten kann, steht ihm womöglich bevor.

Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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Noch Ende Juni hat Gerald Asamoah seinen Arbeitsvertrag auf Schalke verlängert. Bis 2022 soll sich der 43-malige deutsche Nationalspieler als Manager um die Reservemannschaft in der Regionalliga West kümmern.