Hamburg hat am Sonntag eine neue Bürgerschaft gewählt: Wahlsieger sind SPD und Grüne. Die CDU muss ein historisch schlechtes Ergebnis verarbeiten. Die AfD schafft es am Ende doch knapp über die Fünf-Prozent-Hürde, an der die FDP bis zum Ende zu scheitern droht. Das Ergebnis und alle Reaktionen im Ticker zum Nachlesen!

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  • Die SPD festigt bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ihre Macht. Die Grünen erstarken, bleiben aber in der Juniorrolle.
  • Über 1,3 Millionen Hamburger waren am Sonntag aufgerufen, die neue Bürgerschaft zu wählen. Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen.
  • Die CDU verliert weiter an Zustimmung. FDP und AfD müssen lange um den Wiedereinzug ins Rathaus bangen. Liberalen und AfD schaffen es wohl knapp über die Fünf-Prozent-Hürde.
  • Die Erleichterung bei den freien Demokraten währt nicht lange: Wegen Auffälligkeiten in einem Wahlbezirk steht das Ergebnis der FDP am Montag infrage.

Wir beenden die aktuelle Berichterstattung und sind ab dem frühen Montagmorgen wieder für Sie da. Alles, was heute in Hamburg im Rahmen der Bürgerschaftswahlen passierte, können Sie hier nachlesen!

23:03 Uhr: Nach Auszählung von 1882 von insgesamt 1884 Wahlkreisen scheint die FDP mit 5,0 Prozent den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft knapp geschafft zu haben.

Auch die AfD liegt mit 5,3 Prozent trotz der ersten Prognosen doch noch über der Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Offizielle Zahlen gibt es allerdings voraussichtlich erst am Montagabend, es handelt sich also nur um ein vorläufiges Ergebnis. Keinen Zweifel gibt es am Wahlsieg von Rot und Grün. So sehen die Hochrechnungen von ARD und ZDF aus:

22:08 Uhr: Ausgezählt sind derzeit 1.853 von 1.884 Wahlkreisen - es kann also nicht mehr lange dauern, bis ein erstes vorläufiges Ergebnis vorliegt. Die SPD hat es inzwischen über die 39 Prozent geschafft, die AfD scheint sich über fünf Prozent halten zu können.

Neue Hochrechnung sieht AfD über fünf Prozent - FDP muss zittern

21:53 Uhr: Und gleich das nächste Zwischenergebnis des Statistikamts Nord: Laut der Zahlen von 21:48 Uhr ist die AfD mit 5,3 Prozent weiter über der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP wäre mit den aktuell 4,9 Prozent nicht in der Bürgerschaft vertreten.

21:43 Uhr: Das Statistikamt Nord, das aufgrund von technischen Einschränkungen des Wahlservers auf seiner Webseite ebenfalls aktuelle Auszählungsergebnisse veröffentlicht, hat ein Zwischenergebnis von 21.27 Uhr bekanntgegeben. Demnach liegt die AfD sogar bei 5,4 Prozent. Die FDP hingegen rutscht mit 4,9 Prozent knapp unter die erforderliche Hürde, die zum Einzug in die Hamburger Bürgerschaft berechtigt.

20:52 Uhr: Die AfD hat bei der Wahl in Hamburg womöglich doch den Wiedereinzug in die Bürgerschaft geschafft. Eine neue Hochrechnung der ARD sah die Rechtspopulisten am Sonntagabend bei 5,1 Prozent, nachdem sie zuvor bei 4,7 Prozent gelegen hatten. Die FDP kam in der neuen Hochrechnung auf 5,0 Prozent, so dass ihr Wiedereinzug in die Bürgerschaft weiter offen blieb.

20:48 Uhr: Wo liegen die Gründe für den Erfolg der rot-grünen Koalition? Laut der Forschungsgruppe Wahlen haben SPD und Grüne in Hamburg vor allem mit lokalen Themen gepunktet.

Jubel im ARD-Wahlstudio nach Bekanntgabe der ersten Prognose zur AfD

20:44 Uhr: Als in der ARD Moderator Jörg Schönenborn um 18 Uhr die erste Prognose zur Hamburger Bürgerschaftswahl verkündete, kam es zu einer ungewöhnlichen Situation. Denn als Schönenborn an sechster Stelle die Prozentpunkte für die AfD bekanntgab, war im Hintergrund lauter Jubel zu hören. Ob es sich dabei um ARD-Mitarbeiter handelte, ist nicht bekannt.

