Erstmals seit acht Jahren hat Irans oberster Führer Ali Chamenei das traditionelle Freitagsgebet in der Imam-Chomeini-Moschee geleitet. Dabei predigte er nationale Einheit und attackierte sowohl die USA als auch Europa.

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Die jüngsten Proteste im Iran haben nach Worten des obersten iranischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei, keine Auswirkung auf den politischen Kurs des Landes. Das iranische Volk "will den Widerstand gegen die Weltmächte und keine Kapitulation, auch 41 Jahre nach der Revolution", sagte Chamenei beim Freitagsgebet in Teheran. Zum ersten Mal seit 2012 hatte er wieder das traditionelle Freitagsgebet geleitet.

"Wir haben keine Angst vor diplomatischen Verhandlungen", sagte Chamenei. Mit den USA und unter Druck wolle man aber nicht verhandeln. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hätten mit ihrem Verhalten - dem Anstoßen des Vermittlungsprozesses im Atomabkommen - gezeigt, dass auch auf sie kein Verlass sei. "Wir sollten nicht vergessen, dass sowohl Deutschland als auch Frankreich den Irak im Krieg gegen uns (1980 bis 1988) unterstützt haben", sagte der Ajatollah.

Chamenei: Trump und Pompeo sind "Clowns"

US-Präsident Donald Trump und seinen Außenminister Mike Pompeo bezeichnet Chamenei bei seiner Rede als "Clowns". Beide würden behaupten, sie stünden hinter der iranischen Bevölkerung. "Sie lügen, auch wenn sie zum iranischen Volk stehen würden, dann nur, um einen giftigen Dolch in die Brust des iranischen Volkes zu stoßen", sagte Chamenei.

Chamenei forderte die Iraner auf, keine Kompromisse mit dem Ausland einzugehen, sondern selbst stark zu werden. Die Abhängigkeit von Ölexporten müsse verringert werden, damit internationale Sanktionen und Einschränkungen geringere Auswirkungen auf das Land hätten.

US-Raketenangriff ein "feiger Terrorakt"

Den US-Raketenangriff auf den iranischen Top-General Ghassem Soleimani bezeichnete Chamenei als einen "feigen Terrorakt". Er würdigte die Reaktion der Iranischen Revolutionsgarden mit ihren Angriffen auf die US-Stützpunkte in Irak. "Noch wichtiger als der mutige Militärschlag gegen eine Weltmacht war der dadurch entstandene Imageschaden der USA", sagte Chamenei.

Ein paar Tage lang ging akute Angst um: Die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Iran schien größer denn je. Nun scheint das Schlimmste vorerst abgewendet. Doch der Konflikt schwelt schon länger - und ist noch lange nicht gelöst. Eine Chronologie.

Millionen Menschen seien zur Trauerfeier für den getöteten Soleimani auf die Straße gegangen, sagte Chamenei. Einige Hunderte, die ihn mit ihren Parolen beleidigt hätten, seien von feindlichen Medien im Ausland getäuscht worden. Sie würden den Willen des Volkes nicht ändern können, so der Ajatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Angeblich Zehntausende beim Freitagsgebet

Nach dem versehentlichen Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine durch das iranische Militär in der Nacht der Vergeltungsschläge gab es die Tage darauf in Teheran und weiteren Städten Proteste gegen den politischen Kurs im Land - viele der Opfer waren Iraner. Den Absturz der ukrainischen Maschine bezeichnete Chamenei als einen tragischen Vorfall, den er sehr bedauere.

Medienangaben zufolge nahmen Zehntausende am Freitagsgebet teil und bekräftigten die Aussagen Chameneis mit Parolen wie "Tod den USA" und "Keine Kompromisse, keine Kapitulation, nur Kampf gegen die USA". Das Freitagsgebet wurde auf mehreren TV-Kanälen übertragen. (dpa/mf)

Donald Trump bezeichnet getöteten iranischen General Qasem Soleimani als "Hurensohn"

Donald Trump hat den getöteten iranischen General Qasem Soleimani bei einem Wahlkampfauftritt in Milwaukee einen "Hurensohn" genannt. Nach Auffassung des US-Präsidenten hätte Soleimani bereits vor Jahren umgebracht werden sollen.