Mütter leisten Großes, ohne viel darüber nachzudenken. Eines vergessen sie dabei leicht, das aber entscheidend fürs Familienleben ist: sich selbst. Den Muttertag sollten wir deshalb zum "Tag der Selbstfürsorge" erklären, schlägt eine Familientherapeutin vor. Wie das aussehen kann und warum die ganze Familie davon profitiert.

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"Weil Gott nicht alles allein machen und nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter", lautet eine arabische Weisheit, in der viel Wahrheit steckt. Wer das leistet, was Mütter leisten, darf eines nicht vergessen: auf sich selbst zu achten. Wie man den Muttertag dafür nutzen kann und warum Selbstfürsorge sogar notwendig ist, erklärt die Münchner Paar- und Familientherapeutin Anette Frankenberger im Interview mit unserer Redaktion.

Sie haben selbst zwei erwachsene Kinder. Wenn Sie noch mal von vorne anfangen könnten: Was würden Sie anders machen?

Anette Frankenberger: Ich würde mehr auf mich selbst achten und auf meine Partnerschaft. Eltern neigen dazu, sich zu vernachlässigen. Beispiel Schokolade: Wenn Sie als Mutter ein Stück in der Hand haben und ihre Kinder sehen es: Dann war das wohl die längste Zeit Ihre Schokolade! Dabei ist ein gewisser elterlicher Egoismus doch wichtig.

Mütter sollten mehr an sich selbst denken?

Sie haben enorme Ansprüche an sich selbst. Das erlebe ich tagtäglich in meiner Praxis. Mütter haben ein Bild davon, was perfekt ist. Dieser Perfektion kann ich ein Leben lang nur nachrennen, aber ich kann sie nie erreichen. Es ist wichtig, sich klar zu machen: Wo es um Familie und Kindererziehung geht, ist "gut genug" oft wirklich gut genug. Wenn ich schon auf dem Zahnfleisch gehe, bin ich auch den anderen keine Hilfe mehr. Die Bedürftigkeit der Kinder ist dann nur noch eine Last. Je ausgeruhter ich bin, desto gelassener und liebevoller kann ich sein. Ich würde deshalb den Muttertag zum "Selbstfürsorge-Tag" erklären. Selbstfürsorge ist nicht nur einfach etwas Schönes, sondern eine notwendige Grundlage für das Familienleben: Ich kann mich nur dann gut um andere kümmern, wenn ich selbst gut versorgt bin.

Liste schreiben: "Was ich liebe"

Wie kann ein Muttertag als "Tag der Selbstfürsorge" aussehen?
Tun Sie das, was Ihnen guttut! Ohne darauf zu warten, dass andere es für Sie tun - um dann am Ende enttäuscht zu sein. Machen Sie sich selbst eine Freude: Blumen kaufen, mit der Freundin spazieren gehen. Fragen Sie sich: Was ist mir wichtig? Allen Müttern würde ich hierbei raten: Schreiben Sie eine Liste mit den Dingen, die Sie gerne machen. Ich nenne sie immer die "Was ich liebe"-Liste: Halten sie die Dinge fest, die Sie mit allen Sinnen genießen. Was tun, riechen, fühlen, hören und sehen Sie gerne? Werden Sie dabei möglichst konkret: Welche Schokolade? Welche Musik?

Da denken viele wahrscheinlich an ein kinderfreies Wellness-Wochenende ...

... aber nicht an den organisatorischen Aufwand, der damit verbunden ist, samt Kinderbetreuung! Mütter kommen meiner Erfahrung nach oft enttäuscht zurück, und der Alltag hat sie schnell wieder - das hilft wenig. Es sind - wie so oft - eher die kleinen Dinge inmitten dieses Alltags, kleine Fünf-Minuten-Aktionen, die ich mir gönne.

Schon das Schreiben so einer Liste klingt nach Freude!

Tatsächlich geht es zum einen darum, sich der Dinge, die man liebt, erst einmal so richtig bewusst zu werden. Bei vielen Frauen - und auch Männern - in meiner Praxis beobachte ich: Nach drei Punkten ist die Liste erst mal zu Ende. Sie wissen schon gar nicht mehr, was ihnen eigentlich guttut. Der zweite Schritt ist die Umsetzung. Dabei ist wichtig, diese Dinge bewusst wahrzunehmen: Erst wenn ich weiß, was mir wichtig ist - und dabei hilft die Liste - genieße ich es auch entsprechend, wenn ich es dann habe. Das Leben wird "kost-bar" im Sinne von: Ich koste davon - mit Genuss.