Neue Hochrechnung: SPD kratzt an 39 Prozent - AfD bei 4,9 Prozent

20:01 Uhr: Die Zitterpartie für AfD und FDP bei der Hamburg-Wahl geht weiter: Die am Abend vorgelegten aktualisierten Hochrechnungen von ARD und ZDF sahen die AfD übereinstimmend bei 4,9 Prozent - in den vorangegangenen Hochrechnungen hatte sie noch bei 4,7 Prozent gelegen. Es war damit weiter offen, ob sie die Fünfprozenthürde nicht doch noch überspringt. Die FDP lag in beiden Hochrechnungen weiterhin bei 5,0 Prozent, womit ihr Wiedereinzug ins Landesparlament ebenfalls offen war.

Die aktuellen Berechnungen sahen die regierende SPD mit 38,4 Prozent bis 38,6 Prozent als klaren Sieger, ihr Koalitionspartner Grüne landete mit 24,8 Prozent bis 24,9 Prozent auf Platz zwei. Die CDU erreichte in beiden Hochrechnungen 11,2 Prozent. Die Linke lag bei 9,1 Prozent bis 9,5 Prozent.

Peter Tschentscher und Katharina Fegebank haben vor allem mit lokalen Themen gepunktet.

Wahlforscher: SPD und Grüne haben mit lokalen Themen gepunktet

19:59 Uhr: SPD und Grüne haben in Hamburg nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen vor allem mit lokalen Themen gepunktet. Zu ihren Pluspunkten zählten ihre überzeugende Regierungsarbeit, Sachkompetenz sowie ihr Ansehen in der Bevölkerung, hieß es in der am Sonntagabend veröffentlichen Analyse des Wahlausgangs.

Rücktritt wegen Hamburg-Ergebnis? FDP-Chef Lindner sagt Nein

19:37 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat eingeräumt, dass das schwache Abschneiden der Liberalen in Hamburg auch auf das Debakel bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen zurückgehen dürfte. Hamburg sei schon vor den Ereignissen in Thüringen ein schwieriges Pflaster für die FDP gewesen, sagte Lindner am Sonntagabend im ZDF. Wegen des zeitweisen Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen SPD und Grünen hätten viele potenzielle FDP-Wähler wohl eher SPD gewählt.

Daneben hätten aber natürlich die Geschehnisse in Thüringen - also die Ministerpräsidentenwahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD - eine Rolle gespielt. Dies sei eine "ganz schwierige Situation im Wahlkampf" gewesen. "Da sind viele derjenigen, die wir erreichen können, natürlich und zu recht irritiert gewesen", sagte er. "Da muss Vertrauen erst wieder wachsen, das ist doch völlig klar nach so einem Ereignis."

Angesprochen auf persönliche Konsequenzen, sagte er in der ARD: "Die Frage stellt sich nicht." Er habe sich nach den Entwicklungen in Thüringen einer Vertrauensabstimmung gestellt und sei bestätigt worden. "Wir gewinnen gemeinsam und verlieren auch gemeinsam", sagte Lindner.

Hochrechnung: Klarer Wahlsieg für Rot-Grün in Hamburg - CDU stürzt ab

19:15 Uhr: SPD und Grüne haben die Bürgerschaftswahl in Hamburg klar gewonnen. Die Sozialdemokraten kommen nach einer ersten Hochrechnung der ARD auf 37,6 Prozent der Stimmen. Die Grünen können ihr Ergebnis demnach auf 25,4 Prozent mehr als verdoppeln. Rot-Grün kann damit weiterregieren. Die CDU stürzt auf 11,4 Prozent, das ist ihr bundesweit schlechtestes Landtagswahlergebnis seit fast 70 Jahren. Die AfD muss mit 4,7 Prozent, die FDP mit 5,0 Prozent um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft bangen.

Grünen-Spitzenkandidatin Fegebank sieht Partei für Koalition gestärkt

19:07 Uhr: Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Spitzenkandidatin der Grünen, Katharina Fegebank, sieht in dem Ergebnis ihrer Partei bei der Bürgerschaftswahl den klaren Auftrag, die rot-grüne Koalition fortzuführen. Sie leite den Auftrag ab, dass es so weitergehen soll, sagte Fegebank am Sonntag in der ARD - "mit deutlich starken Grünen". Auf die Frage, ob die Stadt noch nicht bereit gewesen sei, für eine Frau an der Spitze oder nicht bereit für eine Grüne, sagte Fegebank: "Die Zustimmungswerte für die rot-grüne Koalition sind deutlich. Zwei Drittel sind zufrieden gewesen mit Rot-Grün." Die bisherige Wissenschaftssenatorin kündigte an, sehr selbstbewusst in Koalitionsverhandlungen zu gehen - und vor allem mit Themen wie Klimaschutz, Verkehrswende und das Voranbringen einer offenen Gesellschaft.

