Mit dem Triumph der FPÖ beim Vorentscheid um das Amt des Bundespräsidenten in Österreich sehen sich Parteien von Rechtsaußen in Europa beflügelt. Kündigt sich ein Rechtsruck in ganz Europa an? Die internationalen Pressereaktionen zeigen zum Großteil deutlich in eine Richtung.

Tagesschau.de (Deutschland): "Für Österreich ist es ein politisches Erdbeben. Mit Folgen auch für Deutschland und die EU. Dieser Wahlsonntag war ein Warnschuss. Österreich ist deutlich weiter nach rechts gerückt."

The Telegraph (Großbritannien): "Das Resultat könnte das Ende eines von den zwei etablierten Parteien (SPÖ und ÖVP) dominierten politischen Systems bedeuten, das in Österreich seit Ende des Zweiten Weltkriegs besteht."

"Report" analysiert das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl.

La Repubblica (Italien): "Der Erfolg des Kandidaten der extremen Rechten kam selbst für die Buchmacher unerwartet. Wer nach den tieferen Gründen für die österreichische Wende sucht, der braucht sich nur den Slogan der Liberalen zum brennendsten Thema anzuschauen.

'Null-Zuwanderung': Das ist die Lösung, die Strache und die Seinen vorschlagen. Jörg Haider, der Parteigründer, würde grinsen, wenn er noch am Leben wäre."

NZZ (Schweiz): "Auch etwa in Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Schweden oder Großbritannien befinden sich die jahrzehntelang das Staatswesen dominierenden traditionellen Volksparteien auf dem Rückzug.

Sie werden bedrängt durch aufstrebende Protestparteien am rechten Rand, erst recht derzeit im aufgeheizten Kontext der Flüchtlingskrise: Schwedendemokraten, Front National, Alternative für Deutschland, United Kingdom Independence Party.

Doch die Ursache dafür den sogenannten Rechtspopulisten in die Schuhe zu schieben, wäre zu einfach. Die Flüchtlingskrise ist nur ein Faktor dieser Entwicklung und nicht der wichtigste.

Gazeta Wyborcza (Polen): "Österreich wird gewiss das erste Land der EU sein, an dessen Spitze ein Präsident einer äußerst rechten Partei sein wird. Doch das ist erst der Anfang, wenn die FPÖ im Jahr 2018 die Wahlen gewinnt und den Kanzler stellt.

Heute kann sie in Umfragen auf jede dritte Stimme zählen. (...) Die Erfolge der FPÖ sind für Europa jedoch eine schlechte Nachricht. (...) Hofers Sieg kann der Anfang einer Lawine sein. Die Liste der Länder, die von extrem rechten Parteien übernommen werden, könnte sich noch bedeutend verlängern."

Aftenposten (Norwegen): "Rechtspopulistische Parteien sind fast überall auf dem Vormarsch, während andere mehr oder weniger neue Parteien - grüne, linksradikale oder andere - in steigendem Grad den Widerstand bilden.

Manche würden das eine spannende Entwicklung nennen, andere gefährlich. Wenn traditionelle, moderate Parteien überleben wollen, ist es auf jeden Fall höchste Zeit, dass sie die Gefahren erkennen und anfangen, hart zu arbeiten."

Einige sehen im Erfolg der FPÖ eine Chance:

Felix Baumgartner lässt Freude über FPÖ-Triumph freien Lauf.

Magya Idök (Ungarn): "Die Österreicher wurden nicht von einem Tag auf den anderen zu Fremdenhassern, sondern sie wollen ein verschlissenes politisches System loswerden.

Sie wollen jene zwei Parteien verabschieden, die sich in den letzten 70 Jahren an der Macht und in den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen einbetoniert haben.

Diese Parteien pfuschten in der Flüchtlingskrise herum, scheiterten bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise, verdoppelten innerhalb eines Jahres die Arbeitslosigkeit und verstrickten sich in Korruptionsskandale. Die FPÖ verkörpert deshalb einerseits den Protest, andererseits die Erneuerung."

Lidove novinj (Tschechien): "Norbert Hofers Triumph ist ein weiteres Steinchen im Mosaik, das sich Aufstand gegen die Eliten nennt. Das belegt der zweite Platz für Alexander Van der Bellen, denn auch er ist weder ein Repräsentant der etablierten Sozialisten noch der Konservativen. (...) Das ständige Regieren in großen Koalitionen hat in Österreich keine Chance mehr."

(she/thp/dpa)