Luftverschmutzung, Müll und immer wieder Schwerverletzte. Es gibt durchaus Gründe, zum Jahreswechsel auf das Abschießen von Raketen und Werfen von Böllern zu verzichten. Viele Städte und Gemeinden haben nun reagiert: An Silvester und Neujahr verbieten sie Privatfeuerwerke teilweise oder gleich ganz.

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Zum Jahreswechsel werden deutschlandweit wohl wieder über 130 Millionen Euro in die Luft geschossen. Die Böllerei an Silvester und Neujahr ist für die einen ein großer Spaß, für viele jedoch auch ein Ärgernis. Zwar können Fans von Böllern und Raketen das Jahr 2020 in weiten Teilen Deutschlands so begrüßen wie die Jahre zuvor. Doch vielerorts wird das private Feuerwerk zwangsweise kleiner ausfallen müssen, denn mehrere Großstädte haben Verbotszonen eingerichtet.

Wir sind den wichtigsten Fragen zum Silvesterfest nachgegangen.

In welchen Städten ist in diesem Jahr Böllern verboten?

Bei einer Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur sowie unserer Redaktion in über 60 Städten und Gemeinden gaben rund die Hälfte (33) an, keine Böllerverbote zu verhängen (siehe Übersichtskarte). Darunter: Dresden, Frankfurt am Main, Magdeburg, Essen und Kiel.

In den meisten Metropolen gibt es aber zumindest ein Verbot für Innen- und Altstadtbereiche:

  • Berlin verbietet – nach Senatsangaben vor allem zum Schutz von Polizisten und Feuerwehrleuten – Böllern und Feuerwerk neben dem Gelände der zentralen Feier am Brandenburger Tor erstmals auch auf dem nördlichen Alexanderplatz sowie in der Pallasstraße in Schöneberg.
  • Die Polizei in Hamburg hat private Böllerei rund um die Binnenalster verboten. Wegen Sicherheitsbedenken soll es auch kein Feuerwerk am Jungfernstieg geben.
  • Köln hat den Bereich rund um den Dom und entlang des Rheins als böllerfreie Zone deklariert.
  • In München gilt dieses Jahr erstmals ein komplettes Feuerwerksverbot in Teilen der Altstadt. Der Stadtrat erließ ein Böllerverbot für den Bereich innerhalb des Mittleren Rings. Raketen dürfen zudem nur außerhalb der Fußgängerzone und ihrer angrenzenden Straßen verschossen werden.

Komplett untersagt sind Böller und Feuerwerke nur an der Nord- und Ostsee: Das Amt Föhr-Amrum (auf Föhr mit Ausnahme der Strände und Deiche) und die Gemeinde Sylt erlauben den Silvesterbrauch schon lange nicht. Auch auf den Inseln Hiddensee und Rügen sowie auf der Halbinsel Darß in Mecklenburg-Vorpommern ist Böllern laut dem NDR nicht erlaubt. Der Grund: Erhebliche Brandgefahr für reetgedeckte Häuser.

Wie wird das Böllerverbot begründet?

Vor allem Umweltschützer hatten in den vergangenen Monaten versucht, Böller aus den Innenstädten zu verbannen. Wegen der Luftreinheit will aber keine der befragten Städte das Böllern untersagen. Wie in Hamburg und Berlin führen die Städte als Grund für Verbotszonen vor allem Sicherheitsbedenken an. Grundlage dafür ist eine Allgemeinverfügung nach dem Gefahrenabwehrgesetz.

Auch in München basiert die neue Regelung vor allem auf einer Gefahreneinschätzung der Polizei. "Waagerecht gezielt in Menschenmengen hinein abgefeuerte Raketen waren in den vergangenen Jahren leider keine Seltenheit. Dieser konkreten Gefahr für öffentliche Sicherheit, Leben und Gesundheit soll das Feuerwerksverbot entgegenwirken", erklärte Münchens Kreisverwaltungsreferent Dr. Thomas Böhle.

