Gibt sich Moskau mit der Krim zufrieden? Der Westen befürchtet, dass sich Russland auch andere Regionen einverleiben könnte. Die G7 spricht heute über die Krim-Krise. Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine im Ticker.

17:20 Auf der Krim ist nach ukrainischen Angaben etwa die Hälfte der Soldaten zu den russischen Truppen übergelaufen. Nach russischen Angaben waren zu Beginn des Konflikts gut 18.000 ukrainische Soldaten auf der Halbinsel. Weiterhin befänden sich aber ukrainische Kräfte innerhalb des "besetzten Territoriums", sagte der stellvertretende Oberkommandierende Alexander Rosmasin am Montag in Kiew. Den verbliebenen Kriegsschiffen werde die Ausfahrt ins offene Meer verwehrt. Nach Medienberichten stand zudem die Übernahme des Landungsschiffs "Konstantin Olschanski" kurz bevor. Der Anschluss der Krim an Russland wird international nicht anerkannt.

16:25 Als Reaktion auf kanadische Sanktionen gegen Russland hat Moskau seinerseits Strafmaßnahmen gegen 13 ranghohe Politiker aus dem nordamerikanischen Land verhängt. Die Einreiseverbote seien die Antwort auf das "unangemessene kanadische Verhalten" im Streit um den Beitritt der Krim zu Russland, teilte das Außenministerium in Moskau am Montag mit. Auf der Liste stehen enge Mitarbeiter von Regierungschef Stephen Harper sowie führende Parlamentarier. Die kanadischen Sanktionen hätten einen großen Schaden in den bilateralen Beziehungen angerichtet, teilte das Ministerium mit. Zuvor hatte Russland bereits Sanktionen gegen wichtige US-Politiker verhängt.

16:05 Das ukrainische Militär hat mit dem Truppenrückzug begonnen, berichtet ein BBC-Reporter von der Krim. Am Vormittag hatte das Verteidigungsministerium angeordnet, dass alle Soldaten die Halbinsel verlassen sollen.

15:45 Die Grünen haben angesichts des Ukraine-Konflikts eine stärkere Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen sowie den Ausbau von Ökostrom gefordert. "Die Spannungen mit Russland ... sind eine Mahnung, die massive Abhängigkeit unseres Landes von fossilen Energieimporten abzubauen", heißt es in einem Beschluss des Parteirats vom Montag. Dabei dürfe nicht auf umweltgefährdendes Fracking oder klimaschädliche Kohle gesetzt werden sondern auf Energieeinsparung, Effizienz und erneuerbare Energien.

14:45 Zur Lösung der Krise in der Ukraine bringt die Partei des russischen Ultranationalisten Wladimir Schirinowski eine Aufteilung des Landes ins Spiel. Es seien Briefe an die Regierungen in Polen, Rumänien und Ungarn verschickt worden mit Vorschlägen, sich in den angrenzenden ukrainischen Gebieten für Volksentscheide einzusetzen, damit die Menschen dort wie auf der Halbinsel Krim über einen Anschluss an "historische Regionen" entscheiden könnten.

14:21 Die US-Sanktionen gegen Russland zeigen offenbar erste Wirkung: Bei der SMP-Bank sind bislang Einlagen in Höhe von umgerechnet rund 180 Millionen Euro abgezogen worden, wie das Institut mitteilt. Die USA hatten vergangene Woche Sanktionen gegen 20 Russen aus dem Umfeld von Wladimir Putin verhängt. Darunter sind auch Boris Rotenberg und sein Bruder Arkadij, die zu den Miteigentümern der SMP-Bank gehören.

13:45 Wenige Stunden vor Auftakt des G7-Treffens in Den Haag droht US-Präsident Barack Obama Russlands Machthaber Wladimir Putin erneut mit Konsequenzen für seine Annexion der Krim: "Europa und Amerika sind einig in unserer Unterstützung der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volkes", sagte Obama nach einem Treffen mit dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte in Amsterdam. "Wir sind einig darin, dass Russland für sein bisheriges Handeln bezahlen muss." Er sei überzeugt, "dass zunehmende Sanktionen erhebliche Folgen für die russische Wirtschaft haben werden".

12:55 Kanzlerin Angela Merkel hat sich beunruhigt über die Präsenz russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine gezeigt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: "Eine Massierung der Truppen in dieser Region kann nicht als Bemühung um Entspannung verstanden werden". Dies habe Merkel in einem Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich gemacht.

Dabei betonte Merkel nach Seiberts Angaben, dass es auch in dem benachbarten Staat Moldau nicht zu Versuchen einer Destabilisierung durch Russland kommen dürfe. Sie bekräftigte gegenüber Putin, dass die Annexion der Krim unzweifelhaft gegen das Völkerrecht verstoße und nicht anerkannt werde. Moskau trage nun die Verantwortung dafür, dass es auf der Krim nicht zu einem Blutvergießen komme.

