Sachsen und Brandenburg haben gewählt. Wie erwartet hat die AfD in beiden Bundesländern stark abgeschnitten, für den Spitzenplatz reichte es jedoch nicht. Wie geht es nun weiter im Osten? Und was bedeutet der Wahlausgang für die GroKo in Berlin? Der Tag nach den Landtagswahlen im Osten im Live-Blog.

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Nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen steuern beide Länder jeweils auf ein Dreierbündnis zu. Für die bisherigen Zweierkoalitionen gibt es in beiden Ländern keine Mehrheit mehr.

Am Nachmittag beraten die Gremien der im Bundestag vertretenen Parteien über den Wahlausgang in Berlin. Anschließend wollen jeweils Spitzenvertreter den Ausgang der Abstimmungen öffentlich bewerten.

Das Wichtigste im Überblick:

16:13 Uhr: Linke ist die große Wahlverliererin

Ursprünglich war die Linke in Ostdeutschland die Protestpartei der Wahl. Das ist vorbei: Keine andere Partei musste bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg so viele Verluste hinnehmen. Mehr dazu lesen Sie hier

14:06 Uhr: AKK ordnet Wahlergebnisse im Osten ein

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat nach den Verlusten ihrer Partei in Sachsen und Brandenburg angekündigt, die Erneuerung der CDU konsequent vorantreiben. Dies müsse bis zum Parteitag Ende November etwa bei den Themen Klimaschutz sowie bei der digitalen und der wirtschaftlichen Entwicklung geschehen, sagte sie am Montag nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin.

AKK sagte, die Erneuerung müsse mit den Schritten Zuhören, Verstehen, Diskutieren und Entscheiden erfolgen. Den Kurs der klaren Abgrenzung zur AfD und gegen eine Haltung, die sich auf das Schlechtreden und Angstmachen konzentriere, werde die CDU beibehalten.

13:09 Uhr: AfD gewinnt viele Nichtwähler - und Stimmen der CDU

Die AfD wurde in beiden Bundesländern mit hohen Zugewinnen zweitstärkste Kraft. Die Rechtspopulisten profitierten dabei vor allem von Wählern, die bei der Landtagswahl im Jahr 2014 nicht gewählt hatten. In Sachsen gehörten 246.000 AfD-Wähler vor fünf Jahren noch zur Gruppe der Nichtwähler, in Brandenburg traf dies auf 115.000 AfD-Wähler zu.

Die Partei erhielt zudem auch zehntausende Stimmen von Menschen, die 2014 noch CDU gewählt hatten. In Brandenburg galt das für 29.000 Wähler der Rechtspopulisten, in Sachsen sogar für 84.000. Im Freistaat wanderten aber auch 27.000 frühere Linken-Wähler zur AfD, in Brandenburg stimmten 14.000 ehemalige SPD-Wähler und 12.000 Linken-Wähler für die Partei.

12:43 Uhr: Türkische Gemeinde nennt Landtagswahlergebnisse "erschreckend"

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) sieht das Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen mit großer Sorge. Die Wahlen seien "mit erschreckendem Ergebnis" ausgegangen, erklärte die Organisation am Montag mit Verweis darauf, dass die AfD in beiden Ländern zweitstärkste Kraft wurde. Es sei deutlich geworden, "dass Rassismus in den neuen Bundesländern wieder mehrheitsfähig geworden ist", urteilte der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu.

Das Abschneiden der AfD müsse "uns als ganze Gesellschaft aufrütteln", erklärte er. "Das Wichtigste ist jedoch, dass die demokratischen Parteien endlich aufhören müssen, sich die Agenda von rechten Strömungen diktieren zu lassen." Stattdessen müssten die Themen Gerechtigkeit, Bildung, Zusammenhalt und Vielfalt in den Vordergrund gerückt werden.

