Eigentlich gibt es von der Bank Zinsen auf Erspartes. Doch immer häufiger drehen die Institute den Spieß um und verlangen Gebühren dafür, dass Geld bei ihnen liegt. Wen der Negativzins trifft und wie Sparer ihn vermeiden können.

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Die Deutschen sparen am liebsten auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. 64 Prozent aller Ersparnisse liegen auf solchen Konten, zeigt eine Studie des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. Dabei bringen sie kaum Zinsen. Im schlimmsten Fall verlangen Banken heute sogar Negativzinsen von ihren Kunden, damit diese Ersparnisse auf einem Konto parken dürfen.

Laut einer Auflistung des Verbraucherportals Biallo erheben mittlerweile mehr als 150 Banken und Sparkassen Negativzinsen bei den Sparern. Nach Zahlen der Bundesbank ist fast ein Viertel aller Sparguthaben davon betroffen. Doch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, beruhigt: "Für normale Sparer ist es bisher eine absolute Ausnahme, dass eine Bank für ihr Konto einen sogenannten Negativzins oder ein Verwahrentgelt eingeführt hat."

Die meisten Geldhäuser verlangen Zinsen auf Ersparnisse erst ab relativ hohen Guthaben, oft ab 100.000 Euro oder mehr. Doch erste Institute reißen diese Grenze ein. Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck beispielsweise kündigte an, von Neukunden schon ab dem ersten Euro auf dem Tagesgeldkonto 0,5 Prozent Minuszinsen zu verlangen. Ob sich der Negativzins im Massengeschäft flächendeckend durchsetzen wird, bleibe abzuwarten, sagt Nauhauser.

Banken geben Kosten weiter

Warum verlangen die Banken von ihren Kunden überhaupt Strafzinsen? Ursache dafür sei vor allem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. "Banken zahlen schon seit über fünf Jahren Negativzinsen, wenn sie Geld bei der EZB halten."

Mit dem Sparguthaben, das Kunden auf ein Konto einzahlen, arbeitet die Bank, indem sie zum Beispiel an andere Kunden einen Kredit vergibt. Kann sie das nicht, muss dieses Geld irgendwo hin. Entweder als Bargeld in den Tresor, was teuer ist – oder eben zur EZB.

Doch die möchte, dass die Menschen in Europa mehr Geld ausgeben oder investieren. Das soll die Inflation steigern, die in der Eurozone schon seit Jahren unkonstant ist und nicht dem Ziel der EZB entspricht, die eine Inflationsrate "unter, aber nahe der 2 Prozent" ansteuert. Also macht die EZB es teurer, das Geld unproduktiv auf Konten liegenzulassen. Zuletzt hob sie den Negativzins im September um 0,1 Prozentpunkte an.

Seitdem verlangt sie von den Banken 0,5 Prozent Zinsen, wenn die einen bestimmten Freibetrag überschreiten. Auf ein Jahr gerechnet, wird das die deutschen Banken rund zwei Milliarden Euro kosten, so die Schätzung des Bankenverbands.

Negativzinsen lassen sich nicht einfach erheben

Immer häufiger geben die Geldhäuser nun diese Minuszinsen, die eigentlich ein Verwahrentgelt sind, an ihre Kunden weiter. "Der Druck wächst, je länger die EZB den Minuszins verlangt. Banken und Sparkassen müssen schließlich auch Gewinn machen", begründet Altendorf den Schritt.

Dem widerspricht Nauhauser: "Die Banken verdienen noch immer gut, die Niedrigzinsen haben daran nichts geändert. Mit der letzten EZB-Entscheidung wurden die Institute durch die Freibeträge sogar bewusst entlastet." Die Strafzinsen seien daher nur ein Vorwand, um Akzeptanz für neue Entgelte zu erreichen, so sein Vorwurf.

Immerhin ist es für die Banken nicht ganz so einfach, Minuszinsen von ihren Kunden zu verlangen. Zumindest, wenn diese dort schon ein Konto haben. "Wenn Tagesgeld und Festgeld als Geldanlage verkauft wurde, dann müssen die Banken Zinsen bezahlen. Das ist der Grundsatz im Darlehensrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches. Aus diesem Vertragstypus können Banken nicht einfach per Preisaushang ein Konto machen, bei dem Sparer für die Verwahrung ein Entgelt bezahlen müssen", erklärt Nauhauser.

Und kostet etwa das Girokonto bereits Kontoführungsgebühren, dann sei damit bereits die Leistung für die Verwahrung des Geldes bezahlt und die Bank dürfe nicht zusätzlich Minuszinsen verlangen.

In der Praxis müssen Banken deshalb jeden ihrer Sparer einzeln ansprechen und eine individuelle Vereinbarung darüber treffen, ob er nun Zinsen zahlen muss. Oft versuchen die Berater, ihre Kunden dazu zu bewegen, das Geld anders anzulegen, etwa in Aktien, berichtet Altendorf.

Die alleinige Geldanlage auf dem Tagesgeldkonto oder Sparbuch sei sowieso nicht mehr zeitgemäß. "Auf dem Girokonto sollte nur der Notfallgroschen liegen, an den man jederzeit herankommen will. Alle sonstigen Ersparnisse sollten Sparer in der heutigen Negativzinsphase viel breiter verteilen."

Bei Minuszinsen Bank wechseln

Kunden, die von Negativzinsen betroffen sind, gibt Verbraucherschützer Nauhauser einen Tipp: "Es gibt durchaus noch Girokonten ohne Kontogebühren und Festgelder, etwa bei Direktbanken, die ein halbes Prozent und mehr Zinsen bieten. Wenn die eigene Bank Verwahrentgelte verlangt oder die Kontogebühren erhöht, könnte das Sparer auch dazu ermutigen, sich nach einem besseren Angebot umzuschauen und die Bank zu wechseln."

Wer heute einen Kredit aufnimmt, profitiert bereits von den stark gesunkenen Zinsen. In Zukunft könnte es sogar sein, dass ein Darlehen Geld einbringt, statt zu kosten. Die bundeseigene Förderbank KfW bereitet sich laut Medienberichten darauf vor, negativ verzinste Förderkredite zu vergeben. Weil die Computersysteme solche Kredite bisher aber noch nicht kennen, dauert es wohl bis Mitte 2020, bis alle Systeme darauf eingestellt sind.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Niels Nauhauser, Finanzexperte Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
  • Gespräch mit Kerstin Altendorf, Pressesprecherin Bundesverband deutscher Banken
  • Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken: BVR-Studie zum Weltspartag 2019
  • Biallo.de: Mehr als 150 Banken und Sparkassen kassieren Negativzinsen
  • Bundesbank.de: Monatsbericht November

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