US-Präsident Donald Trump nimmt den Terror in London zum Anlass, seine eigene Innenpolitik voranzutreiben. Er hofft, seinen gerichtlich verhinderten Einreisestopp doch noch durchzubringen. Gleichzeitig schießt er scharf gegen Londons Bürgermeister Sadiq Khan.

US-Präsident Donald Trump hat seine Solidarität mit dem vom Terror heimgesuchten Verbündeten Großbritannien mit innenpolitischen Forderungen verknüpft.

Trump fordert Einreisestopp

Er forderte erneut, seinen Einreisestopp für Menschen aus mehreren islamischen Staaten in Kraft zu setzen, der von US-Gerichten gestoppt wurde. "Die Menschen, Juristen und Gerichten, mögen es nennen wie sie wollen. Ich nenne es einen Einreisestopp!", schrieb Trump auf Twitter.

Der US-Präsident forderte sein eigenes Justizministerium auf, einen noch härteren Einreisestopp vorzulegen, als diejenige Version, die derzeit zur Debatte steht.

Diese umfasst unter anderem einen 90-Tage-Stopp für Menschen aus sechs überwiegend islamischen Ländern sowie einen temporären Stopp des US-Flüchtlingsprogrammes.

Das vom Weißen Haus vorgelegte Papier hat bisher keiner von mehreren gerichtlichen Überprüfungen standgehalten.

Für viel Aufmerksamkeit sorgte die Reaktion von George Conway, Ehemann der Trump-Beraterin Kellyanne Conway.

Vielleicht würden sich einige Leute mit Trumps Tweets besser fühlen, twitterte Conway, sie seien aber schwerlich hilfreich, in einem Verfahren vor dem Supreme Court eine Mehrheit zu erhalten - darauf komme es aber an.

Conway schloss seinen Kommentar in typischer Trump-Manier: "Traurig!"

Kritiker bemängeln unter anderem, dass das Verbot nicht für Länder wie Saudi-Arabien gelten soll, mit denen die USA Waffengeschäfte machen.

Einreisestopp bereits mehrfach gescheitert

Der Einreisestopp soll nach dem Scheitern vor mehreren Gerichten auf Verlangen des US-Justizministerium vom Obersten Gerichtshof der USA, dem Supreme Court, behandelt werden.

Trump erklärte, auch ohne Inkrafttreten des Papiers werde es extrem scharfe Überprüfungen an den Grenzen geben.

Trump hatte am Wochenende Großbritannien nach den Terroranschlägen in London erneut "unerschütterliche Unterstützung" zugesagt.

Zugleich hatte er seine Entschlossenheit betont, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen.

Die USA würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer Galaveranstaltung in Ford's Theater in Washington, dem historischen Ort, an dem Abraham Lincoln 1865 erschossen worden war. "Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, stärker denn je, die USA und ihre Verbündeten vor einem abscheulichen Feind zu schützen, der einen Krieg gegen unschuldiges Leben führt."

"Und es währt schon zu lange", fuhr der Präsident fort. "Dieses Blutvergießen muss enden. Dieses Blutvergießen wird enden. Als Präsident werde ich tun, was nötig ist, um zu verhindern, dass diese Bedrohung unsere Küsten erreicht."

Es waren Trumps erste öffentliche mündliche Äußerungen nach den Terroranschlägen in London.

Trump kritisiert Londons Bürgermeister - und verdreht dabei die Tatsachen

Zuvor hatte er mit der britischen Premierministerin Theresa May telefoniert, aber sich hauptsächlich via Twitter zu Wort gemeldet. Dabei hatte er kräftig für seinen eigenen Kurs geworben und gleichzeitig Londons Bürgermeister Sadiq Khan kritisiert.

"Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt 'keinen Grund, alarmiert zu sein!'", schrieb Trump am Sonntag.

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Khan hatte seine Äußerung aber nicht auf die Terrorbedrohung bezogen, sondern klar darauf, dass die Londoner eine verstärkte Polizeipräsenz auf den Straßen zu erwarten hätten.

Am Montag sprach Trump dann von einer "armseligen Ausrede" Khans. Dieser müsse jetzt schnell über seine Aussage nachdenken, es gebe keinen Grund zur Panik.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte Khan zuvor "exzellente Arbeit" attestiert. Khan selbst hatte sich sehr klar zu den Urhebern der Anschläge geäußert. "Wir werden diese Feiglinge nie gewinnen lassen, und wir werden uns nie vom Terrorismus einschüchtern lassen", betonte er. (dpa/tfr)