Bis nach Portugal soll unsere Reise im T4 gehen. Der ist bepackt mit den Fahrrädern und alles was wir für den Camping-Trip brauchen. Anfang Februar brechen wir auf. Erste Übernachtung Luxemburg: Nachts minus zwei Grad, Frontscheibe zugefroren. Gut, dass wir die Winterbetten mitgenommen haben. Schon am Nachmittag erreichen wir den Stellplatz in Palavas-les-Flots am Mittelmeer. Leider dürfen wir nicht einchecken, denn der Platz ist nur für Wohnmobile vorgesehen – wenn unser T4 ein Aufstelldach hätte, sähe es anders aus. Das war uns in 23 Jahren mit unserem Bulli noch nirgends passiert – man lernt nie aus.

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In Le Grau-du-Roi kommen wir dann auf dem parkplatzähnlichen Stellplatz direkt hinterm Strand unter. Mit dem Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg nach Spanien – ich hoffe, Flamingos fotografieren zu können, die wir gestern Abend reichlich sahen, aber jetzt steht da nur ein kümmerliches Exemplar. Die Autobahn ist an diesem Sonntagmorgen extrem leer – nur um Barcelona und Murcia ist der Verkehr dichter.

Erste Ziele in Spanien

Kurz nach Mittag erreichen wir Camping Malvarrosa de Corinto bei Sagunt, einen von Dauercampern geprägten Platz mit kleiner Parkanlage. Das Waschhaus ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber alles funktioniert. Vor dem Platz ein breiter Kies- und Sandstrand – richtig malerisch mit Palmen; nur fahren andauernd Lkw auf dem Strand hin und her, die Küstenschäden eines schweren Unwetters beseitigen.

Mit dem Rad fahren wir die schmale Straße durch das Feuchtgebiet hinter dem Platz. Immer wieder hören wir es plumpsen, aber nur zweimal sehen wir die "Plumpser": Schildkröten, die vor uns abtauchen. Der benachbarte Ferienort Almenara ist außerhalb der Saison fast ausgestorben. Lange radeln wir auf der Strandpromenade einsam dahin, finden dann am Ende des Ortes tatsächlich Menschen und einen geöffneten Minimarkt.

Isla Plana ein Hotspot zum Überwintern

Es geht weiter nach Süden. Wir sind zeitweise allein unterwegs und erreichen mittags Camping Los Madriles in Isla Plana, einen gepflegten, von Überwinternden geprägten Platz an einem Berghang mit Blick auf das Meer. Bei der Ankunft sind auf dem großen Platz noch vier Flächen verfügbar – gut, dass wir so früh ankamen. Unsere Platznachbarn schwärmen vom Schwimmbad, das jeden Morgen aus einer Quelle mit 30 Grad warmem Thermalwasser neu gefüllt wird. Wir fühlen uns wohl hier, aber irgendwie kommt mir das alles etwas "spanisch" vor – im Luftbild lag der Platz doch direkt am Strand – und wo sind die Sandstein-Formationen von Bolnuevo? Im Internet finde ich die Lösung: Wir hatten uns für jede Region einen Platz erster Wahl und eine Alternative ausgesucht – wir haben die Plätze hier vertauscht – was soll’s.

Am nächsten Tag besichtigen wir mit dem Rad unseren Platz erster Wahl in Puerto de Mazarrón am Bolnuevo-Strand. Er ist eine Nummer größer, offensichtlich voll belegt, schön gelegen, aber unser Platz in Isla Plana gefällt uns besser. Morgens ziehen wir weiter nach Ronda. Der nette Platznachbar aus Berlin gibt uns noch einen Tipp: "Wenn ihr etwas Schönes sehen wollt, dann fahrt etwas zurück und dann auf schmaler Straße hinauf zum "Kanonenberg" – da habt ihr eine tolle Aussicht auf die Bucht von Cartagena." So machen wir’s. Der Weg wird immer schlechter, je weiter wir den Berg erklimmen. Begegnungsverkehr ist kaum möglich. Das letzte Stück bis zur Batteriestellung (von der nie ein Schuss abgegeben wurde) ist wegen Bauarbeiten gesperrt – wir kehren um. Ein entgegenkommendes Auto hält uns an: Wir sollen in der nächsten Ausweichstelle halten, weil in 15 Minuten ein Lkw hochkommt. Das machen wir und genießen bei einem Kaffee die tolle Aussicht.

