Prag/Dresden (dpa/sn) - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat dem verstorbenen tschechischen Holocaust-Überlebenden und Physiker Felix Kolmer als Vorbild im Einsatz für Demokratie und gegen Rechtsextremismus gedacht.

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Der tschechische Physikprofessor habe die Hölle von Auschwitz überlebt und sein Leben lang gegen das Vergessen der NS-Verbrechen geworben, teilte der CDU-Politiker am Samstag mit.

Am Freitag hatte das Internationale Auschwitz-Komitee den Tod des 100-Jährigen Kolmer mitgeteilt. "Vor allem in sächsischen Schulen war er häufig zu Gast, berichtete von seinen furchtbaren Erfahrungen und lehrte Humanität und historische Verantwortung", betonte Kretschmer. Dafür war Kolmer 2018 mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt worden.

Kolmer wurde am 3. Mai 1922 in eine assimilierte jüdische Familie in Prag geboren. Die deutschen Besatzer deportierten den jungen Tischlerlehrling 1941 als Teil des sogenannten Aufbaukommandos ins Ghetto Theresienstadt. Seine Mutter starb dort. In Terezin entdeckte Kolmer nach eigener Aussage einen Fluchtweg, nutzte ihn aber nicht selbst, um zu entkommen. Stattdessen gab er sein Wissen an Mitgefangene weiter. 1944 kam er ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo er auf einen Zug ins Außenlager Friedland des KZ Gross-Rosen aufsprang. Dort erlebte er das Kriegsende.

"Morde kann man nicht verzeihen", sagte Kolmer einmal rückblickend. Nach dem Krieg fand er seine Frau Liana wieder, die er in Theresienstadt geheiratet hatte. Er studierte und wurde zu einem anerkannten Experten auf dem Gebiet der Akustik. Er veröffentlichte rund 200 wissenschaftliche Aufsätze und Bücher. Von 1982 bis 2017 lehrte Kolmer als Professor der Abteilung für Tontechnik an der Prager Filmhochschule FAMU.

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