Die CDU bleibt trotz massiver Einbußen bei der Landtagswahl in Hessen stärkste Kraft. Die SPD liefert sich nach herben Verlusten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Grünen um Platz zwei - sie führt die Einbußen auch auf "Sturmböen" aus Berlin zurück.

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Die Berliner Regierungsparteien sind zum zweiten Mal binnen 14 Tagen bei einer Landtagswahl abgestraft worden. Bei der Abstimmung am Sonntag in Hessen erlitten Union und SPD wie vor zwei Wochen in Bayern jeweils Verluste in zweistelliger Höhe.

Die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier blieb zwar stärkste Kraft, fuhr nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF aber ihr schlechtestes Ergebnis in dem Bundesland seit mehr als 50 Jahren ein und rutschte unter die Marke von 30 Prozent. Die SPD von Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel erzielte ihr schlechtestes Landesergebnis jemals und erreichte nicht mal mehr 20 Prozent.

Große Wahlgewinner sind die Grünen mit ihrem besten Abschneiden bei einer Hessen-Wahl sowie die AfD. Die Rechtspopulisten zogen erstmals in den Landtag ein und sind nunmehr in allen 16 Landesparlamenten vertreten. Auch FDP und Linke bleiben im Landtag in Wiesbaden - damit bekommt Hessen erstmals ein Sechs-Parteien-Parlament.

Reicht es für Schwarz-Grün?

Bis zur Auszählung aller Stimmen war unklar, ob die seit 2013 regierende schwarz-grüne Koalition weitermachen kann. Denkbar wären demnach auch ein Bündnis aus CDU und SPD sowie eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP.

Bouffier ging davon aus, dass er im Amt bleiben könne. "Wir werden erneut den Anspruch erheben, die Landesregierung in Hessen anzuführen. Wir sind klar stärkste Fraktion", sagte erund kündigte Gespräche mit den anderen Parteien außer Linken und AfD an.

Die Grünen zeigten sich grundsätzlich offen für eine erneute schwarz-grüne Koalition. Natürlich werde man, wenn es rechnerisch möglich sei, miteinander sprechen, sagte Al-Wazir.

Mit Blick auf eine Regierungsbeteiligung in Hessen sagte FDP-Chef Christian Lindner ebenfalls, man sei grundsätzlich zu Koalitionsgesprächen bereit.

Linke-Chefin Katja Kipping sagte zum Ergebnis, sie hätte sich mehr für ihre Partei erhofft. AfD-Chef Jörg Meuthen kündigte gute Oppositionsarbeit seiner Partei in Hessen an.

Schäfer-Gümbel, der zum dritten Mal Spitzenkandidat seiner SPD war, räumte eine bittere Niederlage an und ließ seine politische Zukunft zunächst offen. Das Ergebnis führte er stark auf den Bundestrend zurück. Man habe "nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmäßig Sturmböen im Gesicht".

Merkel und Nahles unter Druck

Die Talfahrten von CDU und SPD in Hessen setzen auch die Bundesvorsitzenden, Kanzlerin Angela Merkel und Andrea Nahles, unter Druck.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, die Regierung müsse rasch deutlich machen, "dass Schluss sein muss mit den Debatten, ob wir zusammen regieren oder nicht. Die Menschen erwarten zu Recht Ergebnisse von uns". Sie gehe nach aktuellem Stand davon aus, dass Merkel beim CDU-Parteitag Anfang Dezember in Hamburg erneut als Parteichefin kandidiere. Beobachter waren davon ausgegangen, dass im Falle großer Verluste auch Rufe nach einer Ablösung Merkels als CDU-Chefin lauter werden könnten.

Hinzu kommt, dass in der SPD nach den neuerlichen Einbußen die GroKo-Kritiker an Rückenwind gewinnen könnten - was im Extremfall zu einem Rückzug aus dem Regierungsbündnis führen könnte.

Parteichefin Nahles zeigte sich angesichts der Stimmenverluste bestürzt. Dazu habe die Bundespolitik "erheblich beigetragen", sagte sie. "Der Zustand der Regierung ist nicht akzeptabel." CDU und CSU müssten ihre inhaltlichen und personellen Konflikte schnell lösen - sie wolle das Schicksal der SPD jedoch nicht in die Hände ihres Koalitionspartners legen. "Es muss sich in der SPD etwas ändern."

Nahles sagte, die Koalition in Berlin müsse nun einen klaren, verbindlichen Fahrplan vorlegen. "An der Umsetzung dieses Fahrplans bis zur vereinbarten Halbzeitbilanz können wir dann klar ablesen, ob wir in dieser Regierung noch richtig aufgehoben sind."

Gründe für CDU- und SPD-Debakel

Wahlforscher machten für den Einbruch von CDU und SPD sowohl landes- als auch bundespolitische Gründe verantwortlich.

Einer Analyse von Experten der Forschungsgruppe Wahlen zufolge konnten die Parteien vor Ort nur bedingt mit politischen Leistungen, Spitzenpersonal oder Sachkompetenzen überzeugen.

Hinzu sei jetzt auch in Hessen starke Konkurrenz durch die Grünen gekommen, für die sich zahlreiche Wähler kurzfristig entschieden hätten. Zusätzlich habe es für CDU und SPD aus Berlin starken Gegenwind gegeben.

Der Wahlkampf wurde vor allem durch GroKo-Streitigkeiten etwa über die Migrationspolitik sowie die schwelende Diesel-Krise belastet. Dadurch wurden die landespolitischen Themen wie Wohnen oder Bildung weitgehend in den Hintergrund gerückt. (cai/dpa)

Dieser Text ist vor der Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses entstanden. Sobald es veröffentlicht wird, finden Sie alle Ergebnisse im folgenden Artikel:

Die Wahl in Hessen ist vorbei, 4,4 Millionen Bürger waren aufgerufen, ihre Kandidaten für den neuen Landtag zu wählen. Hier finden Sie die Ergebnisse nach Stimmkreisen und den Koalitionsrechner.