In der ARD-"Wahlarena" stellt sich Kanzlerin Angela Merkel live den Zuschauerfragen. Nicht bei jedem kommt sie dabei gut an - punktet aber mit einem emotionalen Moment.

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75 Minuten lang stellte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagabend live den Zuschauerfragen in der ARD-"Wahlarena". Und die hatten es durchaus in sich. Die Kanzlerin musste sich viel Kritik anhören, unter anderem von einem jungen Pfleger, der den Fachkräftemangel anprangerte.

Junge Frau kritisiert Spätabbruch

Doch dann gelang der zuweilen kühl und unnahbar wirkenden Kanzlerin ein ungewöhnlicher Moment. Die 18-jährige Natalie Dedreux, die mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, stellte ihr die vielleicht schwerste Frage des Abends - eine sehr emotionale.

Doch das öffentliche Emotionen und Empathie eine Schwachstelle Merkels sind, hatte sich bereits in der Vergangenheit gezeigt.

Unvergessen ihre recht nüchterne Reaktion auf das weinende Mädchen Reem Sahwil aus dem Libanon, das Angst vor seiner Ausweisung hatte.

"Wahlarena": Studiogäste zeigen sich enttäuscht von Antworten.


Und nun eine erneut heikle Situation für die Kanzlerin, dazu auch noch live im TV.

Die junge Frau erklärte Merkel, dass neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom nicht zur Welt kämen, da sie bis wenige Tage vor der Geburt abgetrieben werden dürfen.

"Wie stehen Sie zu dem Thema Spätabbruch? Ich will nicht abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben", sagte sie.

Merkels Antwort beginnt mit einer Geschichte aus ihrer Kindheit. Sie sei auf einem Gelände mit geistig behinderten Kindern aufgewachsen. Diese hätten überhaupt keine Förderung bekommen.

"An Ihnen sieht man, was man mit guter Förderung und Betreuung machen kann. Das ist ganz toll", erklärte die Kanzlerin.

Merkel: "Viele Eltern haben Angst"

"Viele Eltern haben Angst davor, mit einem behinderten Kind sehr viele Schwierigkeiten zu haben", sagte Merkel.

Sie erzählte weiter, dass vor allem ihr Fraktionschef Volker Kader sich jahrelang bemüht habe, die Regeln zu verändern.

Immerhin hätten sie durchgesetzt, dass vor einem Spätabbruch noch ein explizites Beratungsgespräch geführt werden müsse. Sie verwies allerdings auch auf die Entscheidungsfreiheit der Eltern.

Im Verlauf ihrer Antwort bewegte sich die Kanzlerin weg von ihrem Rednerpult und ging einige Schritte auf die junge Frau zu, stellte auch ein paar persönliche Fragen.

"Wenn man sieht, was für ein toller Mensch Sie sind, dann ist es richtig gewesen, dass wir darüber noch einmal nachgedacht haben", schloss Merkel und munterte die junge Frau auf: "Sagen Sie so etwas immer wieder. Es steckt so viel in jedem." (ms)

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