Hier in der Region Sydney erleben wir gerade einen der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Seit Wochen haben wir immer wieder Temperaturen, die die 40 Grad (knapp) übersteigen. Nordwestlich von Sydney, in der Gegend um Wanaaring, an der Grenze zu Queensland, wurden am 13. Januar 46,9 Grad gemessen. An den Tagen davor und danach war es kaum kühler. Es müsste eine Möglichkeit geben, Euch 10 bis 15 Grad davon nach Deutschland zu schicken. ;-)

Von australischen Rekordtemperaturen sind wir damit allerdings noch ein ganzes Stück entfernt. Im Bundesstaat Südaustralien gibt es einen Ort, der früher mal eine wichtige Bahnstation war, sich heute, nachdem die Bahnlinie verlegt wurde, aber selbst "The Asshole of South Australia" nennt. Der Ort trägt den wunderschönen Namen Ooodnadatta, hat 167 Einwohner, eine Tankstelle mit Werkstatt, zwei kleine Hotels, einen Laden mit Restaurant, darin ein Postamt und das Nest im Nirgendwo hat sogar eine eigene Postleitzahl (5734). In Ooodnadatta lag die Temperatur an einem Tag im Januar 1960 bei 50,7 Grad. Natürlich gemessen im Schatten.

Heiß und trocken: das ideale Klima für Buschbrände – sollte man denken. Doch anders als in Chile sind hier im Bundesstaat New South Wales (NSW) bis jetzt die ganz großen Feuer ausgeblieben. Kleinere Brände gab es hin und wieder, doch sie konnten immer relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Auch in Deutschland sollte man wissen: Buschbrände sind ganz normal

Ein solches Unglück gab es noch nie. Kann es noch aufgeklärt werden?

Als deutscher Journalist in Australien habe ich manchmal den Eindruck, dass Buschbrände für die Heimatredaktionen das größte und interessanteste Thema sind. Oft ist es ausgesprochen schwer, den Redakteuren in Berlin, Hamburg oder Köln zu vermitteln, dass diese Brände nicht nur völlig normal sondern sogar sehr wichtig sind.

Der brennende Busch oder Wald gehört zur Natur Australiens wie Kängurus und Koalas. Wombats und Dingos. Diese Feuer kommen regelmäßig vor und jeder weiß, wie verheerend sie sein können. Doch ganz ohne Brände würden zum Beispiel die Eukalyptuswälder gar nicht überleben. Die harten Samenkapseln brauchen große Hitze um aufzuplatzen.

Auch Journalisten müssen lernen, Buschfeuer richtig einzuschätzen

Trotz des Wissens, dass es ohne Buschbrände nicht geht, gibt es immer wieder Menschen, die völlig unvorbereitet getroffen werden. Vor Kurzem haben wir erfahren, dass nicht nur die Bewohner von gefährdeten Gebieten Vorsorge treffen müssen – auch Journalisten, die über Buschbrände berichten, sind dazu verpflichtet.

Marion, unsere Kamerafrau, und ich waren zum Medien-Training beim RFS (Rural Fire Service) hier in Sydney. Ohne dieses Training und den abschließenden Test gibt es keinen Zugang zu Gebieten, in denen es brennt.

So wenige Menschen sterben wirklich durch gefährliche Tiere.

Obwohl ich vor Jahrzehnten mal einen Intensivkurs bei der Feuerwehr in München gemacht habe, war hier jede Menge Neues zu lernen. Wir wissen nun, wie man sich verhalten sollte, wenn man in einem Gebäude, im Auto oder zu Fuß unterwegs ist – doch das war nicht wirklich neu für uns. Dass es bei Buschfeuern viele Todesopfer durch den Rauch, die Hitze oder den Mangel an Sauerstoff gibt, das war klar. Todesursache Nummer eins aber bleibt der Herzinfarkt, verursacht durch Stress und Panik.

Für uns war da allerdings noch etwas, das getan werden musste: wir brauchten unser PPE (Personal Protective Equipment – Schutzkleidung). Selbst mit unserer RFS-Pressekarte können wir keine Berichte aus erster Hand und vor Ort produzieren, wenn die richtige Schutzkleidung fehlt.

Zumindest wir sind jetzt präpariert, wenn die Redaktion in Deutschland einmal mehr ein Buschfeuer für die "wichtigste Sache Australiens" hält.

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Buschfeuer in Australien

Buschfeuer sind in Australien wichtig für die Natur und können trotzdem gefährlich sein.
Blogger Dieter Herrmann

Beruflich ist Dieter Herrmann immer wieder in Kriegs- und Krisengebieten als Ausbilder unterwegs. Privat will er es jetzt etwas ruhiger angehen und lebt deshalb seit einiger Zeit in Australien und berichtet aus der Region. Im Blog schreibt er auch über seine Erlebnisse auf Reisen.