Der Wahl-O-Mat flimmert gerade über sämtliche Bildschirme der Bundesrepublik. Knapp und präzise präsentiert er als Meinungsfindungsinstrument für die Bundestagswahl verschiedene Thesen der Parteien. Mit deren Hilfe kann der interessierte Bürger seine politische Neigung herausfinden. Doch funktioniert das wirklich? Wir haben ihn getestet.

Bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren nur drei Parteien, die Unionsparteien, SPD und die FDP, im deutschen Parlament vertreten. Für die meisten Bundesbürger war ohne Nachdenken klar, wo sie ihr Kreuz bei einer Wahl setzen würden.

Nur die wenigsten Bundesbürger identifizieren sich heute noch eindeutig mit einer Partei, was für viele die Hürde zur Wahl zu gehen so erhöht, dass sie lieber gleich daheim bleiben. Vor elf Jahren wurde der Wahl-O-Mat deshalb von der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt und kommt nun bei fast allen Bundestags-, Landtagswahlen und der Europawahl zum Einsatz. Er soll die Unentschlossenen bei der Entscheidungsfindung unterstützen und die Nichtwähler überhaupt motivieren zu wählen.

Der Wahl-O-Mat ist im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 das beliebteste Internet-Tool, mit dem seine Nutzer herausfinden können, welcher Partei sie am 22. September ihre Stimme geben wollen.

Wer wird Deutschland künftig regieren? Das vorläufige Endergebnis.

Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat stellt 38 Thesen vor, die 28 Parteien im Vorfeld beantwortet haben. Wenn man sich durch das Internet-Tool geklickt und seine Meinung mit den einzelnen Thesen angeklickt hat, spuckt es am Ende in einer Rangliste die Parteien aus, die den Ansichten des Nutzers am nächsten liegen.

Die Handhabung ist einfach, leicht verständlich, und durch die kurze knackige Darstellung der Sachthemen ist es für jedermann einfach, eine Meinung zu finden. Und wenn sich keine Meinung einstellen mag, funktioniert es trotzdem, denn es gibt ja noch "neutral" zum Anklicken. Bei zu viel neutralen Meinungen kommt er aber zu keinem Ergebnis.

Was kommt raus?

Mein Ergebnis überrascht, denn bisher war mir nicht klar, dass meine politischen Ansichten am meisten mit denen der Piraten übereinstimmen - und ich war nicht die einzige in der Redaktion, der das Ergebnis völlig neue Erkenntnisse über die eigene politische Neigung brachte.

Da schließt sich natürlich sofort die Frage an, ob denn der Wahl-O-Mat überhaupt sinnvoll ist, wenn eh nicht das "Richtige" rauskommt. Diese Frage lässt sich trotzdem mit einem klaren "Ja" beantworten. Für mich stellt er zwar so keine echte Wahlentscheidungshilfe dar, aber für Unentschlossene bietet er auf jeden Fall eine politische Richtung an, die sie weiterverfolgen können.

Außerdem bereitet er die wichtigsten Wahlkampfthemen kurz und bündig auf. Viele kommen so überhaupt zum ersten Mal mit den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien in Kontakt. Und so steht man dann nicht völlig unvorbereitet bei der Bundestagswahl in der Wahlkabine. Und er fördert auf jeden Fall die politische Diskussion, denn das Ergebnis ist in jedem Fall diskussionswürdig.