In einer Silvesternacht versorgt zum Beispiel das Unfallkrankenhaus Berlin durchschnittlich 50 durch Knaller verursachte Verletzungen. Die Patienten kommen mit abgetrennten Fingern, Verbrennungen, Handfrakturen und mehr. Die Umfrage einer medizinischen Fachgesellschaft ergab zudem weit über 800 Augenverletzungen durch Böller, die rund um Silvester 2016 und 2017 von Augenkliniken gemeldet wurden. Die Hälfte der Betroffenen hatte den Knallkörper gar nicht selbst gezündet, sondern war unbeteiligt.

Generell ist das Böllern in der Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern oder Tankstellen nicht erlaubt. Blindgänger, die nicht explodieren, sollten liegen gelassen werden.

Für Feuerwerkskörper der Kategorie F2 gilt zudem eine strikte "Knallzeit": Sie dürfen nur am Silvester- und Neujahrstag abgebrannt werden. Die Zeiten können je nach Bundesland leicht abweichen.

Wird es künftig weitreichendere Verbote geben?

Der Deutsche Städte-und Gemeindebund hatte sich bereits im Sommer gegen ein Pauschalverbot für private Silvesterfeuerwerke ausgesprochen. Diese seien "ein Ausdruck von Lebensfreude" und sollten daher "nicht generell untersagt" werden, wie Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg in einer Pressemitteilung schreibt. Zudem seien nicht Böller und Feuerwerk, sondern der Verkehr immer noch einer der Hauptverursacher von Emissionen in den Kommunen. Zugleich schränkte Landsberg aber ein, dass es sinnvoll ist, bestimmte Plätze zu feuerwerksfreien Zonen zu erklären und dort auch das private Böllern zu untersagen.

Viele Städte haben sich auch gegen ein Böllerverbot entschieden, weil dessen Einhaltung nicht kontrolliert werden kann – "nicht zuletzt wegen der begrenzten Personalkapazitäten" von Polizei und Ordnungsdiensten, wie Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert laut den Potsdamer Neuesten Nachrichten sagte. Aus Rostock, Dresden, Regensburg und Mainz heißt es, dass neben der Durchsetzung auch rechtliche Hürden gegen ein Verbot sprechen.

Was sagt die Feuerwerksindustrie zu Böllerverboten?

Die Feuerwerksindustrie kritisierte, dass Umweltschützer und das Umweltbundesamt mit unseriösen Zahlen argumentiere, die lediglich auf Modellierungen und Schätzwerte beruhten.

"Der reale Feinstaubausstoß von Feuerwerk – und das wird bislang verschwiegen – wurde von keiner der beiden Parteien jemals gemessen", sagte Klaus Gotzen vom Verband der pyrotechnischen Industrie der dpa. Auch sei der von Feuerwerk freigesetzte Feinstaub wasserlöslich und werde vom Körper daher leichter aus der Lunge entfernt als etwa Rußpartikel aus Dieselmotoren.

Der Lungenfacharzt Norbert Mülleneisen warnt hingegen in einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vor den gesundheitlichen Belastungen: "So wie jede einzelne Zigarette zählt auch jedes Silvesterfeuerwerk."

Wann werden Feuerwerkskörper verkauft?

Der Verkauf von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 ist in diesem Jahr vom 28. bis zum 31. Dezember erlaubt. Sie dürfen zudem nur an Erwachsene verkauft werden. Zu dieser Kategorie gehören Raketen, Fontänen, Verbundfeuerwerke, Römische Lichter, Batterien und laute Knaller. Raketen mit mehr als 20 Gramm Knallsatz dürfen sogar nur mit spezieller Erlaubnis erworben und gezündet werden.

Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen sind nur Feuerwerkskörper der Kategorie F1. Dazu gehören Wunderkerzen, Tischfeuerwerk, Knallerbsen und Knallbonbons. Diese weniger gefährliche Art von Feuerwerkskörpern darf in der Regel auch das ganze Jahr über verkauft werden. Auch bei diesen harmloseren Feuerwerkskörpern sollten die Eltern aber auf jeden Fall das Zünden beaufsichtigen. (dpa/afp/mf)

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