11:45 Deutsche Unternehmen legen angesichts der Krim-Krise Investitionen in Russland auf Eis. "Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden. Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Volker Treier, im ARD-"Morgenmagazin". Auch deutsche Banken stuften Russland inzwischen als riskanteren Geschäftspartner ein und vergäben weniger Kredite. Treier betonte die Bedeutung Russlands als Wirtschaftspartner. In Russland seien 6.200 deutsche Firmen mit 250.000 bis 300.000 Beschäftigten aktiv.

11:00 Sorge um die deutsche Minderheit in der Ukraine: Der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Hartmut Koschyk (CSU), will klare Schutzregelungen. Es herrsche große Unruhe bei der deutschen und anderen Minderheiten, sagte Koschyk der "Welt".

Alle Betroffenen bräuchten von der ukrainischen Führung die klare Botschaft, dass sie geschützt werden, forderte er. Koschyk warnte vor weiterer Unruhe und möglichen "Panikreaktionen in Form von Ausreiseanträgen" der Deutschen vor Ort. Der Minderheiten-Beauftragte sprach sich auch dafür aus, mit der Ukraine und Russland darüber zu reden, "den Minderheiten unabhängig von der staatlichen Zugehörigkeit weitgehende Autonomie zuzusichern".

10:15 Die ukrainischen Truppen auf der Krim sollen sich umgehend von der Halbinsel zurückziehen. Das ordnet das Verteidigungsministerium in Kiew an. Die betroffenen Soldaten würden ins Kernland verlegt, sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow im Parlament. Außerdem habe man beschlossen, die Angehörigen der Soldaten in Sicherheit zu bringen. Dies gelte für "alle, die heute unter Druck ihre Häuser verlassen müssen", so Turtschinow.

8:46 Nach dem umstrittenen Beitritt der Krim zu Russland werfen die neuen Machthaber auf der Halbinsel der Ukraine vor, die Stromversorgung zu kappen. Nur etwa 50 Prozent des vereinbarten Lieferumfangs komme im Moment auf der Krim an, sagte Vizeregierungschef Rustam Temirgalijew in Simferopol am Montag. Er warf der Ukraine vor, die Halbinsel nach ihrem Anschluss an Russland nun unter Druck setzen zu wollen. Die Krim sei aber vorbereitet und habe Hunderte Dieselgeneratoren, um auf Stromsenkungen zu reagieren.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hatte zuvor erklärt, dass ungeachtet der Spannungen die Halbinsel weiter versorgt werden solle, Russland dafür aber zahlen müsse.

8:05 Auf der Krim sind erneut Schüsse zu hören. Mit Hubschraubern sollen russische Soldaten den ukrainischen Marine-Stützpunkt in Feodosia gewaltsam besetzt haben, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Die ukrainischen Soldaten seien unbewaffnet gewesen. Mit der Marinebasis in Feodosia wäre einer der letzten ukrainischen Stützpunkte auf der Krim nun in russischer Hand.

7:45 US-Präsident Barack Obama und die anderen Staats- und Regierungschefs der führenden sieben Industriestaaten (G7) beraten heute in Den Haag über die Ukraine-Krise.

Am Rande eines Gipfels von 53 Staatenlenkern über den Schutz von Nuklearmaterial vor Terroristen will die Siebener-Gruppe ein Zeichen der Gemeinsamkeit und Geschlossenheit gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin setzen. Die G7 wird Russland voraussichtlich davor warnen, die Lage in der Ukraine weiter zu destabilisieren und etwa Truppen in den Osten der Ukraine zu schicken. Zu dem Gipfel kommt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

7:15 Nach der Annexion der Halbinsel Krim wächst im Westen die Sorge vor neuen Gebietsansprüchen Russlands. Die Nato zeigte sich beunruhigt über die russische Truppenpräsenz an der Ostgrenze der Ukraine. Die Streitkräfte seien so stark, dass sie im Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien auch eine Bedrohung für die frühere Sowjetrepublik Moldau darstellen könnten, sagte Oberkommandeur Philip Breedlove in Brüssel. Außenminister Frank-Walter Steinmeier drohte Moskau mit schärferen Sanktionen, falls sich die Krise ausweite.

7:00 In Donezk in der Ostukraine forderten am Sonntag mehrere tausend Menschen ein Referendum über eine Abspaltung, viele Demonstranten unterzeichneten Probestimmzettel. Für zusätzliche Unruhe sorgten Spekulationen über eine Konzentration russischer Streitkräfte an der Grenze. Moskau wies diese Berichte zurück. Russland halte sich an alle internationalen Vereinbarungen, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow der Agentur Interfax zufolge.