19:03 Uhr: Prognosen, Hochrechnungen, Sitzverteilung, Gewinn- und Verlustrechnungen, mögliche Koalitionen und vieles mehr zur Hamburger Bürgerschaftswahl finden Sie hier in unserem Artikel "So hat Hamburg gewählt" - die Zahlen dort werden laufend aktualisiert, bis das endgültige Ergebnis ausgezählt ist.

Am Wahlsonntag stehen zwei Wahlplakate im Regen, sie werben für Katharina Fegebank (Grüne) beziehungsweise Peter Tschentscher (SPD).

Tschentscher will zunächst mit Grünen sondieren

18:54 Uhr: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat sich hocherfreut über den sich abzeichnenden Sieg seiner Partei bei der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt gezeigt. "Was für ein großartiger Abend", sagte Tschentscher am Sonntagabend auf der Wahlparty der SPD in Hamburg.

Als sich die Sozialdemokraten vor zwei Jahren nach dem Weggang des damaligen Bürgermeisters Olaf Scholz als Bundesfinanzminister nach Berlin neu aufgestellt hätten, sei das alles nicht selbstverständlich gewesen. Die Hamburger SPD bleibe die führende, bestimmende Kraft in der Hansestadt, sagte Tschentscher.

Für Tschentscher ist eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition naheliegend. "Wir haben immer gesagt, dass Rot-Grün die naheliegende Option ist - das gilt auch jetzt. Wir werden als erstes auch mit den Grünen sprechen, sondieren", sagte Tschentscher am Sonntagabend im ZDF. Rot-Grün habe erfolgreiche Arbeit gemacht.

Die Grünen-Bürgermeisterkandidatin Katharina Fegebank sprach sich ebenfalls für eine Fortführung der Zusammenarbeit aus. "Wir haben eine sehr erfolgreiche Koalition gehabt die letzten fünf Jahre. Und ich sehe nicht, warum das nicht wieder funktionieren sollte mit einem deutlich stärkeren Votum für die Grünen", sagte Fegebank.

Habeck: Fulminantes Grünen-Ergebnis als Auftrag im Bund

18:51 Uhr: Grünen-Chef Robert Habeck hat die starken Zugewinne der Grünen bei der Hamburger Bürgerschaftswahl als "fulminantes" Ergebnis und Auftrag auch im Bund begrüßt. Es sei historisch das zweitbeste Wahlergebnis auf Landesebene für die Grünen überhaupt, sagte Habeck am Sonntag in Berlin. Zu verdanken sei das auch dem "Mut, Ja zu sagen, aus der Herausforderer-Position um Platz eins zu kämpfen". So habe Hamburg eine "echte Wahl" gehabt.

Das Ergebnis unterstreiche für die Grünen im Bund nach dem Anschlag von Hanau und der Thüringer Regierungskrise, "was wir in dieser Zeit leisten müssen: Nämlich, für die Breite der Gesellschaft, für die Stabilität der Demokratie, für die Beunruhigung und die Angst der Menschen vor Sicherheitsverlust Antworten zu geben". Die Partei nehme aus Hamburg den Auftrag mit nach Berlin, daran zu arbeiten, dem Land Stärke und Orientierung zu geben, sagte Habeck.

CDU-Mann Tobias Hans nach Hamburg-Wahl: "Ergebnis, das uns aufschrecken muss"

18:49 Uhr: Der saarländische Ministerpräsident und CDU-Chef Tobias Hans sieht in dem sich abzeichnenden Abschneiden seiner Partei bei der Hamburger Bürgerschaftswahl "ein Ergebnis, das uns aufschrecken muss, auch als Bundespartei". Die CDU habe vor allem nach der Krise in Thüringen "ein aktuelles Bild der Führungslosigkeit" abgegeben, sagte Hans am Sonntagabend in der ARD. Es sei der Eindruck entstanden, dass der CDU der Kompass fehle. Es sei deshalb an der Zeit, "hier und jetzt auch schnelle Entscheidungen zu treffen, in Thüringen, aber auch im Bund Klarheit zu schaffen".

