Mit einem Interview zur Sachsenwahl erntet ARD-Moderatorin Wiebke Binder derzeit massive Kritik. Grund: Die 39-Jährige beschrieb in einer Sendung zur Wahl eine Kooperation zwischen CDU und AfD als "bürgerliche" Koalitionsmöglichkeit.

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Sachsen hat gewählt: Hochrechnungen zufolge kommt die CDU dort auf ein Ergebnis von über 32 Prozent, die AfD auf über 27 Prozent. Einer Koalition zwischen beiden Parteien steht damit rein rechnerisch nichts im Wege. Eine solche wurde von der CDU allerdings bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

Nichtsdestotrotz sprach ARD-Moderatorin Wiebke Binder, die in erster Linie für den MDR arbeitet, eine mögliche Koalition zwischen beiden Parteien im Interview mit dem CDU-Mann Marco Wanderwitz an – dabei adaptierte die TV-Frau allerdings unglücklicherweise den Sprech der AfD, die sich selbst als "bürgerlich" bezeichnet.

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Wiebke Binder: "Bürgerliche" Koalition mit der AfD?

Wiebke Binder wollte von dem Politiker wissen: "Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre ja theoretisch mit der AfD möglich. Ist das immer noch ausgeschlossen?"

Marco Wanderwitz stellte daraufhin klar: "Eine Koalition mit der AfD wäre keine bürgerliche Koalition. Wir haben von vornherein gesagt, dass wir mit den Rändern nicht koalieren, nicht zusammenarbeiten, und dabei wird es auch bleiben."

Moderatorin in der Kritik

Auf Twitter blieben die Reaktionen nach dem Interview nicht aus. Die AfD trotz rechter Tendenzen als "bürgerliche" Partei zu bezeichnen, ist für viele User ein Unding.

So schrieb Journalist Stefan Niggemeier zu dem Vorfall: "Moderatorin Wiebke Binder (MDR) wörtlich: 'Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre ja theoretisch mit der AfD möglich.' Wahnsinn."

Erleichterung bei den GroKo-Partnern - aber auch extreme Nüchternheit. Die Sensationsergebnisse der AfD markieren einen tiefen Einschnitt. Das Regieren in Berlin wird nicht einfacher.

Auch ARD-Mitarbeiter Arnd Henze meldete sich auf der Plattform zu Wort und distanzierte sich deutlich von der Aussage seiner Kollegin. Auf Twitter erklärte er: "Nein: nicht 'DIE ARD'. Viele Mitarbeitende werden über diese Aussage der MDR-Moderatorin genauso irritiert sein wie Sie! Aber beim MDR verwischen nicht zum ersten Mal die Grenzen nach ganz rechts!"

MDR reagiert auf Vorfall

Vom MDR selbst folgte kurz darauf noch ein Statement, welches Moderatorin Wiebke Binder in Schutz nimmt – Zitat: "Unter dem enormen Stress einer Live-Sendung bei einer solchen Doppelwahl mit ständig neuen Ergebnissen und wechselnden Konstellationen kann es zu Missverständnissen kommen und können Unschärfen passieren."  © 1&1 Mail & Media / CF