Autohaus statt Fachwerk-Gutshof? Bisher steht das so in den Plänen für das Grundstück in Linde. Der große Kfz-Betrieb Luchtenberg will die Enge der Innenstadt verlassen – was schräg gegenüber des Rathauses ganz neue Möglichkeiten eröffnen würde.

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Aber: Auf dem erworbenen Grundstück, das im Prinzip die natürliche Erweiterung des Gewerbegebiets Linde/Irlen ist, steht ein Fachwerk-Ensemble, über dessen historischen Wert schon länger debattiert wird. Am Donnerstagabend auch wieder im Burscheider Stadtrat.

Die Quellenlage ist nämlich nicht eindeutig. Vom Landschaftsverband Rheinland gibt es Stellungnahmen, die Spielraum für Interpretationen lassen: Der Gutshof Linde sei "aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutend für die Geschichte des Menschen". Aber das reicht nicht, ihn zum Denkmal zu machen.

Denkmalschutz ist ein harter Eingriff

Warum, erklärte Marc Baack den Politikern: Wird ein Haus unter Schutz gestellt, berührt das die Rechte des Eigentümers. Das könne man nicht einfach so machen, betonte der Zweite Mann in der Stadtverwaltung. Das, was die Denkmalexperten des LVR bisher sicher sagen können zu dem Hof, der tatsächlich aus den späten 1930er-Jahren stammt, reicht also nicht.

Was man weiß: Dass die Bauherren aus der in Burscheid alteingesessenen Familie Oskar und Walter Pott einen Ersatzbau haben wollten für einen Hof, der Ende 1936 in Kretzheide abgebrochen worden war. Offenbar, um Platz zu schaffen für die heutige Autobahn 1. Tatsächlich sieht der Gutshof Linde aus, als sei er viel älter. Fachwerkbau und Gestaltung des mehrteiligen Gehöfts waren zu seiner Bauzeit nicht mehr üblich.

Interessant ist, was möglicherweise aus dem alten Hof in Kretzheide in das neue Haus eingebaut wurde. Wahrscheinlich mindestens eine Eingangstür – aber was noch? Aufschluss darüber könnten Akten geben, die indes in Berlin liegen. Der Landschaftsverband will dort weitere Nachforschungen anstellen, um – womöglich Ende August – zu einem klaren Urteil zu kommen, das die Frage endgültig beantwortet: Ist der Gutshof Linde ein Denkmal oder nicht?

Unterdessen bestehe keine Gefahr, versicherte Marc Baack: Mit dem Besitzer sei abgemacht: "Bis dahin wird nichts abgerissen." An einer Baugenehmigung für das neue Autohaus Lichtenberg könne also weitergearbeitet werden.

Lüdorf-Haus stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert

Eindeutiger ist die Lage beim "Lüdorf-Haus". Das Fachwerkhaus in der Höhestraße 20 sei Anfang Februar von den Denkmalschützern der Stadt begutachtet und dokumentiert worden, heißt es in einem Bericht der Stadtverwaltung. Die Materialsammlung sei – ergänzt um die Bauakten - dem Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband vorgelegt worden. Schon zwei Tage später sei "eine starke Denkmalvermutung für das Gebäude" geäußert worden. Das Lüdorf-Haus sei "ein zeittypisches Beispiel heimatgebundenen Bauens der 1910er Jahre". Es stehe "im Kontext mit der Heimatschutzbewegung, initiiert ab 1904 mit der Gründung des Deutsche Bund Heimatschutz". Das Haus in der Höhestraße sei "in einem insgesamt guten und anschaulichen Erhaltungszustand überliefert", heißt es vom Landschaftsverband.

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Daraufhin habe die Stadt dem Eigentümer am 21. Februar mitgeteilt, dass sein Haus vorläufig unter Denkmalschutz kommt. Fünf Wochen später hätten sich Vertreter der Stadtverwaltung und des Landschaftsverbands mit dem Eigentümer im "Lüdorf-Haus" getroffen. "Hier hat sich der Eindruck einer Denkmalschutzwürdigkeit noch einmal bestätigt."

Was jetzt noch fehlt, ist ein Fachgutachten, in dem erläutert wird, warum das Gebäude ein Denkmal ist. Es soll früh genug vorliegen, um das Fachwerkhaus endgültig in die Denkmalliste einzutragen.   © Kölner Stadt-Anzeiger

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