Ziemiak: Bitterer Tag für CDU

18:36 Uhr: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat das Desaster seiner Partei in Hamburg mit dem schlechtesten Ergebnis bei einer Landtagswahl seit 70 Jahren auch mit der Regierungskrise in Thüringen begründet. "Es ist ein bitterer Tag für die CDU Deutschlands", sagte Ziemiak am Sonntagabend nach den heftigen Verlusten seiner Partei bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg. "Die Ereignisse in und um Thüringen haben nicht geholfen, dass die CDU in Hamburg auf ihre Konzepte, auf ihre Pläne für Hamburg hinweisen konnte."

Ziemiak ergänzte: "Das, was in Thüringen passiert ist und alle Diskussionen, die mit Thüringen in Zusammenhang waren, waren alles andere als Rückenwind für die Wahlkämpfer der CDU in Hamburg." Alles weitere werde die Parteispitze an diesem Montag im Präsidium und Vorstand beraten.

Ziemiak gratulierte dem Wahlsieger Peter Tschentscher (SPD) und sagte, es sei in Hamburg vor allem um ein Duell zwischen dem Amtsinhaber Tschentscher und den Grünen gegangen

Linke-Chefin Kipping sieht "Abstrafung"

18:34 Uhr: Nach Überzeugung der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping sind bei der Hamburger Bürgerschaftswahl CDU und FDP für das Desaster in Thüringen abgestraft worden. "Die Krise der Union geht weiter", sagte Kipping am Sonntag. Die zentrale Botschaft des Wahlabends sei: "Die Parteien, die im Zweifelsfall für die AfD stimmen, sind abgestraft worden." Kipping zeigte sich zuversichtlich, dass die Linke bei der Wahl in Hamburg zugelegt habe.

Suding macht Thüringen für schlechtes FDP-Ergebnis in Hamburg mitverantwortlich

18:33 Uhr: Hamburgs FDP-Chefin Katja Suding hat die Vorgänge in Thüringen mitverantwortlich gemacht für das schwache Abschneiden ihrer Partei. Zuerst habe die FDP wie die CDU das Problem gehabt, im Wettrennen zwischen SPD und Grünen aufgerieben zu werden und unterzugehen. "Und dann kam Thüringen dazu. Wir kennen ja auch schon erste Zahlen, die zeigen, dass das für unsere Wähler durchaus eine Bedeutung gehabt hat. Deswegen war es ganz wichtig, dass wir uns hier in Hamburg auch ganz klar distanziert haben von den Vorgängen in Thüringen", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende am Sonntag im NDR.

Hamburgs AfD-Spitzenkandidat sieht "Ausgrenzungskampagne"

18:29 Uhr: AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann hat nach dem möglichen Ausscheiden seiner Partei aus der Hamburgischen Bürgerschaft vom "Ergebnis einer maximalen Ausgrenzungskampagne" gesprochen. Die ganze Zeit habe die AfD konstant bei etwa 7 Prozent gelegen, nach Thüringen sei es dann aber runter gegangen, sagte Nockemann am Sonntag im NDR. Er betonte aber, es handele sich um nur eine Prognose. Er sei noch zuversichtlich.

Hamburg-Wahl 2020: Scholz erhofft sich Push für Berliner SPD

18:19 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhofft sich vom überraschend guten Ergebnis der SPD bei der Hamburger Bürgerschaftswahl einen Push auch für die SPD im Bund. Er sei "super glücklich" über das Ergebnis der Hamburger SPD, sagte Scholz am Sonntagabend nach den Wahlen zur Bürgerschaft in der Hansestadt. Dort hatte die SPD nach der ARD-Prognose 37,5 Prozent erhalten und kann weiterregieren.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat den Wahlsieg in Hamburg als großen Erfolg für die SPD vor Ort bezeichnet. "Was man sieht: Dort, wo die SPD stark aufgestellt ist, wo sie geschlossen ist, wo sie klar auch auf die Themen setzt, da kann die SPD erfolgreich sein. Und das ist dann auch was, woran wir im Bund arbeiten", sagte Klingbeil am Sonntagabend im ZDF. Auch die klare Haltung gegen Rechts habe geholfen, dass die SPD erkennbar gewesen sei.