12:16 Uhr: Juso-Chef Kühnert kritisiert "politisches Gaffertum"

Juso-Chef Kevin Kühnert kritisiert ein "politisches Gaffertum" in Bezug auf die ostdeutschen Bundesländer. "Wir betrachten die Entwicklung im Osten wie einen Autounfall, wo alle vorbeifahren und traurig sind, was da passiert ist", sagte Kühnert am Montag auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. "Lasst uns mit diesem politischen Gaffertum aufhören." Man dürfe nicht nur über die Menschen in Sachen und Brandenburg reden, wo die rechtspopulistische AfD bei den Landtagswahlen am Sonntag jeweils zweitstärkste Kraft wurde. Man müsse mit ihnen sprechen.

Mit Blick auf den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (CDU) sagte Kühnert: "Er kann vor noch so vielen CDU-Wahlplakaten stehen, er wird als AfD-Wahlkämpfer wahrgenommen."

12:02 Uhr: SPD-Mann Woidke will zuerst mit CDU sondieren

Nach seinem Sieg bei der Landtagswahl in Brandenburg will Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zuerst mit der CDU über eine mögliche Koalition sprechen. Die CDU sei der stärkste Partner, sagte Woidke am Montag in Berlin. "Wir brauchen eine stabile Regierung in Brandenburg." Die Sondierungen sollten wahrscheinlich noch in dieser Woche beginnen. Die CDU werde aber nicht die einzige Partei sein, mit der die SPD reden werde: "Wir werden mit allen sondieren, die für eine Regierungsbildung infrage kommen."

Mit knapper Stimmenmehrheit könnte Woidke in einer rot-grün-roten Koalition weiterregieren. Auch ein Bündnis der SPD mit CDU und Freien Wählern oder mit CDU und Grünen wäre möglich.

11:41 Uhr: Maaßen sieht persönlichen Erfolg in Sieg der Sachsen-CDU

Der frühere Chef des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, sieht in dem Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen auch einen persönlichen Erfolg. "Mein Eindruck ist, dass, jedenfalls wenn man die Hochrechnungen vom Juli vergleicht, bevor ich tätig geworden bin mit der Werte-Union, und jedenfalls das Ergebnis sich anschaut, die Union in Sachsen deutlich besser geworden ist als vorher vorausgesagt wurde", erklärte Maaßen im Telefon-Interview mit "Steingarts Morning Briefing" am Sonntagabend.

"Ich glaube, der Erfolg wäre noch größer gewesen, wenn man uns (die WerteUnion) so hätte machen lassen können, wie wir gewollt hätten", sagte er weiter. Viele Menschen hätten ihm, Maaßen, persönlich gesagt, dass sie ihn im Falle einer Kandidatur gewählt hätten.

Von den sechs Kandidaten der "WerteUnion", die bei den Landtagswahlen angetreten waren, erfüllten laut einem Bericht von "Welt Online" allerdings nur zwei die hohen Erwartungen: In ihren Wahlkreisen legte die AfD nur halb so stark zu wie im jeweiligen Landesdurchschnitt. Zwei weitere Kandidaten des selbsterklärten rechten Flügels der CDU schnitten etwa so ab wie die Landes-CDU, die übrigen beiden Vertreter mussten bei den Erststimmen zweistellige Verluste hinnehmen.

11:05 Uhr: Habeck: Sachsen-CDU muss "einige Aussagen kassieren"

Nach der Landtagswahl in Sachsen erwartet Grünen-Chef Robert Habeck Entgegenkommen von der CDU in Sachsen in Gesprächen über eine Koalition. Damit diese zu einem "guten Ergebnis" kämen, werde die CDU "einige Aussagen kassieren müssen" und Lehren aus dem Wahlergebnis ziehen, sagte Habeck am Montag in Berlin. Die CDU in Sachsen und die SPD seien mit "Leihstimmen" gewählt worden. Ihr Ergebnis sei "keine eigene Kraft" und keine Bestätigung der bisherigen Regierungslinie, sagte Habeck.

