Wenn Doris und Dieter Bertram aus Lorbach an diesem Donnerstag ihre eiserne Hochzeit feiern, dann können sie auf ein langes, erfülltes Eheleben zurückblicken.

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Kennengelernt hat sich das Paar am Neujahrsabend 1956 in Aalfang im Hunsrück. Während Doris Bertram 1945 mit ihren Eltern vor der heranrückenden russischen Front aus Schlesien geflohen war, hatte Dieter Bertram dort seine erste Stelle als Wildmeister angetreten und war für zwei Jagdreviere zuständig. Für beide war das Kennenlernen so eindrücklich, dass sie heute noch genau davon berichten können.

Ich war so verliebt, ich konnte nicht schlafen und nichts essen.

Dieter Bertram

Zum ersten Mal überhaupt durfte die 17-Jährige ausgehen. Gegen 22 Uhr wollte sie sich beim Tanzabend in Thalfang an der Garderobe ihren Mantel holen, da sie nach Hause gehen musste. Dort begegnete sie Dieter Bertram, der seinen Hut suchte. "Wir waren dann noch eine Stunde zusammen und haben auch noch einmal getanzt", erzählt sie.

Er ließ den letzten Bus, der ihn nach Hause gebracht hätte, davonfahren und blieb lieber bei seiner neuen Bekanntschaft. Er brachte sie nach Hause, wo die Mutter bereits auf sie wartete, und machte sich dann auf den rund zehn Kilometer langen Fußmarsch nach Hause.

"Ich war so verliebt, ich konnte nicht schlafen und nichts essen", so schwärmt er heute noch von seiner Liebe. Doch das Kennenlernen war zaghaft: Ein Jahr lang, berichten die beiden, haben sie sich noch gesiezt.

Für seine spätere Frau nahm Dieter Bertram einen langen Fußweg in Kauf

1959 heiratete das Paar in der Wallfahrtskirche in Neviges. Doris Bertram arbeitete im Vorzimmer von Gerhard Bornefeld-Ettmann, Direktor der Hochwald-Milchwerke in Thalfang, zu dem die Bauern damals die Milch noch mit ihren Pferdegespannen lieferten. Für Dieter Bertram ging es zur nächsten Stelle auf einen Einödhof in Niederemmel im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Mit dabei war eine kleine Landwirtschaft mit Kuh Rosa und zehn Hektar Land.

"Ich bin dann zu einem Bauern gegangen, um dort das Melken zu lernen", so Doris Bertram. Auch das Buttern und Heu machen gehörte zu den Aufgaben. "Im Winter waren wir oft acht bis zehn Tage eingeschneit", berichtet ihr Mann. Auch das Telefon habe bei Stürmen nicht funktioniert.

Hier wuchs die älteste Tochter des Paares auf. Doch als sie schulpflichtig wurde, musste die Familie den Hof verlassen. In Kommern war die nächste Stelle für den Berufsjäger Dieter Bertram, der sich dort für die August-Thyssen-Hütte um das Wild kümmerte. Bis in die 1980er-Jahre lebte die mittlerweile um zwei Söhne gewachsene Familie in einem Haus gegenüber dem Eingang zum Freilichtmuseum.

Der Weg nach Lorbach führte das Jubelpaar auch über Kommern

Als das Revier aufgegeben wurde, siedelten die Bertrams ins Sauerland über, wo er bei der Forstverwaltung des Ruhrverbands für Wildbestand, Ökologie und Naturschutz zuständig war. Eine Herzensaufgabe für den passionierten Naturfreund: "Ich konnte Bachtäler renaturieren und auch ein Projekt zum Schutz einer Restpopulation des Auerwildes ins Leben rufen." Bis heute ist er in der "Gesellschaft zur Erhaltung der Raufußhühner" aktiv.

Nach der Pensionierung ging es zurück in die Eifel. "Ich würde mir keinen Platz vorstellen, wo ich lieber leben würde", sagt Dieter Bertram. 1998 zogen sie in das alte Fachwerkhaus im Mechernicher Ortsteil Lorbach, das Doris Bertram in ihrer Kommerner Zeit liebevoll und mit viel persönlichem Einsatz renoviert hat.

"Das war das hässliche Entlein", sagt Dieter Bertram, wenn er sich daran erinnert, wie er bei der ersten Besichtigung nicht aus dem Auto steigen wollte, so heruntergekommen sei der Winkelhof gewesen. Verliebt habe er sich in ihn, als er bemerkt habe, dass es von der Rückseite einen Blick bis in die Kölner Bucht gibt. "Jetzt ist das ein Schmuckstück."

Natur und Wild liegen dem Jubilar sehr am Herzen

Ihre Familie, der Garten und Pflanzen seien ihre Hobbys, sagt Doris – vor allem aber ihr Mann und die Unterstützung seiner vielfältigen Betätigungen "mit allem, was mit Maschinen und Computern zu tun hat". So ist er noch in verschiedenen Organisationen aktiv, etwa dem Bundesverband Deutscher Berufsjäger, dem Verein hirschgerechter Jäger und dem Forum lebendige Jagdkultur.

Auch ist er Mitherausgeber des Zeitschrift "Der Wildhüter". Als "Anwalt des Wildes" habe ihn sein Berufsverband mit der höchsten Auszeichnung ausgestattet, verrät er stolz. "Mein oberstes Anliegen war immer, mich für die Natur und das Wild einzusetzen", betont er.

Noch heute sieht Dieter Bertram seine Frau Doris so glücklich an, wie an jedem Neujahrsabend vor 68 Jahren. Es habe nicht nur blauen Himmel gegeben, sondern auch dunkle Wolken mit finanziellen Engpässen. Aber sie hätten in der Ehe eine wunderbare Zeit erlebt.

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"Wir waren auch bei finanziellen Entbehrungen glücklich", betont Dieter Bertram. Wenn er an einem kalten Wintermorgen aus dem Revier gekommen sei und eine dünne Rauchfahne aus dem Kamin steigen sah, habe er Wärme, Geborgenheit und Partnerschaft empfunden – Gefühle, die so alt seien wie die Menschheit.  © Kölner Stadt-Anzeiger

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