Die schwere Niederlage der CDU sei kein Grund für Genugtuung oder Häme, betonte Klingbeil. Das Ergebnis gehe auch darauf zurück, dass die Union unklar sei - in ihrer Abgrenzung nach rechts, in ihrem Umgang mit der AfD, mit ihrem Kurs in Thüringen. "Das grenzt ja schon an Peinlichkeit, wie sich die CDU da in Thüringen verhält", sagte Klingbeil.

Erste Prognose zur Hamburg-Wahl 2020: Rot-Grün gewinnt, CDU stürzt ab

18:00 Uhr: Hamburg hat gewählt. Laut ersten Prognosen der ARD kommt die SPD bei der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt auf 37,5 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 25,5 Prozent. Beide Parteien werden wohl die seit 2015 bestehende Koalition fortführen, so hatten sie es bereits im Wahlkampf angekündigt.

Die CDU erlebt hingegen ein Desaster. Für die Christdemokraten votierten nur noch 11,5 Prozent der Wähler – so wenig wie noch nie in der Hansestadt. Für die Linkspartei stimmten 9,0 Prozent der Wahlberechtigten. FDP (5,0 Prozent) und AfD (4,7 Prozent) müssen sogar um ihren Wiedereinzug ins Rathaus bangen. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,0 Prozent.

Der Landeswahlleiter wird gegen 22:30 Uhr die voraussichtliche Verteilung der 121 Sitze in der Bürgerschaft bekannt geben. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird aufgrund der komplizierten Stimmenauszählung erst für Montagabend erwartet. Mehr als 1,3 Millionen Wahlberechtigte ab 16 Jahren waren zur Wahl der neuen Bürgerschaft aufgerufen.

Warum Deutschland nach Hamburg blickt

17:22 Uhr: Die Wahllokale in Hamburg schließen um 18:00 Uhr, mit Spannung wird das Ergebnis erwartet. Weniger die Sieger, laut Umfragen dürften das SPD und Grüne sein, vielmehr die Verlierer stehen im Fokus: Die CDU könnte ihr schwächstes Ergebnis jemals in der Hansestadt einfahren. Bereits 2015 kam die Partei auf nur noch 15,9 Prozent der Stimmen - nachdem die Christdemokraten Hamburg Mitte der 2000er Jahre noch allein regierten.

Zittern muss auch die FDP. Sie könnte unter die Fünfprozenthürde rutschen und damit wieder aus dem Rathaus fallen. Wie die CDU stehen die Freien Demokraten seit der Regierungskrise in Thüringen stark unter Druck. Ihnen könnte die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten mit Stimmen von CDU und AfD schaden.

Aber auch die AfD selbst könnte unter Umständen einen Wiedereinzug verpassen. Der Partei wird eine Mitverantwortung für die Gewalttat von Hanau gegeben. Ein 43 Jahre alter Deutscher hatte dort am Mittwochabend neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher gibt seine Stimme für die Bürgerschaftswahl ab.

16:41 Uhr: In Kürze schließen in Hamburg die Wahllokale. Doch eines ist schon vorab klar: Die Wahlbeteiligung wird höher als vor fünf Jahren sein. Bis 16:00 Uhr gaben 57,0 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie das Landeswahlamt mitteilte. Bei der Berechnung der Wahlbeteiligung sind auch die Briefwähler berücksichtigt.

Bei der Bürgerschaftswahl 2015 hatte am Ende die Beteiligung 56,5 Prozent betragen und war damit auf den niedrigsten Stand seit 1949 gefallen. Die Wahllokale schließen um 18:00 Uhr.

Hamburg-Wahl 2020: Fast jeder Zweite hat schon abgestimmt

14:27 Uhr: Trotz regnerisch-ungemütlichem Wetter am Tag der Hamburger Bürgerschaftswahl liegt die Wahlbeteiligung höher als bei den vergangenen Wahlen.

Bis 14:00 Uhr gaben bereits 46,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie das Landeswahlamt mitteilte. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 hatten bis zu diesem Zeitpunkt 38,5 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt, 2011 waren es 43,2 Prozent.

Vor fünf Jahren war die Wahlbeteiligung insgesamt auf das historische Tief von 56,5 Prozent gefallen. Landeswahlleiter Oliver Rudolf hatte sich zuvor zuversichtlich geäußert, dass die Beteiligung diesmal wieder auf über 60 Prozent steigt. Schon am Vormittag hatte sich angedeutet, dass mehr Menschen ihre Stimmen abgeben könnten (siehe 11:46 Uhr).

