Frankfurter Fanzone: Die Malteser haben die Gesundheit der Besucher der Fanzone im Blick. Dabei sind die Einsätze nicht die größte Herausforderung.

Mehr News aus Hessen finden Sie hier

Jeden Tag von 13 Uhr bis nach Mitternacht gehen die Sanitäter der Malteser die Fanzone am Frankfurter Mainufer auf und ab, behandeln und betreuen Verletzte und Erkrankte. Manchmal helfen sie auch einfach nur dabei, den richtigen Weg zu finden. Jan Coutandin beginnt an diesem späten Dienstagnachmittag, an dem noch immer 30 Grad in der Frankfurter Innenstadt herrschen, seinen zweiten Dienst für die Malteser in dieser Woche. Er ist einer von insgesamt 785 Einsatzkräften, die für die Gesundheit der Besucher sorgen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Mario Dietrich geht er von der Untermainbrücke bis zum "Big Screen" in Höhe der Friedensbrücke den Weg der Fanzone entlang. Mit strammen Schritten bahnen sich die beiden ihren Weg durch die Menschen und haben stets im Blick, ob jemand Hilfe brauchen könnte. Aber allen scheint es gut zu gehen, trotz drückender Hitze.

31 Tage lang jeden Tag jede einzelne Schicht zu besetzen sei eine kleine Herausforderung, sagt David Vowinkel, Leiter des Sanitätsdiensts der Frankfurter Malteser. Glücklicherweise könne die katholische Hilfsorganisation die Arbeit auf "verschiedene Schultern verteilen". Unterstützt wird der Malteser Hilfsdienst, der als Generalunternehmer für den Sanitätsdienst zuständig ist, vom Arbeiter Samariter Bund, dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter Unfallhilfe. Auf dem Wasser stehen die Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft bereit. "Allein könnten wir das gar nicht machen."

Zusammenarbeit "auf Augenhöhe"

Herausfordernd sei auch die Organisation der Infrastruktur wie etwa die Toilettenversorgung gewesen. Bereits im vergangenen Jahr habe man Ressourcen für den Zeitraum der Europameisterschaft geblockt, die richtige Planung habe dann im Februar begonnen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Stellen wie etwa der Stadt Frankfurt, Feuerwehr, Polizei und dem Veranstalter funktioniere "reibungslos" und "auf Augenhöhe", sagt Vowinkel.

In Spitzenzeiten, wie etwa bei Deutschlandspielen, bei denen sich bis zu 30.000 Besucher in der Fanzone aufhielten, seien bis zu 43 Einsatzkräfte gleichzeitig im Dienst gewesen. Wie viele Sanitäter täglich wann und wo genau gebraucht werden, lasse sich aber nicht genau planen. "Das ist eine atmende Einsatzdynamik", erklärt Vowinkel. Auch wegen möglicher Terroranschläge seien die Malteser im Rahmen des Katastrophenschutzes immer in Rufbereitschaft, aber konkret habe man sich nicht auf einen Anschlag vorbereitet. Es bestehe keine konkrete Gefahr, es herrsche derzeit während der Europameisterschaft vielmehr ein "allgemeines Risiko".

Keine Alkoholprobleme, keine Gewaltexzesse

Nicht alle Einsatzkräfte laufen bei ihren Rundgängen immer die gleiche Strecke ab. Die 1,4 Kilometer lange Fanzone am Mainufer sei in mehrere Sektoren aufgeteilt, sagt Vowinkel. So könnten die verschiedenen Ressourcen der Einsatzkräfte besser aufgeteilt werden – und für die Helfer sei es abwechslungsreicher und somit interessanter. Die Patrouillen dienen den Sanitätern nicht nur dazu, Verletzte frühzeitig zu entdecken und schnell handeln zu können. "Wir zeigen auch Präsenz durch unser Herumlaufen. So können wir auch Menschen helfen, die sonst eher nicht zu uns kommen, zum Beispiel wenn jemand einen Kühlpack braucht", erklärt der 19 Jahre alte Dietrich.

Wie viele Patienten genau die Malteser und die anderen Hilfsorganisationen auf der Fanzone bislang behandelt haben, kann Vowinkel nicht sagen. Auch ein Muster sei nicht erkennbar. "Wir haben hier die komplette Bandbreite an Vorfällen: Pflaster kleben, Zecken ziehen, aber auch Bewusstlosigkeit." Anders als es oft im Stadion der Fall sei, habe es auf der Fanzone keinen besonderen Alkoholkonsum oder Vorfälle wegen Gewalt gegeben. "Man hat den Eindruck, die Menschen hier wollen wirklich einfach nur den Fußball genießen." Das findet auch Coutandin: "Es ist total cool, dass die Fans auch abseits der Spiele so eine tolle Stimmung machen." Er selbst habe während seiner Dienste auch ein paar Spiele mitverfolgen können.

Keine ernsthaften Vorfälle

David Vowinkel hatte erwartet, dass die Einsätze auf der Fanzone weitestgehend friedlich und ereignislos ablaufen würden. "Umso erfreuter bin ich natürlich, dass es auch wirklich so gekommen ist." Diese Erfahrungen wolle er für die nächsten Veranstaltungen wie etwa das Museumsuferfest am letzten Augustwochenende mitnehmen.

Coutandin und Dietrich beenden ihren Rundgang an der Unfallhilfestelle 1, eine den Hilfsorganisationen vorbehaltene Fläche mit klimatisierten Containern, in denen Verletzte behandelt werden, sich ausruhen oder auch ausnüchtern können. Auch Notfallpatienten können hier aufgenommen und erstversorgt werden, bis ein Rettungswagen sie in ein Krankenhaus bringt. Doch das sei bislang kaum nötig gewesen, sagt Dietrich.

Interessieren Sie die Artikel der F.A.Z.?
Uneingeschränkter Zugriff auf diesen und alle weiteren zahlungspflichtigen F+ Inhalte auf FAZ.NET. Jetzt Abo abschließen.

Zwar hätte es viele Zuschauer mit Kreislaufkollaps gegeben, aber nichts sei besonders schlimm gewesen. "Wir haben mehr Pflaster geklebt, als ernsthafte Verletzungen behandeln müssen", sagt Coutandin. "Alles ganz normal", fasst Mario Dietrich die vergangenen Wochen zusammen und macht sich gemeinsam mit seinem Kollegen Coutandin auf zur zweiten Patrouille an diesem Abend. Es werden noch einige folgen.  © Frankfurter Allgemeine Zeitung

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.