Werner Faymann tritt als Bundeskanzler und SPÖ-Chef mit dem heutigen Tag zurück. Wiens Bürgermeister Michael Häupl soll interimistisch die Parteiführung übernehmen.

SPÖ-Chef und Bundeskanzler Werner Faymann legt unverzüglich alle Funktionen nieder. Das gab Faymann am Montag in einer Pressekonferenz bekannt. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Österreichs zieht damit die Konsequenzen aus dem mangelnden Rückhalt innerhalb seiner Partei.

"Dieses Land braucht einen Kanzler, wo die Partei voll hinter ihm steht. Die Regierung braucht einen Neustart mit Kraft. Wer diesen Rückhalt nicht hat, kann diese Aufgabe nicht leisten", sagte Faymann zur Begründung.

Faymann verteidigt Ende der "Willkommenskultur"

Flüchtlingspolitik und Umgang mit FPÖ: So kann sich SPÖ-Wechsel auswirken.

Österreich habe nach der schwierigen Phase der Finanzkrise im vergangenen Jahr den Flüchtlingsansturm zu bewältigen gehabt, sagte der 56-Jährige. Faymann verteidigte erneut das Ende der "Willkommenskultur" und die zunehmend restriktivere Flüchtlingspolitik des Landes. "Es wäre verantwortungslos gewesen, nicht auch eigene Maßnahmen zu setzen."

"Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Land stark genug ist, die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu bewältigen", fügte Faymann hinzu.

Häupl übernimmt SPÖ interimistisch

Faymann ist seit Dezember 2008 Bundeskanzler. Nach dem Debakel bei der Bundespräsidentschaftswahl war er zunehmend unter Druck geraten - innerhalb der SPÖ wurden Rücktrittsforderungen laut.

Nach Faymanns Rücktritt soll Wiens Bürgermeister Michael Häupl interimistisch die Parteiführung übernehmen. Ein entsprechender Beschluss soll am Montagnachmittag im Parteivorstand fallen, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Häupl sprach von einer "Phase des Nachdenkens" - dies könne man am besten schweigend machen. Mögliche Spekulationen, wer das Erbe Faymann antreten solle, wollte er deshalb nicht kommentieren. (rs/dpa)