14:11 Uhr: Ein paar interessante Zahlen zu Wahl in Hamburg: 44 Jugendliche feiern am Wahltag ihren 16. Geburtstag und dürfen so als jüngste Wahlberechtigte an der Bürgerschaftswahl teilnehmen. Nur etwas mehr als 5 Prozent der Wahlberechtigten sind unter 21 Jahren alt, wohingegen 18 Prozent über 70 Jahre alt sind.

Insgesamt kandieren 733 Personen, davon stehen 179 sowohl auf einer Landes- als auch auf einer Wahlkreisliste. Der älteste Kandidat ist 89 Jahre, die fünf jüngsten sind jeweils 18 Jahre alt.

Die Wahlleitung hat 5.400 Wahlkabinen für die Stimmabgabe bestellt, die in 1.283 verschiedenen Urnenwahllokalen aufgestellt werden. Alle Wahlzettel übereinandergelegt würden einen Stapel von 2.000 Meter Höhe ergeben.

12:09 Uhr: Bei der Bürgerschaftswahl dürften die hohen Wohnkosten in der Hanstestadt aus Sicht von Frank Spilker eine wichtige Rolle spielen. Der 53-Jährige ist Sänger der Hamburger Indie-Pop-Band "Die Sterne".

Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt sei für viele Hamburger Wähler "ganz entscheidend", sagte Spilker der Deutschen Presse-Agentur. "Früher betraf das vielleicht die Bohème. Heutzutage ist es (...) ein Mainstream-Thema, dass quasi kleine Beamte sich nicht mal mehr eine Wohnung in den Städten leisten können."

Die hohen Preise hätten "massiven Einfluss auf die soziale Kultur", sagte Spilker. Das gelte nicht nur für Hamburg, sondern auch für andere Regionen. Es stelle sich auch die Frage, ob "es denn wirklich nicht möglich ist, sich zu wehren als Gemeinschaft gegen diese Spekulationsblasen".

Bei der Frage nach seiner Wunschkoalition hielt sich der Sänger dagegen bedeckt: "Ich finde, man sollte den Leuten die Fantasie überlassen, aus dem, was man so künstlerisch äußert, selber zu schließen, wo man politisch steht."

Höhere Wahlbeteiligung als bei vergangenen Wahlen in Hamburg

11:46 Uhr: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg zeichnet sich am Sonntagmorgen eine höhere Wahlbeteiligung als bei der Wahl vor fünf Jahren ab. Fast jeder dritte Wahlberechtigte hat schon gewählt.

Laut Landeswahlleitung gaben bis 11:00 Uhr bereits 29,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Im Jahr 2015 hatte die Beteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 24,2 Prozent gelegen (2011: 25,7 Prozent). Bei der Berechnung sind auch Briefwähler berücksichtigt.

11:00 Uhr: Die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen zur Bürgerschaftswahl in Hamburg haben am Sonntag ihre Stimmen abgegeben. Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD warf seinen Wahlschein am Vormittag im Bürgerhaus Barmbek in die Urne.

Seine Grünen-Herausforderin, die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, tat dies fast gleichzeitig in der Berufsschule Uferstraße in der Hansestadt. In den Umfragen lag die SPD zuletzt deutlich vor den Grünen.

10:15 Uhr: Der Landeswahlleiter rechnet mit einer höheren Wahlbeteiligung als 2015, berichtet der NDR. Vor fünf Jahren gingen nur 56,5 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen. Vorab haben diesmal bereits mehr als 300.000 der über 1,3 Millionen Wähler per Briefwahl abgestimmt.

Seit 2001 ist die Wahlbeteiligung bei jeder Hamburger Bürgerschaftswahl gesunken. Vor 19 Jahren lag diese noch bei 71,0 Prozent.

08:10 Uhr: In Hamburg hat am Sonntag die Bürgerschaftswahl begonnen. Um 8:00 Uhr öffneten die 1283 Wahllokale in der Hansestadt. Wahlberechtigt sind über 1,3 Millionen Hamburger ab 16 Jahren. Mehr als 300.000 von ihnen beantragten Briefwahlunterlagen.

Die Hamburger haben die Wahl zwischen 15 Parteien mit 348 Kandidaten auf der Landesliste. Weitere 564 Bewerber stehen auf den Wahlkreislisten.

