Die US-Demokraten wollen am heutigen Donnerstag Nancy Pelosi zur Vorsitzenden des Repräsentantenhauses wählen. Als "Speaker" würde die 78-Jährige erneut zur mächtigsten Politikerin der USA werden. Eine Position, mit der sie Präsident Donald Trump das Leben schwer machen dürfte.

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An diesem Donnerstag, wenn der US-Kongress erstmals in neuer Besetzung zusammenkommt, muss sich Präsident Donald Trump nach zwei Jahren im Amt erstmals mit einer Übermacht der oppositionellen Demokraten im Repräsentantenhaus auseinandersetzen.

Dabei wird es aller Voraussicht nach zu einem politischen Comeback kommen, das Trump unter Druck setzen dürfte. Denn die US-Demokraten wollen am Donnerstag Nancy Pelosi zur Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses wählen.

Als "Speaker" würde Pelosi, nach dem US-Präsidenten und dessen Vize, zur politischen Nummer drei im Staat. Und sie weiß, wie der Job funktioniert. Bereits von 2007 bis 2011 hatte sie den Posten inne - als erste Frau in der Geschichte des Landes.

Sollte Pelosi am Donnerstag wie geplant in ihr altes Amt zurückkehren, würde sie damit nicht nur zur mächtigsten Frau in der amerikanischen Politik, sondern auch zur wichtigsten Gegenspielerin von Donald Trump.

Nancy Pelosi: Eine geschickte Taktiererin

Die Demokratin wurde 1940 in Baltimore in der Nähe von DC geboren und wuchs als jüngstes von sechs Kindern in einer italienisch-stämmigen Familie auf. Mit der Politik kam Pelosi bereits in jungen Jahren in Berührung: Ihr Vater vertrat von 1939 bis 1947 den Bundesstaat Maryland im Repräsentantenhaus.

Nach seinem Rücktritt 1947 war er zwölf Jahre lang Bürgermeister von Baltimore. Auch Pelosis Bruder hat das höchste Amt der Ostküstenstadt für vier Jahre inne.

Inzwischen blickt Pelosi selbst auf eine 37 Jahre lange Karriere im politischen Geschäft zurück. Dabei war sie über lange Zeit in Führungsjobs im US-Kongress. So übernahm sie beispielsweise 2003 den Fraktionsvorsitz der Demokraten im Repräsentantenhaus.

Pelosi gilt als geschickte Taktiererin. Als eine, die es versteht, hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen. Als jemand, der schon mal acht Stunden ohne Pause und ohne Essen einen Redemarathon absolviert, um für ein Einwanderungsgesetz zu kämpfen, bewies sie in der Vergangenheit zudem ihr Durchhaltevermögen.

Interner Widerstand gegen Speakerin-Comeback

Zudem weiß Pelosi, Kritik abzuwehren, Mehrheiten zu organisieren und Abweichler einzufangen. Das zeigte sich erst vor kurzem wieder. Denn ihr Comeback als Speaker war keine sichere Sache.

In den eigenen Reihen gab es viel Widerstand gegen ihre Kandidatur für den Vorsitz. Einige demokratische Abgeordnete sprachen sich gegen sie aus, riefen nach Veränderung und Verjüngung.

Pelosi ließ sich von der Revolte nicht stoppen, organisierte die eigenen Truppen, ließ prominente Fürsprecher auftreten und besänftigte Konkurrenten und Kritiker, indem sie diesen mehr Mitsprache in der Fraktion zusicherte.

Außerdem versprach die 78-Jährige, das Amt nur bis 2022 auszuführen.

Pelosi stellt sich gegen Trump

Dass sie in dieser Zeit mit Donald Trump aneinandergeraten wird, gilt als sicher. Einer der großen Streitpunkte ist der vom Präsidenten geplante Bau einer Grenzmauer zu Mexiko.

Gegenüber Parteikollegen bezeichnete Pelosi ein Gespräch zur Finanzierung des Projekts im Dezember als "Pinkelwettbewerb mit einem Stinktier".

Weil bezüglich der Milliarden für Trumps Grenzmauer keine Einigung erzielt werden konnten und deshalb eine Haushaltssperre in Kraft trat, hatte der Streit kurz vor Weihnachten zu einem "Shutdown" der US-Regierung geführt.

Obwohl dieser bislang anhält, bleibt Pelsoi bei dem Thema auch im neuen Jahr hart. So bekräftige sie Anfang Januar in einem Interview mit NBC die Haltung ihrer Partei, dem Präsidenten kein Geld für den Mauerbau zu bewilligen.

"Wir können das Thema noch einmal von vorne bis hinten durchgehen - aber nein", so Pelosi. "Wie oft sollen wir noch Nein sagen? Nichts für die Mauer". (thp/dpa/afp)

Die Vorsitzende des US-Abgeordnetenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, hat sich gegen ein Amtsenthebungsverfahren gegen den republikanischen Präsidenten Donald Trump ausgesprochen. 

Verwendete Quellen:

  • CNN: Pelosi says Democrats will give 'nothing for the wall'
  • Homepage von Nancy Pelosi: Biography
  • Biographical Directory of the United States Congress: D'Alesandro, Thomas, Jr.