Das Wiehler Zentrum und der Wiehlpark erstrahlen nach dem Isek-Umbau in neuem Glanz. Um so schmerzlicher fallen zwei auffällige Schönheitsfehler ins Auge: das Hotel Platte einerseits, der Pro-Markt-Komplex andererseits.

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Beide Immobilien stehen schon lange leer und erfüllen derzeit keinen anderen Zweck als die Verschandelung des Stadtbilds. Bürgermeister Ulrich Stücker arbeitet an Lösungen für das Doppelproblem.

Dem Abriss des Hotels und einer Neubebauung des Platte-Grundstücks steht bekanntlich ein Rechtsstreit im Weg. Die Investoren Jens Kleemann und Nico Burgmer beharren auf der Realisierung ihrer ursprünglichen Pläne für ein modernes, dreieinhalbgeschossiges Haus mit Büroflächen im Erdgeschoss und darüber zirka zwölf Wohnungen. Rat und Verwaltung halten diesen Entwurf für zu wuchtig.

Kölner Gerichtsentscheidung ist nicht absehbar

Im November hat der Stadtrat mit großer Mehrheit einen Bebauungsplan für das Areal "Im Weiher" beschlossen, der mit Festsetzungen verbunden ist, die einen Neubau, wie ihn die Investorengruppe geplant hat, unmöglich machen. Wann das Verwaltungsgericht über deren Klage entscheidet, ist ungewiss.

Bürgermeister Stücker hat nun erneut den Kontakt zu den Investoren gesucht. Er hofft, dass diese es selbst leid geworden sind, dass ihr mit Bauzäunen gesichertes Eigentum, an dem noch uralte Transparente auf ein Impfzentrum hinweisen, als Schandfleck wahrgenommen wird. Burgmers Architekturbüro liegt direkt gegenüber.

Stücker berichtet: "Ich habe in einem Schreiben noch einmal an die Investoren appelliert, dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen." Und sei es nur provisorisch: So könnten die Eigentümer wenigstens die Transparente entfernen, schlägt Stücker vor. Und bis der Rechtsstreit geklärt ist, könnte man gemeinsam eine Zwischenlösung für die Nutzung des Hauses finden, gegebenenfalls mit finanzieller Unterstützung der Stadt.

Stadt Wiehl lässt giftigen Boden austauschen

Beim Pro-Markt-Gelände hat es die Stadt als Eigentümerin selbst in der Hand. Die Ausschreibung für den Abriss der alten Hallen und die Sanierung des Bodens geht bald raus. Da auf dem Gelände einst eine Bleischmelze betrieben wurde, ist ein größerer Bodenaustausch notwendig. Mitte November sollen die Arbeiten starten. Danach könnte das Gelände bis auf Weiteres als Parkplatz genutzt werden, erwägt man in der Stadtverwaltung.

Denn bis dort das geplante "Seequartier" entsteht, sind noch einige Vorarbeiten zu erledigen. Vorgesehen ist eine zwei- bis viergeschossige Bebauung mit Wohnhäusern. Es wird aber auch Dienstleistungs- und Gewerbeeinheiten geben. Derzeit arbeitet das Kölner Planung MUST an der Rahmenplanung, die maßgeblich ist für die Konzeptvergabe an einen Investor. So wird ein Höhenmodell des Plangebiets erstellt, um das Seequartier mit Retentionsflächen auszustatten, die die Gebäude hochwassersicher machen.

Zum Modellcharakter des Seequartiers gehört die Wärmeversorgung. Im Konzept, das die Stadt mit der Aggerenergie und der Uni Wuppertal erarbeitet hat, wird die Nutzung des Kanals mithilfe eines Abwasserwärmetauschers erwogen.

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Wenn der Rahmenplan demnächst vorliegt, will der Bürgermeister im Herbst den Blick auf die Wirtschaftlichkeit der Bebauung richten. In welchem Maß sollen die hohen Kosten der Erschließung beim Verkauf refinanziert werden? "Ich habe immer gesagt, dass wir dieses Projekt nicht nur unter dem Aspekt der Rendite betrachten dürfen", sagt Stücker. "Es geht vor allem um eine gute städtebauliche Lösung." Im kommenden Jahr soll der Bebauungsplan beschlussreif sein. Danach werden Investoren angesprochen und auf dem Weg der Konzeptvergabe für das Seequartier begeistert. Ulrich Stücker freut sich: "Jetzt kommt Bewegung in das Projekt."  © Kölner Stadt-Anzeiger

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