10:24 Uhr: AKK will an klarer Abgrenzung zur AfD festhalten

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer schließt auch nach den AfD-Erfolgen bei den Landtagswahlen eine Annäherung an die Rechtspopulisten aus. Die CDU werde bei der Abgrenzung zur AfD bleiben, sagte Kramp-Karrenbauer am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Das sei so festgelegt, das habe auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie sei überzeugt, dass viele Menschen genau deshalb CDU gewählt hätten.

Angesichts der Stimmenverluste der CDU bei beiden Wahlen räumte die Parteichefin auch eigene Versäumnisse ein. Die CDU sei in den vergangenen Monaten über manche Hürden "nicht so elegant" gegangen, "auch ich persönlich".

10:07 Uhr: Mehrere Rekorde nach Landtagswahlen im Osten

Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg haben einigen der im Bundestag vertretenen Parteien neue Rekordwerte beschert - im Positiven wie im Negativen:

  • Mit 27,5 Prozent in Sachsen schneidet die AfD so gut ab wie noch nie bei einer Bundes-, Landes- oder Europawahl.
  • Die Landtagswahlen in Sachsen markieren für die SPD einen neuen Tiefpunkt: 7,7 Prozent ist ihr schlechteste Ergebnis in einem deutschen Bundesland.
  • 15,6 Prozent in Brandenburg ist für die CDU das schlechteste Ergebnis auf Landes-, Bundes- und Europaebene seit 60 Jahren.
  • In Brandenburg erreichen die Grünen einen neuen Spitzenwert im Osten und werden mit 10,8 Prozent erstmals zweistellig.
  • Mit gerade einmal 10,4 Prozent in Sachsen und 10,7 Prozent in Brandenburg sind die Linken bei Landtagswahlen im Osten so schwach wie seit 1990 nicht mehr.

9:44 Uhr: Ministerpräsidenten punkten auch persönlich

Beide Ministerpräsidenten haben sich am Sonntagabend doppelt freuen können: Nicht nur haben der Brandenburger Dietmar Woidke und der Sachse Michael Kretschmer ihre Parteien vor der AfD platzieren und an der Macht halten können - beide haben auch die Direktmandate in ihren Wahlkreisen geholt. Und zwar ebenfalls gegen starke AfD-Konkurrenz.

Kretschmer setzte sich im hart umkämpften Görlitz gegen den AfD-Bewerber Sebastian Wippel durch (45,8 zu 37,9 Prozent). Bei der Bundestagswahl 2017 hatte er sein Direktmandat an den AfD-Kandidaten Tino Chrupalla verloren. Bei den Zweitstimmen in Görlitz lag die AfD allerdings vor der CDU (37,9 zu 35,2).

Woidke gewann seinen Wahlkreis Spree-Neiße I gegen den AfD-Kandidaten Steffen Kubitzki (36,2 zu 32,4). Allerdings verschlechterte er sich bei seinem dritten Wahlkreissieg gegenüber der Wahl 2014 um gut 13 Prozentpunkte.

9:30 Uhr: AfD-Erfolge ein "Alarmsignal"

Die massiven Stimmengewinne für die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg sind nach Einschätzung der Amadeu-Antonio-Stiftung ein Alarmsignal. "Ein erheblicher Teil der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern hat zu wenig Vertrauen in das politische System", erklärte Geschäftsführer Timo Reinfrank. "Das Demokratiemisstrauen vieler Menschen hat in der AfD eine parteipolitische Heimat gefunden. Die Rechtsradikalen werden nicht trotz, sondern wegen ihrer demokratiefeindlichen Positionen gewählt."

Der Wahlsonntag werde der AfD neuen Aufwind verleihen und stärke den "rechtsextremen Flügel der Partei", meinte Reinfrank. "Die demokratischen Parteien haben zu lange versäumt, sich mit den Umbrüchen nach der Wende auseinanderzusetzen und entschlossen für demokratische Kultur zu werben", fügte er hinzu.

jwo, mit Material von dpa und AFP

Teaserbild: © Michael Kappeler/dpa