Almeria bis nach Ronda

Auf der Küstenautobahn ist wenig Verkehr, nur um Almería und Málaga wird er mal kurz dichter. Bei Almería fahren wir lange, lange durch ein Meer – ein Meer von Plastikfolien über Gemüseflächen. Hinter Marbella verlassen wir die Autobahn und schrauben uns hinauf nach Ronda. Der liebevoll gestaltete Campingplatz El Sur ist gut belegt. Ganz oben vom Platz genießen wir schon mal die Aussicht auf Ronda, wohin wir am nächsten Morgen, vorbei an blühenden Mandelbäumen, bei bestem Frühlingswetter wandern. Ist die Altstadt von Ronda schon sehenswert, wird das Ganze gekrönt von der spektakulären Brücke über der Schlucht, die das Flüsschen Guadalevín gegraben hat.

Gleich hinter der Brücke liegt die berühmte Stierkampfarena. Auf dem Rückweg finden wir einen Tante-Emma-Laden, wie es ihn kaum noch gibt: eng, alles Kraut und Rüben durcheinander, das Besitzerpaar ununterbrochen mit den Kunden palavernd – wir warten fasziniert, bis wir an der Reihe sind. Wir kaufen auch Wein. Er schmeckt eigenartig süß und ich lese: aromatisiertes Getränk auf der Basis von Wein – nicht möglich, sich das schön zu trinken.

Rundfahrt zu den Weißen Dörfern

Am Sonntag machen wir die vom Campingplatz empfohlene Rundfahrt – etwa 50 Kilometer – zu den Weißen Dörfern in der Umgebung von Ronda. In Grazalema, dem regenreichsten Ort Spaniens, halten wir zum Fotostopp, dann geht es auf enger Straße hinauf zum 1.357 Meter hohen Pass Puerto de las Palomas, wo wir den Aussichtspunkt besteigen. Infotafeln weisen auf das hier beheimatete größte Vorkommen von Gänsegeiern hin – ständig kreisen mehrere vor den steilen Felswänden.

Bei Zahara de la Sierra erreichen wir wieder eine normale Straße und fahren über Setenil – mit in den Fels gebauten Häusern – zurück zum Platz. Schräg über uns richtet sich gerade ein Luxusmobil ein, wo morgens noch zwei Fahrzeuge hingepasst hatten. Es ist sicher vier Meter hoch. Jetzt werden noch Leiter und Astschere hervorgeholt und Bäume zurechtgestutzt, damit das Wohnzimmer seitlich ausgefahren werden kann – das nenne ich mal eine durchdachte Ausstattung.

Nieselregen am nächsten Morgen, aber bald kommt die Sonne raus. Wir nehmen nicht die schnellste Route nach Gibraltar, sondern den schöneren Weg durch die Berge. Bei Gaucin ist in der Ferne erstmals die Straße von Gibraltar zu erkennen. So hatte ich mir das erträumt. Nachdem wir uns aus den Bergen heruntergeschraubt haben, fahren wir entlang einer Bahnstrecke Richtung Gibraltar. Auf fast jedem Oberleitungsmast stehen ein oder zwei Störche. Der markante Felsen von Gibraltar kommt immer näher. Den Wohnmobilstellplatz in La Línea de la Concepción finden wir auf Anhieb – er liegt in einem Yachthafen, direkt an der Grenze zu Gibraltar, mit Blick auf den berühmten Felsen. Von den 60 nummerierten Plätzen sind noch fünf frei, als wir ankommen. Beim Spaziergang am nächsten Morgen zähle ich fast 100 Wohnmobile.

Problemlos gehen wir mit dem Personalausweis über die Grenze und dann zur Talstation der Seilbahn. Ein Taxifahrer bietet uns zum gleichen Preis eine Fahrt mit Fotostopps und Erklärungen an, wenn er sechs Leute zusammenhat. Diese Tour ist ein absolutes Highlight: Beste Sicht über die Bucht mit vielen Schiffen auf Reede, und über Afrika geht die Sonne unter. Ganz oben sind die Berberaffen recht munter – einfach traumhaft. Das Sträßchen ist beängstigend eng und steil, mit Spitzkehren, die erst durch Vor- und Zurücksetzen zu meistern sind, aber unser Fahrer bleibt gelassen.

Unser Stellplatznachbar war über Portugal angereist. Er empfiehlt einen Zwischenstopp in Punta Umbría bei Huelva – dort hat er in den Dünen gestanden. Wildcampen ist nicht so unser Ding – wir fühlen uns auf Camping- oder Stellplätzen wohler. Die durchschnittlich etwa 20 Euro pro Nacht geben wir gern aus. Die Regeln, wie lange und wo man in Spanien und Portugal stehen darf, kommen uns widersprüchlich vor. Tatsächlich sehen wir aber immer wieder Gruppen freistehender Wohnmobile.