Solch eine Liste kann aber noch viel mehr auslösen: Eine Patientin von mir hängte sie an ihren Kühlschrank. Als ihre Söhne - acht und zehn Jahre alt - das sahen, schrieben sie ebenfalls ihre Listen und hängten sie daneben. Einer der Jungs kam dann mit Blümchen zu seiner Mama: "Ich habe auf deiner Liste gesehen, dass dir das Freude bereitet."

Was steht denn auf Ihrer "Was ich liebe"-Liste?

Ich liebe zum Beispiel Himbeermarmelade. Bei uns zu Hause sagen wir immer: "Ein Frühstückstisch ohne Himbeermarmelade ist kein Frühstückstisch". Es mag einem kindisch vorkommen. Aber Himbeermarmelade selber zu kochen und dann morgens zu essen, bereitet mir Freude. So etwas Kleines wahrzunehmen und bewusst zu genießen, reicht schon, um Kraft zu tanken. Für die eine ist es, sich Blumen zu kaufen. Für die andere, den Kaffee am Nachmittag in aller Ruhe zu trinken.

Und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen?

Unbedingt. Schlechtes Gewissen hält uns davon ab, gut für uns zu sorgen. Denken Sie an den Hinweis im Flugzeug: Eltern sollen sich die Sauerstoffmaske erst selbst aufsetzen, dann dem Kind. Wie wichtig die Selbstfürsorge ist, veranschaulicht für mich dieses fast 1000 Jahre alte Zitat des bedeutenden Mönches Bernard de Clairvaux:

  • "Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott.Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

Diese Schale aufzufüllen - heute würde man wahrscheinlich von "Akkus aufladen" sprechen: Viele Eltern sehnen sich gerade in der Corona-Zeit danach. Haben Sie für sie noch einen Rat?

Gerade jetzt die Selbstfürsorge im Blick haben. Eltern müssen nun besonders darauf achten: Was brauche ich? Ist der Schulstoff gerade wichtiger als der Haussegen? Oft läuft es mit dem Lernen wieder viel besser, wenn man einmal ein Stück zurückgetreten ist und gesagt hat: "Stopp! Das hatten wir uns doch ganz anders vorgestellt. Wie können wir es uns wieder schön machen?" Auch scheuen sich viele davor, die Kinder mithelfen zu lassen. Ich erlebe das in der Praxis sehr häufig: Mütter meinen, die Kinder damit nicht belasten zu dürfen. Vor Corona hieß es, die Kinder hätten so viele Termine - nun heißt es, die Kinder müssten sich um den Schulstoff kümmern.

Wäre jetzt eine gute Gelegenheit, die Kinder mehr in den Haushalt einzuspannen?

Ja! Erstens lernen sie so diese Tätigkeiten. Zweitens merken sie, dass das nicht nur der Job der Mutter ist. Das Familienleben gestalten alle zusammen! Denken Sie an Ihre eigenen Auszeiten: Wenn Ihnen ein Mittagsschlaf guttut, kündigen Sie den Kindern an, dass sie in einer halben Stunde wieder für sie da sind. Die Kinder lernen dann, dass sie sich darauf verlassen können - und dass ihre Mama den Tag besser meistert, wenn sie ausgeruht ist. Kinder profitieren von einer Mama, der es gut geht und die ihre Ressourcen kennt und pflegt. Das gilt selbstverständlich auch für Papas.

Und wir leben dem Kind zugleich etwas Wichtiges vor: Ausruhen ist wichtig und tut gut.

Eltern sind hier wirklich ein wichtiges Vorbild: Ich trinke meinen Tee nicht gehetzt, während ich tausend andere Sachen erledige, sondern mache es mir schön. Diese Langsamkeit, das Genießen und die Wertschätzung, von Dingen zu lernen, ist für Kinder wichtig. Das Recht, auch mal in Ruhe gelassen zu werden, haben Große wie Kleine.

Zur Person: Anette Frankenberger arbeitet als systemische Paar- und Familientherapeutin sowie Supervisorin seit 1994 in eigener Praxis. Seit 1989 ist sie als Dozentin in der Erwachsenenbildung und Erziehungsberatung tätig. Frankenberger hat zwei erwachsene Kinder.

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Liebe Mama, ich kann dir gar nicht oft genug "Danke" sagen

Am 10. Mai ist Muttertag! Der Tag, an dem man dem Menschen "Danke" sagt, dem man nie genug danken kann. Mit Blumen, mit Schokolade - und mit Worten. Teilen Sie dieses Video auf Facebook oder schicken Sie es ihrer Mutter per E-Mail oder WhatsApp. Denn ja, man wird ihr nie genug danken können!