So ernähren Sie sich richtig in der Schwangerschaft

Die Ernährung in der Schwangerschaft scheint gesäumt von Verboten. Gerade im Netz versammeln sich Weisheiten, die sich jedoch oft als haltlos erweisen. Wir verraten Ihnen, welche Regeln Sie dennoch während der Zeit freudiger Erwartung beachten sollten. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Apropos Gemüse: Bei rohem Gemüse, etwa in Salat, besteht eine Gefahr durch Bakterien, den sogenannten Listerien. Unbehandelt kann eine Listeriose-Infektion zu Fehl- und Frühgeburten führen oder dem Kind gesundheitlich schaden. Salate, Sprossen und Keimlinge sollten deshalb immer gründlich mit Wasser abgebraust werden.
Kein Alkohol, keine Zigaretten und auch keine anderen Drogen - das sollte selbstverständlich in jeder Schwangerschaft sein. Die Gifte der Stimmungsauflockerer können allesamt Fötus und Baby teils schwerwiegende Schäden zufügen.
Doch was ist in der frühen Phase, wenn die Schwangerschaft vielleicht noch gar nicht festgestellt wurde? Zumindest in den ersten 14 Tagen nach Befruchtung gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Haben Sie etwa mit übermäßigem Alkoholkonsum der Eizelle geschadet, stirbt diese ab, oft, ohne dass Sie es überhaupt merken. Wenn nicht, ist alles bestens.
Fisch ist ausdrücklich erlaubt und empfohlen - der Omega-3-Fettsäuren und Vitamine wegen. Allerdings muss er durchgegart sein. Das trifft auf viele Sushi-Sorten nicht zu, hier können sich Krankheitserreger wie Listerien tummeln. Ebenfalls besteht die Gefahr einer Toxoplasmose (Parasiten), durch Botulismus (Keime) oder durch Nematoden (Fadenwürmer).
Bei rohem Fleisch besteht ebenfalls Toxoplasmose-Gefahr. Auch wenn es so nicht wie gewohnt mundet: Ein Steak sollten Sie nur durchgebraten bestellen - oder eben vorerst darauf verzichten. Beim Frauenarzt kann man sich auf Toxoplasmose testen lassen. War man vor der Schwangerschaft schon mal infiziert, ist man übrigens davor sicher.
Vorsicht sollte man auch bei kaltgeräucherten Wurst- (Salami, Rohschinken oder Teewurst) sowie Fischwaren (Räucherlachs, Forellenfilets oder Salzheringe) walten lassen. Fragen Sie am besten das Fachpersonal hinter der Theke, ob Sie als Schwangere zugreifen dürfen oder nicht. Und im Zweifel, so schwer es auch fallen mag: lieber verzichten!
Auch das Frühstücksei sollte hart, also zehn statt sechs Minuten, gekocht sein. Ebenso gilt Vorsicht bei Speisen, die mit ungekochtem Ei angemacht wurden - häufig etwa Mayonnaise. Obendrein ist Rohmilch tabu. Hier sollten Sie auch die Käseverpackung genau studieren oder den Fachverkäufer ansprechen.
Zügeln sollten Sie zudem Ihren Lakritzkonsum (erhöhter Blutdruck), auch die Gewürze Gewürznelke, Petersilie und Zimt können in großen Mengen Wehen auslösen.
Frische Leber hat viel Vitamin A, was schädlich für das Kind sein kann. In Wildpilzen und Raubfischen wie dem Thunfisch können Rückstände etwa von Quecksilber vorhanden sein.
Nicht nur Fleisch- und Fischliebhaberinnen haben es schwer in der Schwangerschaft. Wenn Sie sich vegetarisch und vegan ernähren, stellt sich Ihnen schnell die Frage: Bekommt mein Kind über meine Ernährung alles, was es benötigt? Tatsächlich gibt es einige Nährstoffe, auf deren Zufuhr Sie nun besonders achten müssen.
So sollten Sie etwa Omega-3-Fettsäuren über Raps- oder Walnussöl zu sich nehmen, Eisen steckt in Hülsenfrüchten und in dunkelgrünem Gemüse. Zink gewinnt man über Nüsse, Körner, Gemüse und Soja-Produkte. Und Veganerinnen sollten zusätzlich auf ihre Kalziumzufuhr achten - etwa über Brokkoli oder Feigen.
Ein regelmäßiger Blut-Check kann Aufschluss darüber geben, ob Sie und Ihr Kind gut versorgt sind. Auf jeden Fall sollten Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt über Ihre Ernährungsgewohnheiten in Kenntnis setzen. Bei Mängeln empfehlen Ärzte häufig Ernährungsergänzungsmittel. Folsäure-Tabletten sind bei allen Schwangeren empfehlenswert.
Die Kaffeeliebhaberinnen unter Ihnen sollten sich in der Schwangerschaft etwas zügeln, doch zwei Tassen koffeinhaltiger Filterkaffee am Tag sind kein Problem. Das Gleiche gilt für Tee mit Teein und Softdrinks wie Cola. Mit einigen Energydrinks überschreiten Sie das Limit von 200 Milligramm Koffein pro Tag bereits nach wenigen Schlucken.
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