Erfurt (dpa/th) - Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat angekündigt, dass die Polizei trotz der Corona-Krise den Straßenverkehr weiterhin kontrollieren will.

Mehr News aus Thüringen finden Sie hier

Zwar sei die Polizei durch die Pandemie besonders belastet, sagte Maier am Freitag in Erfurt bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für 2019. Dennoch werde sich die Landespolizei nicht zurückziehen. "Es finden weiter Verkehrskontrollen statt und auch Verkehrsüberwachung", sagte Maier. Auf großangelegte Verkehrskontrollen werde die Polizei allerdings wahrscheinlich erst einmal verzichten.

Zudem werde die Corona-Krise sicher auch Einfluss auf die Entwicklung der Unfallzahlen in den nächsten Wochen und Monaten haben, sagte Maier. Der Verkehr auf den Straßen habe deutlich abgenommen. Wenn er von seiner Wohnung ins Ministerium fahre, dann "kommt es mir vor, als wäre es Wochenende", sagte Maier. Auch seien deutlich weniger Fahrzeuge der Logistikbranche unterwegs. "Wir als Transitland merken das natürlich, das wird sich unweigerlich in der Statistik niederschlagen."

Maier sagte, die wesentlichen Kennzahlen der Unfallstatistik für das vergangene Jahr hätten sich positiv entwickelt. So sei zum Beispiel die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten auf den niedrigsten Stand seit Beginn der landesweiten Unfallstatistik im Jahr 1992 gefallen: 2019 kamen 92 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im Vorjahr waren es noch 100 Menschen.

Auch die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Thüringen ist der Statistik nach rückläufig: Die Polizei registrierte 2019 insgesamt 55 790 Verkehrsunfälle. Das seien 701 Unfälle weniger als 2018, was einem Rückgang dieser Zahl um 1,2 Prozent innerhalb eines Jahres entspreche. Auch in einem mittelfristigen Vergleich sind die Unfallzahlen 2019 damit niedrig: Sie liegen nach Angaben des Innenministeriums unter dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre

Allerdings sind in einzelnen Teilbereichen der Unfallstatistik auch unerfreuliche Tendenzen zu beobachten. So sind 2019 deutlich mehr junge Autofahrer in Unfälle verwickelt worden. Bei 1065 Unfällen im vergangenen Jahr seien Fahrer im Alter zwischen 18 und 25 beteiligt gewesen, heißt es in der Statistik. Das entspreche einem Anstieg von fast 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Zahl der durch Fahrer in dieser Altersgruppe verursachten Unfälle habe von 2018 auf 2019 um 4,8 Prozent zugenommen. "Diese Altersklasse ist im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil weiterhin überproportional am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt", hieß es dazu aus dem Innenministerium. Maier appellierte, an alle jungen Auto- und Motorradfahrer, sich im Straßenverkehr respekt- und rücksichtsvoll zu verhalten.

"So wie der Verkehr immer dichter und komplexer wird, müssen wir umso besonnener und vorausschauender daran teilnehmen, es werden nicht weniger Verkehrsteilnehmer auf unseren Straßen", sagte Maier. Warum so viel mehr junge Menschen als zuvor im Straßenverkehr in Unfälle verwickelt waren, blieb zunächst unklar. Man wolle in den nächsten Wochen hierzu Ursachenforschung betreiben, hieß es.

Autofahrer, die zu schnell unterwegs seien verursachen den Zahlen nach noch immer die meisten Unfälle. Maier sagte, die Statistik zeige zudem auch, dass die Mehrzahl der Unfälle mit Fahrradfahrern von den Zweiradfahrern selbst verschuldet worden seien. Verkehrssicherheit sei aufgrund dieser und ähnlicher Befunde ein Dauerthema in der Gesellschaft. "Kein Menschenleben darf durch Unachtsamkeit und Respektlosigkeit im Straßenverkehr gefährdet werden", sagte Maier.  © dpa

Nachrichten aus anderen Regionen

Bei der Arbeit auf einem Dach eines Reiterhofs ist ein Mann in Nordhausen etwa vier Meter in die Tiefe gestürzt.

Der Vorschlag der SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken für eine einmalige Vermögensabgabe zur Finanzierung der Corona-Folgen ist bei Parteikollegen im Thüringer Landtag auf offene Ohren gestoßen.