El Rocio und das Doñana-Naturschutzgebiets

Von einem Rastplatz bei Tarifa haben wir eine Wahnsinnsaussicht über die Straße von Gibraltar. Den geplanten Zwischenstopp in Tarifa lassen wir aus – besser kann es nicht werden. Grüne Weiden mit grasenden Pferden oder Rindern, einsame Atlantikstrände – die Landschaft hat sich total geändert. Extrem wenig Verkehr bis Sevilla – dort stehen wir auf der Brücke über den Guadalquivir kurz im Stau, dann sind wir wieder fast allein unterwegs und erreichen Camping La Aldea in El Rocio, im Herzen des Doñana-Naturschutzgebiets. El Rocio – ein Dorf wie im Wilden Westen: Keine Teerstraßen, nur Sandwege, und statt Fahrradständern vor jedem Haus ein Holzgestell zum Anbinden der Pferde. Im Flachwasser direkt vor dem Ortszentrum stehen zahlreiche Flamingos und andere Wasservögel. Berühmt ist El Rocio wegen der jährlichen Pfingstwallfahrt. Jetzt im Februar ist der Ort noch ziemlich ausgestorben, aber wenn sich Kutschen oder Reiter auf der Ortsstraße zeigen, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt.

Von Spanien nach Portugal

Wie uns geraten wurde, legen wir einen Stopp in Punta Umbría auf Camping Playa La Bota ein. Hinter dem Dünengürtel des Atlantikstrands fahren wir Huelva entgegen. Bei La Rabida, am Zusammenfluss von Río Tinto und Río Odiel, sehen wir eine riesige Statue zur Erinnerung an Christoph Columbus, der 1492 von hier aufbrach. Unser Ziel Punta Umbría ist gar nicht mehr weit entfernt, aber wir müssen erst im großen Bogen nördlich um Huelva und das Naturschutzgebiet Marismas del Odiel herum. Der von Dauercampern geprägte Platz liegt im Dünengürtel zwischen Meer und dem Naturschutzgebiet, das aber hier keinen Zugang hat.

Wir möchten uns das Mündungsgebiet des Odiel in Punta Umbría ansehen. Das sieht in der Karte nicht weit aus, tatsächlich gehen wir aber zwei Stunden bei Ebbe am Strand bis zum Ende des Ortes, der im Februar fast ausgestorben ist. Erst im alten Ortskern ist etwas Betrieb. Auf nach Portugal. Von Kreisverkehr zu Kreisverkehr geht es auf der Küstenstraße nach Albufeira. Schon am Mittag kommen wir auf dem großen städtischen Campingplatz an, einem sehr gepflegten Platz mit großer Poolanlage. Auf einem guten Radweg fahren wir etwa zehn Minuten hinunter ins Stadtzentrum und weiter zum Strand.

Waren die spanischen Ferienorte bisher fast ausgestorben, so ist in dieser Partyhochburg schon im Februar Betrieb. Wir sind mehr an den zerklüfteten Stränden interessiert, die wir am nächsten Tag zu Fuß erkunden. Belohnt werden wir mit schönen Fotomotiven – besonders zum Sonnenuntergang. Die Temperaturen liegen in Portugal nun konstant über 20 Grad.

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Lagos und Strand von Luz

Nächstes Ziel ist der Campingplatz Turiscampo Praia da Luz bei Lagos. Wir stehen direkt über dem Hallenbad, wo gerade Aquagymnastik angeboten wird. Über einen Hügel und dann steil hinunter geht es mit den Rädern zum Strand von Luz. Sind da Delfine? In der Bucht lauern Wellenreiter in schwarzen Neoprenanzügen auf die perfekte Welle, aber die meisten lauern nur. Anderntags fahren wir mit dem Bus nach Lagos, gehen am alten Hafen vorbei, um dann auf wunderschönen Pfaden hinter den Klippen entlangzuwandern, wo unter uns eine von bizarren Felsen eingerahmte Bilderbuchbucht nach der anderen auftaucht. Praia de Dona Ana, Praia do Camilo, Ponta da Piedade – einfach grandios.

Rückreise über Granada

Es wird Zeit, wieder die Heimat anzusteuern. Auf der Autobahn im Hinterland fahren wir meist einsam Richtung Granada dahin. Strahlend blauer Himmel – die Vorfreude auf Granada steigt. Dann Ernüchterung: Der Campingplatz liegt noch im Winterschlaf; zudem ist es um Granada grau und diesig – nichts da mit strahlend weiß leuchtender Sierra Nevada. Wir hängen spontan die für morgen geplante Etappe nach Sagunt dran. Der uns vom Hinweg bekannte Campingplatz wird bei der Ankunft schon geschlossen sein, aber nebenan, in Almenara, war ein schöner Stellplatz, den wir nach über 1.000 Kilometern im Dunkeln erreichen. Insgesamt werden es 6.921 Kilometer, bis wir nach weiteren Übernachtungen auf dem Campingplatz Les Peupliers bei Béziers und in Luxemburg wieder zu Hause ankommen.

Die Stellplätze entlang der Spanien-Portugal-Route

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