• Am Freitag fegte ein einzelner Tornado durch Lippstadt in NRW.
  • Wenn ein Tornado wütet, hinterlässt er oft eine Schneise der Zerstörung.
  • Wie entsteht ein Tornado überhaupt und kann ich mich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wetter aktuell: Unwetter-Warnungen und Tornado-Gefahr

Ein mutmaßlicher Tornado hat in Lippstadt (NRW) am Freitagnachmittag gegen 17.00 Uhr massive Schäden verursacht. Betroffen sei das gesamte Stadtgebiet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Dächer seien abgedeckt worden und Bäume auf Autos gestürzt. Es habe aber weder Tote noch - nach bisherigen Meldungen - Verletzte gegeben.

Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr.

Im Ortsteil Hellinghausen sei durch den Sturm die Spitze einer Kirche heruntergestürzt. Etwa 200 bis 300 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz. Die Lippstadter Feuerwehr werde dabei von Kräften mehrerer Nachbarorte unterstützt.

Auch in Paderborn hat das Unwetter große Schäden angerichtet. Es gebe nach ersten Erkenntnissen bis zu 40 Verletzte, sagte ein Feuerwehrsprecher am frühen Abend. Er berichtete von abgedeckten Dächern und entwurzelten Bäumen. Bäume seien auf Autos gestürzt, berichtete ein dpa-Reporter. "Hier ist gerade Chaos", sagte eine Polizeisprecherin.

Wie entsteht normalerweise ein Tornado?

In einer großen Gewitterwolke (Superzelle) steigt warme Luft spiralförmig nach oben. Dabei werden Drehbewegungen immer schneller, wie bei einem Eiskunstläufer, der eine Pirouette dreht. Schließlich wird an der Unterseite der Gewitterwolke eine Art Schlauch sichtbar.

Bekommt dieser Bodenkontakt, spricht man von einem Tornado und es wird gefährlich: Der Wirbelsturm kann schwere Schäden verursachen, besonders dann, wenn er über bewohntem Gebiet tobt.

Durch den Sog reißt der Schlauch alles nach oben, was ihm in den Weg kommt. Wird der Sturm schließlich wieder schwächer, fällt alles wieder nach unten und es drohen weitere Verwüstungen durch herumfliegende Trümmerteile.

Braucht es immer einer Superzelle für einen Tornado?

Nein, es gibt auch sogenannte Kaltluft-Tornados. "Das sind Tornados, die bilden sich in kalter Luft", erklärt der Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Andreas Friedrich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie können sich auch ohne Superzelle bilden. Die Ursache für Kaltluft-Tornados sind ausgeprägte Windscherungen - das heißt verschiedene Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen am Boden und in einem Kilometer Höhe. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und dann wie ein Rüssel aussieht.

Wie schützt man sich vor einem Tornado?

In einem Gebäude: Wer sich in einem festen Gebäude oder in dessen Nähe befindet, sollte sich schnellstmöglich in den Keller zurückziehen. Halten Sie Abstand von allen Türen und Fenstern. Kommen Sie nicht mehr in den Keller, suchen Sie - wenn möglich - einen fensterlosen Raum auf. Nur dort sind Sie vor Trümmerteilen sicher, die der Tornado aufwirbelt und die Fenster, Rollläden, sogar Garagen mit Stahltoren durchschlagen können.

Im Freien: Sind Sie im freien Gelände unterwegs und können dem Tornado weder ausweichen noch ein festes Gebäude erreichen, suchen Sie sich eine Mulde im Gelände. Legen Sie sich darin flach mit dem Gesicht nach unten hin. Die Mulde sollte so weit wie möglich entfernt sein von Häusern, Bäumen und Gegenständen, die der Tornado umwerfen und abheben lassen kann. Denn diese verwandeln sich in tödliche Geschosse.

Kann ich mein Haus gegen einen Tornado rüsten?

Die Zerstörungskraft von Tornados wird in der sogenannten Fujita-Skala erfasst. Selbst ein "kleiner" F1-Tornado weist bereits Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 km/h auf. Wenn das eigene Haus tatsächlich von solch einer Windhose getroffen wird, hat die bauliche Substanz der Naturgewalt kaum etwas entgegenzusetzen.

"Wenn es zu tatsächlichen Tornados kommt, dann hat im Moment die bauliche Infrastruktur keine Chance", erklärt Bauingenieur Norbert Gebbeken im Gespräch mit der dpa. Trotzdem gibt es Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise geklammerte Dachziegel, die vor allem bei heftigen Gewittern greifen.

Der wichtigste Rat von Experten ist daher Vorsorge: Gebrochene Dachziegel bieten dem Wind zusätzliche Angriffsfläche und sollten ersetzt werden, schwere Rollläden schützen Fenster zusätzlich und die Begrünung eines Flachdachs bringt mehr Gewicht und Halt, erläutert Gebbeken: "Es gibt viele kleine Dinge - ich muss nur die Augen und Ohren offenhalten und mich im Sturm fragen: Was klappert denn bei mir?"

Sollte es zum Schadensfall gekommen sein, sollten Betroffene die Schäden mit der Kamera dokumentieren und sich umgehend mit ihrem Versicherungsunternehmen in Verbindung setzen.

Wie oft kommen Tornados in Deutschland vor?

Die Sichtungen von Tornados haben laut DWD-Wetterexperte Friedrich in den letzten 30 bis 40 Jahren zugenommen. Jährlich würden im Schnitt zwischen 20 und 60 Tornados in Deutschland nachgewiesen.

Es gebe aber eine Dunkelziffer, da ein Teil der Tornados nicht erfasst werde. Mittelschwere Tornados der Stärke F2, wie nun in Großheide festgestellt, seien in Deutschland dagegen vergleichsweise selten, erklärt Friedrich - doch das könnte sich in Zukunft ändern.

"Wir werden in Zukunft viel mehr Trockenheit und Dürre haben als heutzutage", sagt der Experte im Gespräch mit unserer Redaktion. "Und je heißer es ist, desto mehr Energie kann ein Tornado entfalten." Die Folge: Es werde in Zukunft nicht mehr Tornados geben als heute, wohl aber gefährlichere.

Welche Schneise der Verwüstung eine Windhose hinterlassen kann, zeigt ein Tornado aus dem Juni 2021 in Tschechien: Dort hatte ein Tornado der Stärke F4 mit Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde fünf Gemeinden zwischen den Städten Breclav und Hodonin verwüstet. Sechs Menschen starben, etwa 250 wurden verletzt.

mit Material der dpa

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