Die letzten Umfragen vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg

Die Sozialdemokraten um den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher lagen zuletzt bei Werten zwischen 37 und 39 Prozent sehr deutlich vor den anderen Parteien. Die Grünen um Vizebürgermeisterin Katharina Fegebank, die mit der SPD seit 2015 eine rot-grüne Koalition bilden, erreichten als zweitstärkste Kraft 23 bis 25 Prozent.

Die übrigen Parteien sind abgeschlagen: Die CDU kam in aktuellen Umfragen auf zwölf bis 14 Prozent, die Linke verbuchte dabei zwischen acht und achteinhalb Prozent für sich. Die AfD kam auf sechs bis sieben Prozent, die FDP musste bei Umfragewerten zwischen viereinhalb und fünf Prozent ebenso um den Wiedereinzug ins Parlament bangen.

Damit sieht bislang alles so aus, als ob SPD und Grüne ihre Koalition nach der Wahl mit komfortabler Mehrheit weitere fünf Jahre fortsetzen könnten. Beide Parteien bezeichneten dies vorab als ihre bevorzugte Variante.

Wahl in Hamburg: Die entscheidenden Themen

Tschentscher hatte im Wahlkampf massiv das Thema Klimaschutz besetzt, das traditionell eher mit den Grünen verbunden wird: "Grüner wird's nicht" war einer seiner Slogans. Daneben bestimmten lange die Themen Mieten und Verkehr den Wahlkampf.

Auf den letzten Metern schlug eine eigentlich alte Geschichte hohe Wellen. Medien hatten über angeblich nicht eingeforderte Steuerrückforderungen gegenüber der im "Cum-Ex"-Skandal unter Verdacht stehenden Warburg-Bank berichtet. Bürgermeister Tschentscher wies den Vorwurf der politischen Einflussnahme zurück.

Das wichtigste zur Wahl in Hamburg

So lange mussten die Hamburger seit 1949 noch nie auf eine Wahl warten: Nach fünf Jahren können sie am Sonntag die Zusammensetzung der Bürgerschaft neu bestimmen. Wird SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher seinen Posten verteidigen?

  • Wahlberechtigt sind am Sonntag mehr als 1,3 Millionen Hamburger ab 16 Jahren. Um die 121 Sitze im Hamburger Parlament bewerben sich 15 Parteien auf den Landeslisten, zwei mehr als bei der Wahl vor fünf Jahren.
  • Die Zweite Bürgermeisterin und Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank will das Amt des Ersten Bürgermeisters von Peter Tschentscher übernehmen und dessen SPD zum Juniorpartner machen. In den vergangenen Wochen sahen Meinungsforscher allerdings die SPD beständig in Führung.
  • Seit der Bürgerschaftswahl 2011 hat Hamburg ein neues Wahlsystem, das auch die Auszählung kompliziert macht: Jeder Wähler kann zweimal fünf Stimmen vergeben und diese beliebig auf Parteien und Personen verteilen oder anhäufen.
  • Der Landeswahlleiter wird am Sonntagabend gegen 22:30 Uhr lediglich die voraussichtliche Verteilung der 121 Sitze in der Bürgerschaft bekannt geben können. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird erst für Montagabend erwartet.
  • Die wahrscheinlichste Regierungsvariante ist die Fortsetzung der rot-grünen Koalition - sowohl Tschentscher als auch Fegebank hatten dies als naheliegend bezeichnet.
  • Mit Spannung wird ebenso das Abschneiden von CDU und FDP erwartet. Beide Parteien stehen seit der Regierungskrise in Thüringen stark unter Druck. Ihnen könnte die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten mit Stimmen von CDU und AfD geschadet haben.

Welche Parteien stehen zur Wahl?

  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
  • Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)
  • Christliche Demokratische Union Deutschlands (CDU)
  • Alternative für Deutschland (AfD)
  • Die Linke (Linke)
  • Freie Demokratische Partei (FDP)
  • Freie Wähler (FREIE WÄHLER)
  • Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
  • Partei der Humanisten (Die Humanisten)
  • Partei für Gesundheitsforschung (Gesundheitsforschung)
  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei)
  • Piratenpartei Deutschland (Piraten)
  • Volt Deutschland Landesverband Hamburg (Volt)
  • Aktion für Tierschutz - das Original (Tierschutz hier! Hamburg)
Mit Material der dpa und der AFP.
Teaserbild: © picture alliance/Christian Charisius/dpa