Naturpark Perche

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Bei der Anfahrt zieht die grüne Landschaft des Parc naturel régional du Perche an unseren Wohnmobilfenstern vorbei: mächtige Eichen, grüne Wiesen und beeindruckende Landsitze. Die historische Grafschaft im Südosten der Normandie, gut zwei Stunden von Paris entfernt, gilt mit ihren jahrhundertealten Eichen- und Buchenwäldern als das "Land der großen Bäume".

In La Perrière könnte der Kontrast zur trubeligen Hauptstadt nicht größer sein. Entschleunigung suchen auch Gil Boyard und Jérôme, Antiquitätenhändler und Kunsthistoriker, in dem charmanten Örtchen, wohin sie vor zwei Jahren von Paris gezogen sind. Monteloup heißt ihr kleines Ladengeschäft für schöne Dinge. Längst nicht so groß wie so mancher der alten Baumriesen im Naturpark Perche sind die vielen Apfelbäume von Nathalie und Dominique Plessis in Le Theil, gut 30 Kilometer entfernt von La Perrière. Gewaschen und sortiert kommen die Äpfel in die Presse, um als gelblicher Saft bis zu vier Monate im Stahltank zu reifen.

Eine zweite Fermentierung findet in der Flasche statt, die vor dem Verkauf noch einmal mindestens vier Monate lagern muss. "Neun Monate braucht auch ein Kind, bis es zur Welt kommt", schmunzelt Nathalie Plessis, die 1990 mit ihrem Mann die Cidrerie Traditionelle du Perche gegründet hat und viel über sie zu erzählen hat. Aus dem fünfprozentigen Apfelwein wird der Calvados gebrannt, der bei ihnen fünf Jahre im Eichenfass reift und 42 Prozent Alkohol enthält. Beim Probieren prickelt der Cidre leicht auf der Zunge, ein angenehmes und erfrischendes Gefühl.

Halbinsel Cotentin

Vom Wind umtost und von Wasser umwogt, ist die wilde Halbinsel Cotentin. Dort trifft man auf acht natürliche Häfen, die aufgrund ihrer Lage zwischen sandigen Ebenen und Marschland weltweit einzigartig sind. So konnte sich eine besondere Flora und Fauna entwickeln, mit Pflanzen, die auch im Salzwasser gedeihen. Hier kommt auch der Wanderweg GR 223 vorbei. Der "Sentier des Douaniers" (Zöllnerweg) oder "Sentier du Littoral" (Küstenweg) ist ein Fußweg mit einer Gesamtlänge von 446 Kilometern.

In Saint-Germain-sur-Ay führt Didier Lecœur vom örtlichen Tourismus, regelmäßig Interessierte durch die Salzwiesen. Los geht es am Corps de Garde, einem Wachhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Steinhaus schützte den Hafen vor feindlichen Angriffen der Engländer und die Gruppe vor Wind und Wetter – ein Unterschlupf für eine kurze Pause. Wir wandern mit Didier auf den kaum erkennbaren Pfaden zu den Dünen und zu einem der acht Häfen, die es einst für die Salzverschiffung gab. Auch der "Havre" von Saint-Germain-sur-Ay war ein Naturhafen, in dem es heute aber keine Schiffe mehr gibt und den die Gezeiten immer wieder aufs Neue formen. Didier zeigt auf kleine dunkelgrüne Halme. Dem Queller macht das Salzwasser nichts aus und gibt ihm eine besonders würzige Note. Die Kräuter sind beliebt und wachsen ausschließlich wild, sodass man täglich maximal zwei Hände voll pflücken darf.

Queller, auch Meeresspargel genannt, steht als regionale Beilage auf den Speisekarten der Restaurants. Auch die Schafe mögen den Geschmack, und so wird ihr Fleisch als "pré-salé", vorgesalzen, verkauft – eine Spezialität der Region. Auf dem Weg entlang der Küste machen wir bei Bréville-sur-Mer Halt und schauen in der wunderschönen Bucht den Surfern zu, die beim Wingfoiling oder Wingsurfen über das Wasser kurven. Es ist eine Technik, die sich aus Kite- und Windsurfen und Stand-up-Paddling entwickelt hat. Dabei hält der Surfer auf einem Board stehend den Wing, das Segel, in der Hand. Indem er es in den Wind stellt, bekommt er nicht nur Auftrieb, sondern auch Vortrieb und hebt ab. Bei den Einführungskursen im Centre Régional de Nautisme de Granville kann jeder sein Talent erproben.

