Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat auf dem Parteitag seiner Partei Mut gemacht für den Bundestagswahlkampf und die Sozialdemokraten zum Kämpfen aufgerufen. Gleichzeitig kritisierte er Kanzlerin Angela Merkel, die Linkspartei - und Donald Trump.

"Nichts ist entschieden", versicherte Ex-Kanzler Gerhard Schröder am Sonntag beim SPD-Bundesparteitag in Dortmund und sprach seiner Partei angesichts schlechter Umfragewerte zunächst Mut zu.

"Es ist noch viel Zeit, um die Stimmung zu drehen." Nötig seien Disziplin, Geschlossenheit, aber auch Selbstbewusstsein.

"Nicht Journalisten, nicht Umfragemenschen entscheiden die Wahl", sagte Schröder. Ausschlaggebend seien die Wähler, und viele träfen ihre Entscheidung erst am Wahltag. "Dies ist unsere Chance."

Die SPD müsse bis zum Wahltag um jede Stimme kämpfen. Die Partei müsse das Kanzleramt aber auch wollen. "Nur wer dieses Amt unbedingt will, wird es auch bekommen", mahnte er. "Auf dem Weg in dieses Amt darf es eben keine Selbstzweifel geben."

Das gelte für den Kandidaten, aber auch für den Rest der Partei. Martin Schulz habe deutlich gemacht, dass er Kanzler werden wolle. Andere müssten das auch verinnerlichen.

Gerhard Schröder erinnert an 2005

Schröder erinnerte an den Bundestagswahlkampf 2005 - mit ihm als Spitzenkandidat. Die Umfragen seien damals auch schlecht gewesen, viele hätten die SPD bereits abgeschrieben. "Aber wir haben gekämpft und wir haben aufgeholt", sagte er.

Am Ende habe die CDU gerade mal 35,2 Prozent erreicht, die SPD 34,2 Prozent. Auch wenn es nicht gereicht habe, sei die Aufholjagd enorm gewesen. "Was damals ging, das geht heute auch", rief er den Delegierten in Dortmund zu. "Auf in den Kampf! Venceremos!" (Spanisch für: Wir werden siegen)

Anschließend attackierte er die Union scharf - und machte ihr Vorwürfe. So wäre man bei der Zukunftssicherung der Sozialsysteme oder beim Thema Bildungsgerechtigkeit weiter, wenn die SPD zuletzt den Kanzler gestellt hätte.

Dann griff er Kanzlerin Angela Merkel direkt an und sagte, dass die Spaltung Europas auch "auf das Konto von Merkel und Schäuble" gehe.

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Schröder kratzt an Merkels Glaubwürdigkeit

Desweiteren hält er die Kritik von Merkel an den USA für unglaubwürdig. "Wenn ich gegenwärtig höre, wer sich im Moment so alles von Amerika emanzipieren will, da wundere ich mich schon - selbst über Auftritte in bayerischen Bierzelten", sagte er.

"Ich erinnere mich immer an diejenigen, die den Amerikanern in jeden, auch in den Irak-Krieg folgen wollten."

Schröder spielte damit auf die "Bierzeltrede" Merkels nach dem G7-Gipfel in Sizilien an, in der die Kanzlerin im Mai sagte, die USA seien kein ganz verlässlicher Partner mehr und Europa müsse sein Schicksal in die eigene Hand nehmen.

Schröder sieht darin einen Widerspruch zur früheren USA-Politik Merkels in der Opposition.

Schröder hatte 2003 als Kanzler eine Beteiligung am Irak-Krieg abgelehnt. Die damalige Oppositionsführerin Merkel hatte ihn dafür scharf kritisiert. Schröder warf ihr vor, die SPD damals als "antiamerikanisch" kritisiert zu haben - "was wir weder jemals waren, noch sein können".

Schröder: "Müssen Trump offen und hart kritisieren"

Schröder rief dazu auf, die Politik von US-Präsident Donald Trump offen und hart zu kritisieren. "Wir müssen einem Präsidenten Trump selbstbewusst entgegentreten", sagte er.

Er unterstützte Schulz in der Ablehnung des Nato-Ziels, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.

Dieses Ziel "sei niemals beschlossen worden, und darauf müssen wir bestehen". Die Nato hat allerdings 2014 beschlossen, sich diesem Ziel anzunähern und das in diesem Jahr noch einmal auf einem Gipfeltreffen in Brüssel bekräftigt.

Schröder geht auch die Linkspartei an

Nicht nur die CDU, auch die Linkspartei hat Schröder scharf angegriffen. Dort treffe man "dubiose Forderungen" an, sagte Schröder. Dagegen sei das Steuer- und Rentenkonzept der SPD verantwortungsbewusst.

"Denn wir können nur das verteilen, was vorher geschaffen worden ist", sagte Schröder, der als Bundeskanzler mit den Grünen koalierte und bekanntlich kein Freund einer rot-rot-grünen Koalition mit Linken und Grünen ist.

Diese könnte aber eine Möglichkeit für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sein, Angela Merkel (CDU) abzulösen. Allerdings hat das Bündnis im Umfragen derzeit keine Mehrheit.

Zum Parteitag in der Westfalenhalle haben sich mehr als 5.000 Besucher angemeldet. Sie wollen das Wahlprogramm unter dem Titel "Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken" beschließen. (cai/dpa)