Der politischen Herbst in Hessen wird wohl bunt: Umfragen zufolge werden fünf Parteien in den Landtag in Wiesbaden einziehen, viele Konstellationen sind denkbar. Spannend wird auch, welchen Einfluss das Wahlergebnis auf die Regierungskoalition in Berlin haben wird. CDU und SPD sprechen schon ganz offen über ein mögliches Ende der GroKo.

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Glaubt man Demoskopen, dann ist in Hessen nach der Landtagswahl kaum ein Farbenspiel ausgeschlossen: Jamaika, eine Ampel oder ein linkes Bündnis mit einem grünen Ministerpräsidenten?

Ein Jamaika-Bündnis ist Umfragen zufolge am wahrscheinlichsten - falls es für die amtierende schwarz-grüne Landesregierung nicht mehr reicht. CDU und Grüne würden in Hessen gerne zusammen weitermachen. Dafür müssten sie aber womöglich die FDP mit dazu holen, denn die CDU schwächelt: Wie auch die SPD müssen die Konservativen voraussichtlich herbe Verluste bei der Landtagswahl verkraften.

Grüne beim Thema Jamaika zurückhaltend

Während sich Ministerpräsident Volker Bouffier von der CDU offen für Jamaika zeigt, werden die Grünen bei dem Thema schmallippig. Die Partei genießt sichtbar ihre sehr guten Umfragewerte, doch die Spitzenvertreter lassen sich zu Koalitionsfragen wenig entlocken.

Ihr Verhältnis zur FDP ist nicht ganz einfach, vor allem in der Energiepolitik oder beim Ökolandbau liegen die Parteien über Kreuz. In den vergangenen Jahren saß stets eine der beiden Parteien auf der Regierungsbank, die andere in der Opposition - da haben sich Enttäuschungen und Verletzungen angesammelt.

Die Liberalen allerdings werben offen für Jamaika und sehen sich dabei nicht als Steigbügelhalter, sondern eher als Königsmacher. Für einen grünen Ministerpräsidenten im Landtag die Hand zu heben hat die FDP aber bereits ausgeschlossen.

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Dass der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir Regierungschef in Hessen wird, ist nicht völlig ausgeschlossen: Das letzte ZDF-Politbarometer vor der Wahl sieht SPD und Grüne gleichauf - zuvor waren die Grünen sogar schon stärker als die SPD gewesen.

Um Ministerpräsident zu werden, müsste der 47-Jährige allerdings voraussichtlich ein Bündnis mit SPD und Linken schmieden – und ob SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel in die Rolle des Juniorpartners schlüpfen würde, ist fraglich.

Nahles stellt GroKo infrage

Spannend ist die Hessen-Wahl auch wegen der Frage, welche Konsequenzen diese Talfahrt von CDU und SPD für die Bundesvorsitzenden der Parteien, Kanzlerin Angela Merkel und Andrea Nahles, haben könnte. Längst gilt die Landtagswahl als Schicksalswahl.

Kommt es zu arg, könnte dann das GroKo-Bündnis im Bund platzen. Einen Bruch der Berliner Koalition schließt mittlerweile nicht einmal mehr CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer aus. "Sollte diese Regierung jetzt auseinander brechen, wird es auf Neuwahlen herauslaufen", sagte sie laut "Welt Online" am Donnerstag.

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles denkt ganz offen über einen Regierungsbruch nach. Im Gespräch mit den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland stellte sie die Bundes-GroKo infrage. "In den kommenden Wochen nach der hessischen Landtagswahl müssen wir herausfinden, ob CDU und CSU in der Lage sind, zu einer verlässlichen Sacharbeit in der Koalition zu finden", sagte Nahles und fügte hinzu, dass es für die SPD aber nicht ratsam sei, "übereilt oder gar kopflos" zu reagieren. (jwo/dpa)