Chausey-Inseln und Granville

Auch Granville liegt auf der Halbinsel Cotentin. Das Monaco des Nordens ist nicht wirklich ein Geheimtipp und im Sommer ein beliebter Ferienort. Einsam dagegen sind die Îles Chausey, die von Granville aus mit der Fähre zu erreichen sind. 300 Chausey-Inseln sind der Küste vorgelagert. Ein Großteil von ihnen verschwindet bei Flut. Nur auf die Grand Île fährt regelmäßig das Boot. Die Insel ist eineinhalb Kilometer lang und nur bis zu einem halben Kilometer breit.

Neben den 30 Bewohnern und ihren Häusern bleibt Platz für einen automatischen Leuchtturm und einen Signalturm, ein paar Übernachtungsmöglichkeiten, das Haus des Malers Paul Marin, das Fort von Napoléon III., ein Schloss aus dem 16. Jahrhundert (restauriert vom Autopionier Louis Renault), die kleine Kirche und ein Restaurant – alles weit weg vom Massentourismus. Wer nach der gut einstündigen Überfahrt das Boot verlässt, landet geradewegs im Paradies, bei dem auch die weißen, feinen Sandstrände nicht fehlen. Straßen und Autos sucht man vergeblich.

Zurück in Granville, weist in der Kirche Notre-Dame-du-Cap-Lihou ein Schiff an der Decke auf die Bedeutung der Seefahrt hin. Die Fischerei ist auch heute noch von Bedeutung: Wellhornschnecken, Jakobsmuscheln, Venusmuscheln, Tintenfische, Meermandeln, Streifenbrassen machen die Stadt zum wichtigsten Muschelhafen Frankreichs. Christian Dior wurde 1905 in Granville geboren. Ihn zog es aber nicht auf die einsamen Inseln, sondern in die Hauptstadt. In Granville ist ihm ein Museum gewidmet.

Normannische Schweiz

Wohl die wenigsten wissen, dass es auch eine Normannische Schweiz gibt, ein weiterer Geheimtipp für Naturliebhaber. Hier erhebt sich der Aussichtsfelsen Roche d’Oëtre über die grüne Landschaft und das Tal des Flusses Rouvre. Über 100 Meter geht es dort in die Tiefe. Unzählige Erosionen haben über Jahrmillionen das armorikanische Massiv geprägt. Zwar kann man vom Felsen aus den Rouvre im Tal nicht sehen, aber wer genau hinhört, vernimmt ein Gurgeln und Rauschen. Hier ragen die Berge lediglich rund 400 Meter in den Himmel, aber Outdoor-Fans finden zahlreiche Herausforderungen wie Mountainbiken, Wandern oder Kajakfahren.

Wir machen eine Fahrradtour über die kleinen, fast unbefahrenen Sträßchen, mal bergab und dann wieder bergauf. Zahlreiche Kapellen, alte Friedhöfe, Seen, herrschaftliche Häuser mit Pferde- und Kuhweiden und kleine Örtchen wechseln sich ab. Ein kurzer, aber heftiger Regenschauer lässt uns zurück ins gemütliche Café le Caillou beim Naturparkzentrum von la Roche d’Oëtre flüchten.

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Übernachtungsplätze auf unserer Route

1. Camping de la Rouvre bei Ménil-Hubert-sur-Orne

  • liegt in der Normannischen Schweiz und ist ein guter Ausgangsort für Ausflüge, Radtouren und Wanderungen.

2. Camping Aux Grands Espaces in Saint-Germain-sur-Ay

  • befindet sich direkt an der Küste und am südlichen Ende der Halbinsel Cotentin.

3. Camping de la Vanlée in Bréhal

  • liegt idyllisch in der Dünenlandschaft unmittelbar an großen Sandstränden.

4. Camping de l’Ermitage

  • profitiert von seiner Nähe zu Granville und ist besonders beliebt bei Familien.

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