Beim Ukraine-Krisengipfel in Minsk ist Kremlchef Wladimir Putin zufolge eine Einigung über eine Waffenruhe für das Kriegsgebiet Donbass erzielt worden. Sie soll ab diesem Sonntag um Mitternacht gelten, sagte er am Donnerstagmorgen nach Verhandlungen mit Kanzlerin Angela Merkel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Kurz zuvor hatten die Hoffnungen auf eine Lösung in der Ukraine-Krise noch einen Dämpfer erhalten.

Nachdem Berichte über die bevorstehende Unterzeichnung eines Abschlussdokuments einen raschen Durchbruch beim Friedensgipfel in Minsk vermuten ließen, sollen unannehmbare Forderungen von russischer Seite die Verhandlungen erneut ins Stocken gebracht haben. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit den Worten, Wladimir Putin habe "inakzeptable Bedingungen" gestellt. Deshalb könnten "keine guten Nachrichten" hinsichtlich einer Beendigung der Krise verkündet werden, sagte Poroschenko laut AFP. Zudem hätten die prorussischen Separatistenführer Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki die Unterschrift eines Abschlussdokuments zum Krisengipfel verweigert.

Das droht Europa, wenn in der Ukraine kein Frieden einkehrt.

Zuvor hatte die russische Agentur Itar-Tass gemeldet, das besagte Abschlussdokument umfasse 12 bis 13 Punkte, mit denen die Krise in der Ostukraine gelöst werden solle. Am Verhandlungsort wurde am Donnerstagmorgen ein Saal vorbereitet, in dem Kanzlerin Angela Merkel, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der französische Staatschef François Hollande und Russlands Präsident Wladimir Putin das Ukraine-Papier unterschreiben wollten. Derweil wurden noch am frühen Donnerstagmorgen aus dem Kriegsgebiet neue Kämpfe gemeldet.

In der Nacht waren waren nach ersten positiven Anzeichen die Gespräche ins Stocken geraten. Nachdem die russische Seite am Abend Zuversicht verbreitet hatte, verlautete weit nach Mitternacht aus Kreisen der anderen Delegationen, Kremlchef Wladimir Putin stelle sich quer.

Sergej Lawrow: Gespräche laufen "besser als super"

Bis zum frühen Morgen hatten Kanzlerin Angela Merkel, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der französische Staatschef François Hollande und Putin dann weiter verhandelt. Zwischenzeitlich baten sie ihre Außenminister dazu. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte während der Verhandlungen am gestrigen Abend, die Gespräche verliefen "aktiv". Dies bedeute "besser als super". Das Präsidialamt des gastgebenden weißrussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko teilte mit: "Eine Deklaration ist möglich."

Das Treffen gilt als bisher wichtigster Vorstoß zur Beendigung des seit zehn Monaten dauernden Konflikts, bei dem im Donbass mehr als 5.400 Menschen getötet wurden. Überschattet wurden die Verhandlungen in Minsk von neuer Gewalt in der Ostukraine. Poroschenko drohte kurz vor den Verhandlungen mit der Verhängung des Kriegsrechts, sollten die Gespräche scheitern.

Überraschend waren auch die prorussischen Separatistenführer Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki nach Minsk gereist. Welche Rolle sie dort gespielt haben, war zunächst unklar. Die Führung in Kiew lehnte bisher direkte Gespräche mit den Aufständischen ab.

IWF schnürt Milliarden-Paket für die Ukraine

Vor dem Gipfeltreffen hatte US-Präsident Barack Obama sowohl mit Kremlchef Putin als auch mit Poroschenko telefoniert. Obama forderte Putin auf, die Chance zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes zu nutzen. Poroschenko sicherte er zu, die USA würden dem Land in Absprache mit anderen Partnern weiter mit Finanzhilfen beistehen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat ein Milliarden-Hilfspaket für die Ukraine geschnürt. Wie IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag mitteilte, soll das Land nach diesem vorläufigen Plan zunächst 17,5 Milliarden Dollar erhalten. Eine derartige Vereinbarung sei auf Beamtenebene mit der Ukraine auf Basis eines neuen wirtschaftlichen Reformprogramms getroffen worden. Das Hilfspaket muss allerdings noch von den Entscheidungsgremien des IWF abgesegnet werden.

Parallel verhandele die Ukraine mit internationalen Gläubigerstaaten, um die finanzielle Situation des krisengeschüttelten Landes zu stabilisieren. Nach Lagardes Worten geht es insgesamt um ein Finanzpaket im Volumen von 40 Milliarden Dollar. (cai/szu/dpa/afp)