Einst war John Bolton der Sicherheitsberater von Donald Trump. Inzwischen ist er zu einem scharfen Kritiker des US-Präsidenten geworden. In einem TV-Interview hat er nun auch mit der Nordkorea-Politik Trumps abgerechnet.

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Der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, Bolton, ist scharf mit der Nordkorea-Politik von US-Präsident Donald Trump ins Gericht gegangen.

Er gehe davon aus, dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un sich über Trumps Sichtweise auf sein Verhältnis zu Pjöngjang "kaputt" lache, sagte Bolton am Sonntag (Ortszeit) im Sender ABC. Eine weitere Amtszeit Trumps würde den USA aus Boltons Sicht nachhaltig schaden.

Trump habe Briefe, die "von irgendeinem Funktionär aus der Propagandaabteilung der nordkoreanischen Partei der Arbeit verfasst worden" seien, als Beweis für seine "tiefe Freundschaft" zu Kim betrachtet, sagte Bolton. Darüber könne der nordkoreanische Machthaber nur gelacht haben, fügte er hinzu.

Südkorea widerspricht Darstellung von Bolton

Am diesem Dienstag erscheint Boltons Enthüllungsbuch "The Room Where It Happened", in dem er schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten erhebt. Das Weiße Haus hatte erfolglos versucht, die Veröffentlichung zu stoppen.

Inzwischen hat auch Seoul auf das Buch von Bolton reagiert, da der frühere Nationale Sicherheitsberater darin auch den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In im Zusammenhang mit den Treffen zwischen Trump und Kim ab dem Jahr 2018 kritisiert.

Bolton nennt den gesamten Annäherungsprozess an Kim eine "Schöpfung Südkoreas, die viel mehr Südkoreas Agenda der 'Vereinigung' diente und weniger einer ernsthafte Strategie von Kims oder unserer Seite".

Aus dem südkoreanischen Präsidentenbüro hieß es am Montag dazu, Bolton würde die Realität "verzerren" und bevorstehende Gespräche mit Kim gefährden. Im Zusammenhang mit Südkoreas Rolle wird in dem Buch auch mehrfach Chung Eui Yong genannt, Präsident Moons Sicherheitsberater.

Chung soll Trump zuerst gesagt haben, dass Kim sich treffen wolle. Chung bezeichnete Boltons Buch als "starke Verzerrung der Fakten". Außerdem verstoße die Offenlegung bilateraler Atomgespräche "grundlegenden diplomatischen Prinzipien".

Ex-Berater warnt vor zweiter Amtszeit Trumps

Im Gespräch mit dem Sender ABC warnte Bolton auch vor einer Wiederwahl Trumps im November. "Ich hoffe, die Geschichte wird Trump als Präsidenten mit nur einer Amtszeit erinnern, der das Land nicht unwiderruflich in eine Abwärtsspirale gestürzt hat, die wir nicht stoppen können. Eine Amtszeit können wir überstehen", sagte Bolton.

Er habe nicht die Absicht, im November für Trump oder den Demokraten Joe Biden zu stimmen. Stattdessen will Bolton "an einen konservativen Republikaner denken", wenn er seinen Wahlzettel ausfüllt.

Der Republikaner, der schon vielen US-Präsidenten diente, war im September 2019 nach weniger als anderthalbjähriger Amtszeit im Unfrieden aus dem Weißen Haus ausgeschieden. In zahlreichen außenpolitischen Fragen hatte er mit Trump über Kreuz gelegen.

Laut US-Medienberichten kritisiert Bolton in seinem Buch Trump auch dafür, seine gesamte Außenpolitik dem Ziel unterzuordnen, für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden. So habe er etwa an den chinesischen Staatschef Xi Jinping appelliert, ihm durch die Steigerung der chinesischen Agrarimporte aus den USA im Wahlkampf zu helfen. (afp/thp)

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